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24.01.2014

13:37 Uhr

Hedgefonds

Prokon-Pleite lockt Aufkäufer an

Prokon ist Pleite – jetzt wird verschachert: Hedgefonds wollen Prokon-Anlagen übernehmen. Der Prokon-Chef hatte am Donnerstag angekündigt, einen Teil der Windkraftanlagen zu verkaufen, um Geld in die Kasse zu bekommen.

Ein Mann geht an einem Prokon-Beratungsbüro in Hamburg vorbei. Der Windparkbetreiber hat am 22.01.2014 Insolvenz angemeldet. Zehntausende Kapitalanleger und rund 1300 Arbeitnehmer sind davon betroffen. dpa

Ein Mann geht an einem Prokon-Beratungsbüro in Hamburg vorbei. Der Windparkbetreiber hat am 22.01.2014 Insolvenz angemeldet. Zehntausende Kapitalanleger und rund 1300 Arbeitnehmer sind davon betroffen.

DüsseldorfNach der Pleite von Prokon bringen sich Schnäppchenjäger in Stellung. Der Hamburger Solarpark- und Windkraftbetreiber Capital Stage hat Interesse an einem Kauf von Prokon-Anlagen. „Die Übernahme von Bestandsparks gehört zu unserem Geschäft“, sagte ein Sprecher am Freitag. Man wolle abwarten, bis das Insolvenzverfahren eröffnet sei und dann Kontakt zum Verwalter aufnehmen. Auch der niederländische Hedgefonds Exchange Investors hat ein Auge auf Prokon geworfen und erklärte, er wolle Prokon-Anlegern Genussscheine abkaufen.

Dessen Vorstand Frank Scheunert, der den Fonds von Dubai aus verwaltet, kündigte gegenüber Reuters an: „In etwa zwei Wochen wollen wir ein konkretes Angebot vorlegen.“ Viel werde er für die Genussrechte aber nicht offerieren. Exchange Investors werde wohl zunächst für die bereits gekündigten Genussrechte bieten. Da es für Genussrechte keine Börsenkurse gebe, bereiteten Broker wie Nicolaus Stifel den Handel der Genussrechte vor.

Die Zukunft von Prokon

Ist die Insolvenzanmeldung das Ende von Prokon?

Nein, nicht zwangsläufig. Mit dem Gang zum Gericht ist zunächst das vorläufige Insolvenzverfahren angelaufen. Das Gericht bestellt einen vorläufigen Insolvenzverwalter, dessen Aufgabe es ist, das Unternehmen zu sanieren. So soll das für die Gläubiger beste Ergebnis erzielt werden. Im Fall des Fernsehherstellers Loewe konnte beispielsweise ein neuer Investor gefunden werden, der Teile des Unternehmens weiterführt. Für die Mitarbeiter setzt sich der Insolvenzverwalter für das staatlich gezahlte Insolvenzgeld ein. Damit könnte Prokon für drei Monate die Gehälter aus Staatsmitteln auszahlen. Der Betrieb geht zunächst erst einmal weiter. Erst später wird gerichtlich entschieden, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird.

Ist mein investiertes Geld verloren?

Nicht unbedingt. Prokon gibt zwar an, zahlungsunfähig zu sein, besitzt aber mit den Windparks auch große Sachwerte, die nun im vorläufigen Insolvenzverfahren verkauft werden könnten. Wie viel Geld die Genussrechteinhaber am Ende erwarten können, ist jedoch völlig unklar. Bedeutsam ist dabei, dass Genussrechte nur nachrangig gegenüber anderen Forderungen sind. Das heißt: Bevor die Inhaber von Genussrechten aus der Insolvenzmasse ausgezahlt werden, müssen andere Forderungen wie ausstehende Mitarbeitergehälter oder Mietzahlungen abgegolten sein.

Ich habe meine Genussrechte behalten. Was muss ich tun?

Durch die Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens bleibt Anlegern zunächst nur eins: abwarten. Vorerst brauchen sie ihre Forderungen noch nicht anzumelden. Dies wäre unwirksam. Erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens können die Forderungen angemeldet werden. Der Insolvenzverwalter hat angekündigt, die Genussrechteinhaber über das weitere Vorgehen zu informieren. Eine Kündigung zum jetzigen Zeitpunkt dürfte keine Auswirkungen mehr haben.

Ich habe meine Genussrechte schon gekündigt. Bekomme ich mein Geld?

Das Unternehmen wird auch die gekündigten Genussrechte zunächst nicht auszahlen. Laut Prokon werden diese gleichrangig zu den nicht gekündigten Genussrechten im Falle der Insolvenz behandelt. Somit werden die Anleger nicht früher aus der Insolvenzmasse bedient, nur weil sie gekündigt haben. Verbraucherschützer sehen dies genauso.

Kann ich mich juristisch wehren?

Mahnbescheide oder eine per Klage erwirkte Zwangsvollstreckung sind fast aussichtslos. Der Insolvenzverwalter hat das Recht, solche Zwangsvollstreckungen größtenteils zu untersagen. Eine Möglichkeit, sich eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen, ist eine Klage zur Beseitigung des Nachrangs der Genussrechte. Im Erfolgsfall würde der Kläger vor den anderen Genussrechteinhabern und gleichrangig mit anderen Gläubigern entschädigt. Die Erfolgsaussichten sind laut Verbraucherschützern aber unsicher. Bei einer Niederlage müsste der Kläger dann auch noch Anwalts- und Gerichtskosten tragen.

Wann kann ich damit rechnen, mein Geld zurück zu bekommen?

Durch das vorläufige Insolvenzverfahren genießt das insolvente Unternehmen besonderen rechtlichen Schutz. Sollte es zum eigentlichen Insolvenzverfahren kommen, kann dieses Jahre dauern. Bis die Gläubiger Geld sehen, müssen sie also wahrscheinlich lange warten.

Kann ich Prokon mit mehr Geld helfen?

Nein, der Insolvenzverwalter hat klar gemacht, dass derzeit keine neuen Genussrechte gezeichnet werden können. Er bat darum, keine Zahlungen mehr auf Prokon-Konten vorzunehmen.

Bekomme ich weiterhin Strom von Prokon?

Die Stromkunden haben wenig zu befürchten. Der Insolvenzverwalter hat mitgeteilt, dass der Geschäftsbetrieb von Prokon vollständig fortgeführt wird. Zudem würden Kunden in die sogenannte Ersatzversorgung fallen, wenn Prokon keinen Strom mehr liefern könnte. Dann würde der örtliche Stromerzeuger die Versorgung übernehmen. Sollte das Insolvenzverfahren eröffnet werden, könnten Kunden dann zu viel gezahlte Monatsabschläge anmelden und würden aus der Insolvenzmasse, soweit möglich, entschädigt.

Was macht ein vorläufiger Insolvenzverwalter?

Stellt ein Unternehmen Insolvenzantrag, übernimmt wie im Fall von Prokon meistens ein vorläufiger Insolvenzverwalter das Ruder. Die Geschäftsführung wird entmachtet. Während dieses „vorläufigen Insolvenzverfahrens“, also dem Zeitraum zwischen Antrag auf Insolvenz und Insolvenzeröffnung, wird von einem vom Gericht bestimmten Sachverständigen geprüft, ob tatsächlich ein Insolvenzgrund vorliegt. Dieser Experte ist oft zugleich der vorläufige Insolvenzverwalter. Er muss laut Insolvenzordnung prüfen, ob Zahlungsunfähigkeit, drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vorliegt.

Was bedeutet Eigenverwaltung?

Das Insolvenzverfahren kann aber auch in Eigenverwaltung ablaufen. Die Geschäftsführung bleibt dann im Amt, der bestellte Insolvenzverwalter tritt nur als beratender Sachwalter auf. Unter dessen Aufsicht kann die Geschäftsführung einen Sanierungsplan ausarbeiten. Ist die Sanierung nicht erfolgreich, wird das Insolvenzverfahren nach den üblichen Regeln fortgesetzt.

Was ist ein Schutzschirmverfahren?

Seit März 2012 ist auch ein sogenanntes Schutzschirmverfahren möglich. Dabei wird die Eigenverwaltung mit einem Vollstreckungsstopp kombiniert: Gläubiger können ihre Forderungen an das insolvente Unternehmen maximal drei Monate lang nicht durchsetzen.

75.000 Anleger hatten in der Hoffnung auf hohe Renditen Prokon insgesamt 1,4 Milliarden Euro an Genussrechtskapital zur Verfügung gestellt und zittern nun nach der Insolvenz um ihr Geld. Denn Halter von Genussscheinen müssen sich in der Insolvenz hinter anderen Gläubigern anstellen.

Prokon-Chef und Firmengründer Carsten Rodbertus hatte am Donnerstag angekündigt, einen Teil der Windkraftanlagen zu verkaufen, um Geld in die Kasse zu bekommen. Darüber habe er bereits Gespräche mit mindestens fünf Marktteilnehmern geführt. Die Energiekonzerne RWE und Eon, die ebenfalls Windparks betreiben, gehören nicht dazu. „RWE führt keine Gespräche zur Übernahme von Prokon-Anlagen“, sagte eine Sprecherin. „Für E.ON sind Prokon-Anlagen kein Thema“, hieß es beim Düsseldorfer Wettbewerber.

Prokon hatte mit hohem Werbeaufwand im Fernsehen, auf Bussen und Straßenbahnen oder durch Postwurfsendungen Käufer für seine Papiere angelockt. Die Stiftung Warentest hatte vor den Scheinen gewarnt. Das Geld steckte Prokon in Windkraftanlagen. Jährlich flossen sechs bis acht Prozent Zinsen. Als viele Anleger ihre Papiere kündigten und das Investment zurückforderten, meldete Prokon Insolvenz an. Nach Firmenangaben von Ende vergangener Woche hatten Anleger rund 227 Millionen Euro zurückgefordert.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Prophet

24.01.2014, 13:57 Uhr

Schreiben Sie doch nicht so einen Unsinn!
Seit wann ist PROKON denn Pleite?
Kennen Sie den Unterschied zwischen Pleite und Insolvenz nicht?
Zudem gibt es Hinweise darauf, dass gar keine Insolvenz vorliegt!
Und warum wird PROKON aufgekauft, wenn es einen geringen Teil seiner Anlagen veräußert?
Bitte bleiben Sie bei den Tatsachen.

HofmannM

24.01.2014, 14:16 Uhr

@Prophet
Naja, ich würde mal sagen, dass keine Unternehmen und auch nicht Prokon aus Jux und Tollerei einfach so mal einen Insolvenzantrag bei den zuständigen Behörden einreicht.

DvB

24.01.2014, 14:48 Uhr

Und was soll der Unterschied zwischen Insolvenz und Pleite sein? Doch nur der, dass der erste (Insolvenz) juristisch korrekt ist und der zweite (Pleite) umgangssprachlich gebraucht wird. Beide Begriffe bezeichnen die Unfähigkeit einer Organisation, kurz- bzw. mittelfristig die Verbindlichkeiten ordnungsgemäß zu begleichen.

Und genau da ist Prokon: Sie können nicht mehr alle Forderungen bezahlen, sonst hätte das Insolvenzgericht ja nicht das vorläufige Verfahren eröffnet. In spätestens drei Monaten wird das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet und der Insolvenzverwalter wird für die Gläubiger das Mögliche aus der Masse herausholen. Wie es für die Mitarbeitenden weitergeht wird sich dann zeigen, ich hoffe für die betroffenen Menschen, dass möglichst viele von ihnen weitermachen können. Den Investoren wünsche ich einen hohen Rückfluss aus der Masse und eine steile Lernkurve.

Bemerkenswert ist für mich, dass viele Investoren aus dem offenbar links-alternativen Milieu in dieser schweren Untergangssituation zwei Bewältigungsmuster zeigen:
1) Legendenbildung bezüglich Ursache des Verlustes sowie
2) Verdrängung verbunden mit Durchhalteparolen.

Die Legende (1) vom "Im Felde unbesiegten Heer", dass nur durch den „Dolchstoß“ der Linken um den sicheren Sieg gebracht wurde, war zentrales Propagandamittel der erzkonservativen Militärs und Demokratiefeinden der Rechten nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieges. Analoges geschieht bei Prokon, wenn dessen "Freunde" verkünden, dass die Firma ja eigentlich ganz doll dasteht, aber durch irgendwelche bösen Mächte heimtückisch gemeuchelt wurde. Und den Insolvenzantrag hat nicht die Geschäftsführung gestellt? Sondern wer? Die Banken? Angela Merkel? Die Atomlobby? Die Medien? Ich?

Durchhalteparolen (2) waren das letzte Mittel der deutschen Führung am Ende des zweiten Weltkrieges - ähnliche kommunikative Strukturen werden jetzt z.T. von einzelnen Investoren hervorgekramt. "Noch ist Prokon gar nicht insolvent" "Wir zeigen allen

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