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16.11.2015

20:33 Uhr

Heckler und Koch

Waffenschmiede bekommt frisches Kapital

Der Mehrheitseigentümer schießt 60 Millionen Euro in das Waffenunternehmen. Heckler & Koch hofft indessen auf Großaufträge für Gewehre und ist trotz Börsennotiz vorerst nicht auf Investorensuche.

Verschiedene Ausführungen der Maschinenpistole MP5 hängen am Firmensitz des Waffenproduzenten Heckler und Koch in Oberndorf in einem Präsentationsraum an einer Wand. dpa

Heckler & Koch

Verschiedene Ausführungen der Maschinenpistole MP5 hängen am Firmensitz des Waffenproduzenten Heckler und Koch in Oberndorf in einem Präsentationsraum an einer Wand.

FrankfurtDer Mehrheitseigentümer von Heckler & Koch will den Kritikern des Waffenherstellers mit einer millionenschweren Kapitalspritze den Wind aus den Segeln nehmen. Der mit 51 Prozent an dem schwäbischen Unternehmen beteiligte Investor Andreas Heeschen hat nach eigenen Angaben 60 Millionen Euro Eigenkapital aus seinem Privatvermögen zugeschossen, um die Nettoverschuldung zu senken. „Wir müssen das schlechte Image korrigieren“, sagte der als öffentlichkeitsscheu geltende Heeschen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Heckler & Koch werde von Ratingagenturen derzeit mit „CCC“ bewertet, was auf ein hohes Ausfallrisiko seiner Schulden hindeutet.

„Das stört mich, rein emotional – und auch die Kunden“, sagte Heeschen. „Die Konkurrenz nutzt das aus.“ Behörden, mit die wichtigsten Kunden von Heckler & Koch, ließen sich davon verunsichern. Ziel sei es, dem Unternehmen wieder zu einem „B“-Rating zu verhelfen, sagte der 54-Jährige. „Mit einem 'B' sind sie wieder salonfähig.“ Dazu wolle er die Schulden von bisher 300 Millionen Euro drücken. „Wir müssen rund 100 Millionen abbauen.“ So ließen sich die Zinskosten um ein Drittel senken. Die mit fast zehn Prozent verzinste Anleihe läuft 2018 aus, Heeschen will sie aber ein Jahr früher refinanzieren.

Die größten Rüstungskonzerne Europas

Platz 10: Saab

Der schwedische Flugzeugbau- und Rüstungskonzern Saab erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von rund 2,8 Milliarden US-Dollar.

Platz 9: Rheinmetall

2,9 Milliarden US-Dollar Umsatz machte Rheinmetall 2014. Bessere Waffengeschäfte machten den deutschen Industriekonzern noch zuversichtlicher für 2015.

Platz 8: Babcock International

2014 erwirtschaftete Babcock International einen Umsatz von 3,5 Milliarden US-Dollar. Das multinationale Rüstungsunternehmen hat seinen Firmensitz in London.

Platz 7: DCNS

Direction des Constructions Navales (DCNS) ist ein französischer, auf Kriegsmarine und Energie spezialisierter Industriekonzern. 2014 sank der Umsatz des Unternehmens von 4.601,7 Millionen US-Dollar (2013) auf 4,1 Milliarden US-Dollar.

Platz 6: Safran

2014 lag der Umsatz von Safran bei 4, 1 Milliarden US-Dollar. Der Konzern ist nach Rolls-Royce zweitgrößter Hersteller von Flugmotoren und Strahltriebwerken.

Platz 5: Rolls-Royce

Rolls-Royce ist der Gigant unter den europäischen Flugzeugmotor-Herstellern. Der Umsatz betrug 5,4 Milliarden US-Dollar in 2014.

Platz 4: Thales

Die französische Thales Group ist ein internationaler Konzern auf den Märkten der Militärtechnik, Luft- und Raumfahrt. 2014 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von rund 8,5 Milliarden US-Dollar.

Platz 3: Finmeccanica

Einer der größten Industriekonzerne Italiens, Finmeccanica, erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von rund 10,6 Milliarden US-Dollar.

Platz 2: Airbus

Die Geschäfte der Airbus Gruppe laufen derzeit gut. Der Umsatz 2014 ist im Vergleich zum Vorjahr (16,5 Milliarden US-Dollar) aber gesunken: 14,6 Milliarden US-Dollar.

Platz 1: BAE Systems

Nachdem die Produktion des Kampfjets Eurofighter von BAE Systems reduziert wurde, fehlen die Einnahmen beim britischen Rüstungs- und Luftfahrtkonzern. Die Gewinnerwartungen für 2015 wurden zurückgeschraubt. Auch der Umsatz 2014 sank: 25,4 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 28 Milliarden US-Dollar) .

Die Ratingagenturen hatten angesichts eines Gewinneinbruchs im vergangenen Jahr Zweifel geäußert, ob der Mittelständler seine 295 Millionen Euro schwere Hochzinsanleihe noch bedienen könne. Das Waffen-Exportverbot in den Mittleren Osten habe den operativen Gewinn (Ebitda) 2014 auf rund 25 (2013: 60) Millionen Euro gedrückt, sagte Heeschen. Der auf rund 150 Millionen Euro geschrumpfte Umsatz soll in diesem Jahr auf 180 Millionen Euro steigen.

Heeschen macht sich Hoffnung auf Großaufträge für Gewehre aus Frankreich und Deutschland. „Wir wollen die Veränderungen in der Sicherheitspolitik der Nato nutzen“, sagte er. „Wir brauchen mehr Handfeuerwaffen als uns lieb ist.“ Heckler & Koch hatte sich im Juli fast unbemerkt an der Pariser Börse Euronext listen lassen, allerdings ohne frisches Geld einzusammeln

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Der Schritt sei mit Blick auf die Ausschreibung für ein Sturmgewehr für die französische Armee auch als Marketing-Instrument zu sehen, sagte Heeschen. Die Bundeswehr sucht einen Nachfolger für das Heckler & Koch-Gewehr G36, das im Frühjahr in die Kritik geraten war. Der Manager sieht das G36 rehabilitiert: „Politisch ist das durch.“

Der 2002 bei Heckler & Koch eingestiegene Heeschen hatte im Februar selbst die Führung übernommen und war von London an den Firmensitz in Oberndorf am Neckar umgezogen. Noch in diesem Jahr soll ihn der frühere Rheinmetall-Manager Nicola Marinelli ablösen. Eine Kapitalerhöhung, um Investoren an Bord zu nehmen, sei derzeit kein Thema, sagte Heeschen. „Nicht jetzt. Frühestens im Mai 2017.“ Einen Kauf anderer Waffenhersteller schloss er aus. „Es gibt keine Firma, die zu uns passt.

Von

rtr

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