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22.04.2015

17:09 Uhr

Heckler & Koch

Wie der G36-Produzent sich verteidigt

Im Verteidigungsausschuss nimmt Ministerin von der Leyen Stellung zur vermeintlichen Treffungenauigkeit des Gewehrs G36. Derweil wagt sich Hersteller Heckler & Koch aus der Deckung und verteidigt sein Produkt.

Heckler & Koch

Von der Leyen verkündet Aus für Sturmgewehr G36

Heckler & Koch: Von der Leyen verkündet Aus für Sturmgewehr G36

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DüsseldorfUm zu retten, was zu retten ist, hat der Waffenproduzent Heckler & Koch eine Zitatesammlung seiner Website vorangestellt. Das Unternehmen sammelt dort E-Mails und Stellungnahmen von Soldaten, die sich meist anonym zum Sturmgewehr G36 äußern – der Standardwaffe der Bundeswehr. Das G36 sei „absolut präzise, und damit nicht zu treffen, ist schon eine Kunst“, wird ein Stabsgefreiter H. aus F. zitiert.

Das Problem: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sieht das anders. Das Gewehr habe in seiner derzeitigen Version keine Zukunft in der Bundeswehr, kündigte die Ministerin am Mittwoch nach einer Sitzung des Verteidigungsausschusses im Bundestag an. Die Spezialkräfte und Soldaten im Einsatz sollen offenbar direkt eine andere Waffe erhalten. Ihre Sturmgewehre sollten möglichst rasch ersetzt werden, kündigte von der Leyen an. „Ein Rückgang von Bestellungen anderer Kunden ist nicht zu verzeichnen“, erklärte die Firma am Mittwochnachmittag. Zu den Äußerungen von der Leyens hieß es schlicht: „Kein Kommentar.“

Der Kurs einer Heckler & Koch-Firmenanleihe sackte an der Börse deutlich ab und notierte bei 63 Prozent. Wer zu diesem Kurs einstiegt, kann eine jährliche Verzinsung von 28 Prozent erzielen. Das zeigt, wie groß an Kapitalmärkten die Wahrscheinlichkeit eingeschätzt wird, dass das Unternehmen in eine Insolvenz schlittern könnte.

Bundeswehr: Von der Leyen schießt Sturmgewehr G36 ab

Bundeswehr

Von der Leyen schießt Sturmgewehr G36 ab

Die Sturmgewehre G36 haben in der Bundeswehr keine Zukunft. Das hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Mittwoch bekannt gegeben. Grund dafür dürfte nicht nur ein vernichtendes Expertengutachten sein.

Zur Vorgeschichte: Im November 2011 hatte die Wehrtechnische Dienststelle 91 der Bundeswehr erstmals festgestellt, dass das G36 nicht in allen Situation einwandfrei treffe. Diese Vermutung wurde in anschließenden Tests bestätigt und von der Rüstungsabteilung des Ministeriums im März 2012 als „erheblicher Mangel“ von „erheblicher Einsatzrelevanz“ eingestuft. Darüber wurde im April auch die Ministeriumsspitze informiert. Rund 167.000 G36 von Heckler & Koch hat die Bundeswehr im Bestand und eine Ausmusterung wäre zumindest ein großes Image-Problem für die Firma.

In einem vergangenen Freitag vorgelegten Expertengutachten im Auftrag des Verteidigungsministeriums war dem überwiegend aus Kunststoff bestehenden Gewehr eine unzureichende Treffsicherheit bescheinigt worden. Bei einer Temperaturveränderung um 30 Grad nahm die Treffsicherheit demnach bis zu einer Quote von nur noch 7 Prozent ab. Gefordert werden von der Bundeswehr 90 Prozent. Es gebe „erhebliche Zweifel an der technischen Glaubwürdigkeit der Versuchsdurchführung und der hieraus abgeleiteten Schlüsse“, antwortete Heckler & Koch.

Chronik G36 Sturmgewehr

Ab 2009

In den Jahren 2009 bis 2011 fielen bei zwei G36-Gewehren Verschmorungen am Handschutz auf, die aber auf unsachgemäßen Gebrauch zurückgeführt wurden.

2010

Im Jahr 2010 soll der Güteprüfdienst der Bundeswehr „deutliche Präzisionseinschränkungen“ festgestellt haben. Das geht nach Angaben aus dem Verteidigungsausschuss aus einem geheimen Rechnungshofbericht von 2014 hervor.

2011

Bei der Rekonstruktion der Verschmorungen wurden Anfang November 2011 von der Wehrtechnischen Dienststelle 91 der Bundeswehr erstmals Ungenauigkeiten bei der Treffsicherheit festgestellt.

2012

Bei weiteren Tests wurden die Probleme bestätigt. Die Rüstungsabteilung des Ministeriums berichtete am 23. März 2012 über einen „erheblichen Mangel“ von „erheblicher Einsatzrelevanz“. Das Einsatzführungskommando informierte die Soldaten im Einsatz bereits am 22. März.

Auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) war bereits zu diesem Zeitpunkt informiert. Die „Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel Online“ berichteten am Mittwoch über Dokumente, die das nochmals belegen. Aber auch im April 2012 hatte es schon eine breite Medienberichterstattung über die Probleme gegeben.

bis 2015

In den folgenden drei Jahren wurden mehrere weitere Untersuchungen erstellt und zahlreiche weitere Bewertungen abgegeben. Bis heute ist die Qualität des Sturmgewehrs umstritten.

22. April 2015

Am 22. April 2015 sagte Verteidigungsministern von der Leyen vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestages, dass es für das G36 keine Zukunft in der Bundeswehr gebe.

Die Aussagen sind ein Baustein einer Verteidigungstaktik, mit der das Unternehmen aus Oberndorf im Schwarzwald versucht, den Ruf eines Kernprodukts zu verteidigen. Seit Jahren gibt es negative Schlagzeilen über das G36. In den vergangenen Monaten hat sich die Schlagzahl erhöht und im Berliner Politikzirkus ist die Treffergenauigkeit der Waffe Thema auf Ministerebene und in Bundestagsausschüssen.

Kommentare (8)

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Herr Franz Paul

22.04.2015, 14:32 Uhr

Da gibt es doch nichts zu verteidigen. Es muss genau so gebaut werden, wie das Lastenheft des Auftraggebers es vorgibt. Und wenn das Lastenheft nichts taugt, taugt das Produkt auch nichts. Und wer hat das Lastenheft erstellt? BEAMTE! Noch Fragen?

Frau Ute Umlauf

22.04.2015, 14:57 Uhr

Verstehe die Aufregung nicht. Das G36 wurde offiziell freigeschossen u. diese Abnahme protokolliert u. unterzeichnet ... vom Bundesamt für Beschaffung u. H&K.
Da wird Leyen anständig zahlen müssen.

Herr Omarius M.

22.04.2015, 15:11 Uhr

gibts auch n link zur zitate sammlung ?....

die main website scheint grad überlaufen ...

und produziert fehlermeldungen

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