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29.04.2013

14:28 Uhr

HealthCare-Geschäft

Bayer will Conceptus übernehmen

Verhütung soll sich wieder lohnen: Der Chemieriese Bayer will die Spezialisten der US-Firma Conceptus übernehmen. Damit soll das HealthCare-Geschäft ausgebaut werden.

Der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Marijn Dekkers, bei der Hauptversammlung in Köln. dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Marijn Dekkers, bei der Hauptversammlung in Köln.

FrankfurtBayer greift für den Ausbau seines Geschäfts mit Verhütungsmitteln im lukrativen US-Markt tief in die Tasche. Für umgerechnet 852 Millionen Euro will der Pharma- und Chemiekonzern die kalifornische Firma Conceptus schlucken, wie Bayer am Montag mitteilte. Das US-Unternehmen hat eine Methode zur dauerhaften Sterilisierung entwickelt, die von Gynäkologen ohne operativen Eingriff eingesetzt werden kann. „Diese Übernahme passt außerordentlich gut zu unserem HealthCare-Geschäft - besonders in den USA, dem wichtigsten Gesundheitsmarkt der Welt“, erklärte Bayer-Chef Marijn Dekkers. Gelingt der Zukauf, können die Leverkusener ihre Geschäfte mit Antibaby-Pillen und Spiralen mit einem neuen Sterilisierungsverfahren ergänzen.

An der Börse kam die Nachricht gut an. Unter Herausrechnung des Dividendenabschlags legte die Aktie zeitweise um 1,2 Prozent zu. „Das passt exzellent zu den bestehenden Geschäften“, hieß es bei der DZ Bank. Mit einem Bieterkampf sei nicht zu rechnen, da es nur wenige Konzerne in der Verhütungsmedizin gebe. Bayer will nun innerhalb der nächsten zehn Arbeitstage eine Offerte zum Kauf aller Aktien von Conceptus veröffentlichen. Den Conceptus-Aktionären bietet Bayer 31,00 Dollar je Anteilsschein in bar - ein Aufschlag von rund 20 Prozent auf den Schlusskurs der Conceptus-Aktie vom Freitag. Bis Mitte 2013 will der Konzern den Zukauf in trockene Tücher bringen.

Bayer erwirtschaftete im vergangenen Jahr in seinem Feld Women's HealthCare, in dem der Konzern seine Geschäfte mit Antibaby-Pillen und Spiralen bündelt, Umsätze von 3,15 Milliarden Euro. Das Dax-Unternehmen hatte dieses Geschäftsfeld 2006 durch die Übernahme des Berliner Schering-Konzerns kräftig ausgebaut. Antibaby-Pillen gehören aktuell zu den umsatzstärksten Präparaten der Bayer-Pharmasparte. Mit den Verhütungsmitteln der Gruppe Yaz/Yasmin/Yasminelle setzten die Leverkusener 2012 weltweit insgesamt 1,05 Milliarden Euro um.

Geschichte von Bayer

Von einer Farbenfabrik zum Chemie- und Pharmariesen

Der Bayer-Konzern kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Sie beginnt in Wuppertal Barmen vor 150 Jahren. Es war die Geburtsstunde der deutschen Chemieindustrie.

1863

Friedrich Bayer und Johann Weskott gründen am 1. August die Farbenfabrik Fried. Bayer & Co.

1899

Das Schmerzmittel Aspirin wird zum Patent angemeldet. Noch heute gehört das Medikament zu den umsatzstärksten Bayer-Präparaten.

1925

Nach gut 60 Jahren verliert Bayer seine Selbstständigkeit; das Unternehmen geht in die IG Farben auf. Aus Bayer wurde die IG Betriebsgemeinschaft Niederrhein.

1933

In Leverkusen leuchtet erstmals das Bayer-Kreuz auf. Es hatte eine Durchmesser von 72 Metern und war mit 2200 Glühbirnen bestückt. Es ist bis heute das Wahrzeichen der Stadt geblieben.

1939

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird die Produktion der Chemieindustrie den Zielen der Kriegsführung untergeordnet. Zwangsarbeiter vor allem aus Osteuropa wurden in vielen Betrieben eingesetzt, auch in Leverkusen.

1951

Bayer wird nach der Zerschlagung der IG Farben neu gegründet und Ulrich Haberland der erste Vorstandsvorsitzende.

1978

Bayer übernimmt das US-Unternehmen Miles, das nach dem Rückerwerb der Markenrechte in den USA 1995 in Bayer Corporation umbenannt wird.

2001

Bayer nimmt den Blutfettsenker Lipobay vom Markt, was den Konzern in eine tief Krise stürzt. Im gleichen Jahr erfolgt der Erwerb des Pflanzenschutzgeschäftes Aventis CropScience.

2005

Bayer löst das Chemie- und Teile des Kunststoffgeschäftes aus dem Konzern und bringt ihn als Lanxess AG an die Börse.

2006

Der Erwerb des Berliner Pharmaunternehmens Schering für rund 17 Milliarden Euro ist der teuerste Zukauf der Firmengeschichte.

2010

Marijn Dekkers wird Vorstandsvorsitzender. Der Niederländer mit amerikanischem Pass ist der erste externe Manager an der Spitze des Konzerns.

Conceptus erwirtschaftete 2012 einen Umsatz von umgerechnet rund 110 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 22 Millionen Euro. Das Unternehmen mit Sitz in Mountain View hat rund 300 Beschäftigte. Für das laufende Jahr hatte Conceptus einen Umsatz zwischen umgerechnet 119 und 122 Millionen Euro sowie ein Ebitda von umgerechnet 26 bis 28 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Das Sterilisierungsverfahren von Conceptus mit dem Namen „Essure“ wurde in den USA 2002 zugelassen. Bayer hatte zuletzt von Großakquisitionen Abstand genommen. Stattdessen hatte Konzernchef Dekkers die Konzerngeschäfte mittels kleinerer und mittelgroßer Zukäufe ausgebaut. Im vergangenen Jahr hatte Bayer für bis zu 145 Millionen Dollar die amerikanische Tiermedizinsparte des weltgrößten Generikaherstellers Teva übernommen. Davor hatte der Konzern für 425 Millionen Dollar die kalifornische Firma AgraQuest erworben, die auf Basis von Mikroorganismen Pflanzenschutzmittel für den Obst- und Gemüseanbau herstellt.

Von

rtr

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