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27.06.2011

11:03 Uhr

Hauptversammlung

VW verschiebt Machtübernahme bei MAN

Eigentlich wollte Volkswagen sich heute die Kontrolle des MAN-Aufsichtsrates sichern - doch der Plan ist gescheitert. Konzernpatriarch Piech reagiert damit auf Druck der EU.

Auf der Hauptversammlung gibt es Widerstand gegen die VW-Mehrheit im Aufsichtsrat des Lastwagenbauers. Quelle: ap

Auf der Hauptversammlung gibt es Widerstand gegen die VW-Mehrheit im Aufsichtsrat des Lastwagenbauers.

MünchenGereizter könnt die Stimmung auf der MAN-Hauptversammlung kaum sein. Draußen strahlt die Sonne über dem Münchener Messerzentrum  - drinnen sind die Mienen der meisten Kleinaktionäre grimmig. Viele sind sauer auf den Großaktionär Volkswagen, der sich mit einem absichtlich niedrig dotierten Übernahmeangebot über 95 Euro die Macht bei MAN an sich reißen will. „Ich verkaufe nicht“, sagt  Aktionär Max Hermann. „Ich warte auf einen höheren Preis“. Auch Herwig Martin will nicht verkaufen. „Mir gefällt die Rolle von Volkswagen und Herrn Piech nicht“, sagt der Anteilseigner. Vor Beginn der Hauptversammlung liegen bereits ein Dutzend Wortmeldungen vor.

Im Saal ist es dann nicht nur wegen der Klimaanlage frostig: MAN-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech trägt mit unbewegten Gesichtszügen und leicht stockender Stimme die Tagesordnung vor. Die Spannung, die in dem großen, schwach bleuchteten Raum in der Luft liegt, lässt den Patriarchen keineswegs kalt. Während seines halbstündigen Vortrags wirkt er angespannt, verhaspelt sich gleich zu Beginn. Ein paar Meter vor ihm sitzt in der ersten Reihe seine Frau Ursula. Im Gegensatz zu ihrem Gatten gibt sie sich locker, plaudert vor Beginn des Aktionärstreffens mit den Reportern. Ferdinand Piech hingegen wendet sich ab und enteilt wortlos, als er von Journalisten angesprochen wird.

Kritik der Aktionäre im Wortlaut

Harald Petersen, Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK)

"Wir haben hier einen Schatten, und der heißt Professor Piech."

Harald Petersen, Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK):

"Herr Piech, sie sind der personifizierte Interessenkonflikt."

Harald Petersen, Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK):

"Die Frage ist doch, ob das Übernahmeangebot nicht ein Scheinangebot ist."

Harald Petersen, Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK):

"Das Übernahmeangebot ist lächerlich, deshalb hat es keiner angenommen."

Ingo Speich, Union Investment:

"Wir fordern das MAN-Management auf, sich mit IPIC zu einigen und Ferrostaal zu verkaufen."

Ingo Speich, Union Investment:

"Der ganze Vorgang erinnert an eine geschickt eingefädelte Inszenierung."

Ingo Speich, Union Investment:

"Wir sind bestürzt, wie die Kontrollfunktionen wichtiger Aufsichtsorgane wahrgenommen werden."

Ingo Speich, Union Investment:

"Herr Piech, welches Spiel spielen sie hier?" Wir sind in Sorge, dass ihr Interessenkonflikt zu Lasten der Minderheitsaktionäre ausgetragen wird.

Ingo Speich, Union Investment:

"Unserer Auffassung nach hat der Aufsichtsrat seinen Kontrollauftag nicht ausreichend erfüllt."

Thomas Hechtfischer, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW):

"Das Übernahmeangebot ist wichtig, denn wir wissen nun, was VW will."

Thomas Hechtfischer, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW):

"Wir haben nichts gegen eine Kooperation von MAN und Scania unter einem VW-Dach."

Thomas Hechtfischer, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW):

"Ich bin überzeugt, dass MAN keine Filiale von Volkswagen wird."

Und dann der Hammer: Volkswagen wird nicht wie geplant heute die Kontrolle des MAN-Aufsichtsrates übernehmen. Wie Ferdinand Piëch sagte, hat die EU aus kartellrechtlichen Überlegungen Bedenken gegen die Kandidatur von VW-Chef Winterkorn, VW-Finanzvorstand Pötsch sowie Nutzfahrzeugvorstand Heizmann geäußert. Alle drei sitzen auch im Aufsichtsrat der schwedischen VW-Tochter Scania.

VW will aus MAN und Scania unter dem Dach des Autoriesen eine Lastwagen-Allianz schmieden. Piëch sagte, die drei Vorstände stünden unter diesen Umständen nicht zur Verfügung. Statt der drei Vorstände sollen nun drei andere Kandidaten gewählt werden. Piëch kandidiert hingegen erneut.

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