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10.05.2016

10:03 Uhr

Heidelberger Druck

„Es gibt noch viel zu tun“

VonMartin-W. Buchenau

Nach einem langen Leidensweg schreibt Heidelberger Druck wieder schwarze Zahlen. Konzernchef Gerold Linzbach spricht im Interview über den Umbruch im Unternehmen und über seine mögliche Vertragsverlängerung.

„Ich bin nicht mit Druckerschwärze im Blut auf die Welt gekommen.“ Bernd Roselieb für Handelsblatt

Gerold Linzbach

„Ich bin nicht mit Druckerschwärze im Blut auf die Welt gekommen.“

StuttgartNach einer langen Durststrecke geht es für den angeschlagenen Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen aufwärts. Dem Unternehmen gelang im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/2016 der Sprung in die Gewinnzone. Der Überschuss stieg um 100 Millionen Euro auf 28 Millionen Euro, wie Heideldruck am Dienstag bei der Vorlage vorläufiger Jahreszahlen in Heidelberg mitteilte. Der Umsatz stieg von 2,3 Milliarden Euro auf 2,5 Milliarden Euro. Die Wirtschaftskrise hatte die Druckmaschinenindustrie zuvor schwer gebeutelt. Konzernchef Gerold Linzbach spricht im Interview über die Bilanz, den Umbruch im Unternehmen und über seine mögliche Vertragsverlängerung.

Herr Linzbach, hat Heideldruck mit der Rückkehr zu schwarzen Zahlen einen Durchbruch geschafft?
Wir haben ein Ziel für dieses Jahr gehabt: Schwarzen Zahlen. Insofern ist das ein Wendepunkt und ein Schritt nach vorne auf dem Weg, den wir seit vier Jahren raus aus der Branchenkrise beschreiten.

Haben Sie sich vor der wichtigen Leitmesse Drupa in Düsseldorf im Juni schöngerechnet?
Ich bin nicht mit Druckerschwärze im Blut auf die Welt gekommen. Deshalb fehlt mir etwas die Ehrfurcht vor der Drupa. Sie ist sicher eine sehr wichtige Messe der Branche. Aber da kauft niemand eine Eintrittskarte und bestellt beim Rausgehen eine Druckmaschine für zwei Millionen Euro. Es gibt immer ein Vorher und Nachher bei diesen Messen.

Heidelberger Druck: Maschinenbauer schreibt wieder schwarze Zahlen

Heidelberger Druck

Maschinenbauer schreibt wieder schwarze Zahlen

Der seit Jahren andauernde Konzernumbau bei Heidelberger Druck zeigt allmählich Wirkung. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte der Hersteller von Druckmaschinen wieder ein positives Ergebnis.

Wie nachhaltig ist die Profitabilität bei Heideldruck?
Wir waren völlig abhängig vom Offset-Druck und sind da herausgekommen. Der Konzern steht auf zwei sicheren Standbeinen Neumaschinen und Service.

Und wie entwickelt sich das Geschäft mit Digitalmaschinen?
Wir haben sicher erst etwas spät erkannt, dass unsere Kunden in den Digitalmaschinen das Licht am Ende des Tunnels der Druckkrise sehen. Sie bringen ihnen schlicht und einfach mehr Flexibilität, die der Markt von den Druckbetrieben verlangt. Jetzt können wir liefern.

Wieviel Digitalmaschinen haben sie denn schon verkauft?
Wir haben etwa 15 Bestellungen. Unsere Planungen sehen einen mittelfristigen Umsatz von 250 Millionen Euro vor. Das wären dann rund zehn Prozent vom Konzernumsatz.

Am 10. Juni lösen sie die letzte Tranche ihres Hochzinskredits über 50 Millionen Euro vorzeitig ab. Das wird aber die Anleger nicht freuen?
Das müssen wir in Kauf nehmen. Aber unser Masterplan sieht nicht vor, dass auf Dauer über neun Prozent Zinsen zahlen, wenn wir das Geld für unter vier Prozent bekommen können.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Wird es weiteren Personalabbau geben?
Der strukturelle Abbau zur Anpassung an das gesunkene Volumen der Druckindustrie ist abgeschlossen. Aber unsere Personaldecke passen wir immer den Anforderungen an. Das kann auch wieder Personalaufbau bedeuten.

Sie waren zwischenzeitlich schwer krank und sind seit einigen Monaten wieder zurück. Fühlen sie sich fit?
Das Lächeln meiner Mitarbeiter, als ich weg war, ist wieder erloschen. Nein, Spaß beiseite: Im Augenblick hapert es noch etwas mit dem Gehen, aber es geht mir nicht schlechter als jemandem nach einer Genesung von einem Skiunfall. Ich fühle mich fit. Im Vergleich zu meinem Leben vorher bin ich medizinisch überversorgt.

Sie sind seit vier Jahren im Unternehmen. Als Sanierer sind Sie früher nicht viel länger auf einem Job geblieben?
Um im medizinischen Bild zu bleiben. Als ich kam, war das Unternehmen strategisch unterversorgt. Wir sind auf einem guten Weg, aber es gibt noch viel zu tun.

Sie können sich also vorstellen, den Vertrag zu verlängern?
Ja, aber das entscheidet der Aufsichtsrat.

Wann?
Sicher nicht mehr vor der Drupa.

Herr Linzbach, vielen Dank für das Interview.

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