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04.04.2016

16:08 Uhr

Heidelberger Druck und KBA

„Von einem Drupa-Loch ist keine Spur“

VonMartin-W. Buchenau

Die Hersteller von Druckmaschinen haben schwere Zeiten hinter sich. Nun sehen sie vor der Branchenmesse Drupa wieder Licht am Horizont. Das gute Europageschäft kompensiert die Schwäche in China.

Die Badener sparen damit am Messeauftritt. dpa

Druckmaschine von Heidelberger

Die Badener sparen damit am Messeauftritt.

FrankfurtDie krisengeschüttelten Druckmaschinenhersteller üben sich vor der weltgrößten Branchenmesse Drupa in Optimismus. Die Messe wird vom 31. Mai bis zum 10. Juni in Düsseldorf stattfinden. Das vierte Quartal (bis Ende März) von Heidelberger Druckmaschinen sei „erwartungsgemäß“ gelaufen, sagte Vorstandschef Gerold Linzbach. Schon nach den ersten drei Quartalen sei die Gewinnschwelle erreicht worden.

Die Heidelberger hatten sich ein Umsatzwachstum zwischen zwei und vier Prozent nach 2,4 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2014/15 und eine Marge von acht Prozent (Ebitda) vorgenommen. „Von einem Drupa-Loch ist keine Spur“, sagte Linzbach. Mit anderen Worten: Vor der Messe gibt es keine Zurückhaltung bei den Aufträgen.

Der Manager hatte den Heidelberger Konzern in den vergangenen Jahren stark auf Digitaldruck getrimmt, vor allem weil Kunden zu kleineren und individualisierten Aufträgen neigen. Und gedruckte Zeitungen und Zeitschriften massiv durchs Internet verdrängt werden. Heideldruck zeigt auf der Messe nur seine absoluten Neuheiten im Digitaldruck, wie die erste Maschine im A1-Format für industriellen Digitaldruck, die mit dem Partner Fujifilm entwickelt wurde.

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Zeitsparend und günstiger – 3D-Druck wird in Unternehmen zunehmend beliebter. Auch im Maschinenbau ist die Methode im Kommen. Schon warnen Experten: „Wer jetzt nicht mitmacht, ist in ein paar Jahren raus.“

Die Badener sparen damit am Messeauftritt. Im Gegenzug will das Unternehmen 5000 seiner Kunden nach Wiesloch bringen und dort die permanent installierten konventionellen Großmaschinen zeigen.

Auch der zweite große deutsche Player, Koenig & Bauer (KBA), sieht die Talsohle für sein Unternehmen durchschritten. „Der Auftragseingang ist in diesem Jahr deutlich im Plus“, sagte KBA-Chef Claus Bolza-Schünemann dem Handelsblatt. Er erwartet steigende Umsätze. Doch die Ziele seien ehrgeizig. Das Unternehmen peilt eine Steigerung des Umsatzes um 100 Millionen Euro auf 1,15 Milliarden Euro und drei bis vier Prozent Rendite an.

2015 kletterte der Gewinn vor Steuern auf 29,7 Millionen Euro, nach 5,5 Millionen Euro im Jahr zuvor. Das Ergebnis stieg auf 26,9 (Vorjahr: 0,3) Millionen Euro. Allerdings ging der Umsatz 2015 um knapp sieben Prozent auf 1,03 Milliarden Euro zurück, weil das Geschäft mit Maschinen für den Wertpapierdruck schlechter lief und das Segment Digitaldruck neu ausgerichtet wurde.

Der Konzern hatte im vergangenen Jahr weltweit 1300 Stellen abgebaut und die Produktpalette im Zuge der Zeitungskrise drastisch umgebaut. Verkaufte der Maschinenbauer noch vor wenigen Jahren 60 Prozent seiner Maschinen im Presse- und Mediendruck, so sind es heute gerade noch zehn Prozent. Wichtigster Kunde ist heute die Verpackungsindustrie. „Wir spüren insgesamt eine deutliche Erholung“, sagte Bolza-Schünemann. China als wichtigster Markt der vergangenen Jahre schwächele etwas, dafür laufe Europa und hier vor allem die Märkte in Deutschland und Spanien sehr gut. Bei Bogen-Offset-Maschinen sind die deutschen Hersteller mit einem Weltmarktanteil von rund einem Drittel immer noch führend.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Der Auftragseingang für Druck- und Papiertechnik aus Deutschland hat um zehn Prozent zugenommen. Druckereien investieren wieder und reagieren damit auf kleinere Auflagen und häufige Auftragswechsel, die der Digitaldruck begünstigt. Zudem besteht in vielen Betrieben Modernisierungsbedarf. Das durchschnittliche Alter der Weiterverarbeitungstechnik im Markt liegt nach Einschätzung des Branchenverbandes VDMA bei über 15 Jahren.

Von der Messe in Düsseldorf versprechen sich alle Hersteller weitere Nachfrageimpulse. Bei der Vorveranstaltung im Mai 2012 kamen 315.00 Fachleute aus mehr als 130 Ländern zur Drupa. Das waren allerdings 75.000 weniger als 2008, was Messechef Werner M. Dornscheidt vor allem dem schwierigen Umfeld und der geschrumpften Branche zugeschrieben hatte.

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