Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.03.2004

07:47 Uhr

HDW braucht von Oktober an neuen Vorstandschef

OEP und Thyssen-Krupp loten Fusionim deutschen Marineschiffbau aus

VonL. Beukert (M. Hennes und C. Nesshöver)

In die Neuordnung des deutschen Marineschiffbaus kommt nach mehrmonatigem Stillstand Bewegung. Wie es in Unternehmenskreisen heißt, sprechen der US-Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) und der Thyssen-Krupp-Konzern über eine Zusammenlegung ihrer Werften in einer gemeinsamen Gesellschaft.

HAMBURG/PARIS. Die Bundesregierung hat großes Interesse an einem deutschen Werftenverbund. Dieser könnte die Vorstufe zu einer europäischen Allianz im Marineschiffbau bilden, ähnlich dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. In Industriekreisen gilt eine solche Neuordnung als überfällig.

Parallel zu den Gesprächen in Deutschland und auf Wunsch der Regierung in Paris wird in Frankreich derzeit ein Zusammenschluss der staatlichen Werftengruppe DCN mit dem Anbieter von Rüstungselektronik, Thales, geprüft.

Thales unterstrich gestern, bei der Konsolidierung der europäischen Werftenindustrie ein gewichtiges Wort mitreden zu wollen. Ende 2003 hatten die Franzosen den Kauf von HDW geprüft, aber wegen zu hoher Preisforderungen des Eigentümers OEP davon abgesehen. „Wir befinden uns mitten in diesem Spiel“, sagte Thales-Chef Denis Ranque bei der Präsentation der Jahresergebnisse. Thales steigerte 2003 den Betriebsgewinn um 17 % auf 698 Mill. Euro. Das Nettoergebnis blieb mit 112 Mill. Euro im Vergleich zum Vorjahr fast stabil. Der Umsatz sank – wechselkursbedingt – um 5 % auf 10,6 Mrd. Euro.

Branchenkenner führen die neue Gesprächsbereitschaft von OEP auch auf den Einfluss des neuen Mehrheitsaktionärs zurück. OEP gehört zur Chicagoer Bank One, die gerade vom US-Branchenriesen JP Morgan Chase übernommen wird. JP Morgan habe alle nicht zum Kerngeschäft gehörenden Beteiligungen der beiden Bankkonzerne auf den Prüfstand gestellt, heißt es.

OEP hatte im September 2002 HDW von der Tui und der inzwischen insolventen Babcock-Borsig AG gekauft, mit 814 Mill. Euro nach Ansicht von Analysten aber einen zu hohen Preis gezahlt. Der Plan, HDW an einen US-Rüstungskonzern weiterzureichen, scheiterte. HDW ist Weltmarktführer im Bau von konventionellen U-Booten und erzielt einen Umsatz von 1,7 Mrd. Euro. Ende Oktober bekräftigte OEP, für weitere drei bis fünf Jahre die Mehrheit von HDW behalten zu wollen, um auf europäischer Basis eine neue Aktionärsstruktur entwickeln zu wollen. Zusätzlich versorgte OEP HDW mit 400 Mill. Euro frischer Liquidität.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×