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17.11.2016

11:14 Uhr

Heidelberger Druckmaschinen

Neuer Chef will sich auf Service-Sparte konzentrieren

Heidelberger Druckmaschinen gilt als Weltmarktführer für Bogen- und Offsetdrucker. Durch einen Umbruch konnte sich der Betrieb aus der Krise retten. Jetzt will sich der neue Chef besonders auf eine Sparte konzentrieren.

In diesem Jahr soll der Umsatz bei dem Maschinenbauer um vier Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro wachsen, die operative Rendite in einer Spanne von sieben bis zehn Prozent liegen. dpa

Druckmaschinen-Hersteller Heideldruck

In diesem Jahr soll der Umsatz bei dem Maschinenbauer um vier Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro wachsen, die operative Rendite in einer Spanne von sieben bis zehn Prozent liegen.

MannheimDer neue Chef des Maschinenbauers Heidelberger Druckmaschinen, Rainer Hundsdörfer, will den SDax-Konzern nach der Sanierung durch seinen Vorgänger Gerold Linzbach auf einen stabilen Wachstumspfad bringen. Das Unternehmen habe die Wende geschafft. „Jetzt geht es darum, sich nach vorne zu bewegen und nicht mehr seitwärts“, sagte Hundsdörfer in Mannheim am Mittwochabend wenige Tage nach seinem Amtsantritt.

Die unter Linzbach entwickelte Strategie, nach der das Traditionsunternehmen aus Wiesloch bei Heidelberg stärker auf Dienstleistungen für Druckereien setzt und einen neuen Anlauf im Digitaldruck wagte, gelte es nun umzusetzen. „Wir werden wachsen und wir werden profitabler werden.“

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Der Weltmarktführer für Bogen-Offsetdruckmaschinen hatte auf der Messe eine neue industrielle Digitaldruckmaschine für den Verpackungsdruck im Großformat „Primefire“ vorgestellt. Von einer kleineren, zusammen mit Ricoh entwickelten Digitaldruckmaschine verkaufte Heideldruck bisher mehr als 1000 Exemplare. Die Produktpalette bei Digitaldruckmaschinen müsse noch ausgeweitet werden, sagte Hundsdörfer. Auch die Servicesparte, zu der der Verkauf von Verbrauchsmaterial oder Ersatzteilen gehört, werde weiter wachsen, womöglich auch durch Zukäufe. „Wir werden uns vielleicht einen Farbenhersteller kaufen.“

Die Pleite vieler Druckereien in der Finanzkrise und der Umbruch im Druckgeschäft durch das Internet hatten den Maschinenbauer in die Krise gestürzt. Linzbach hatte den Konzern durch Stellenstreichungen und einen Umbau der Produktpalette zurück in die schwarzen Zahlen gebracht. Die Branche kämpft seit Jahren wegen des Einbruchs des Werbemarktes und der Verdrängung von Printerzeugnissen durch das Internet ums Überleben.

In diesem Jahr soll der Umsatz um vier Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro wachsen, die operative Rendite in einer Spanne von sieben bis zehn Prozent liegen. Die Auslastung ist Hundsdörfer zufolge nach der Branchenmesse Drupa so hoch, dass derzeit auch Samstagsschichten gefahren werden.

Von

rtr

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