Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.09.2012

16:31 Uhr

Heimatmarkt schwächelt

Deutsche Autobauer profitieren von Übersee

Die Krise zieht den Automarkt Europas stark in Mitleidenschaft. Anders in den USA und Asien – und das haben auch die deutschen Autobauer gemerkt. Seit Jahresbeginn legten die Auslandaufträge um sieben Prozent zu.

Die Nachfrage aus südeuropäischen Ländern sinkt. dapd

Die Nachfrage aus südeuropäischen Ländern sinkt.

BerlinDie starke Nachfrage aus Übersee bewahrt die deutschen Autobauer in diesem Jahr vor einem Rückschlag. Während die Geschäfte in Westeuropa unter der Schuldenkrise leiden und der gesättigte deutsche Markt ebenfalls schrumpft, läuft es besonders in den USA und in Asien rund. "Was wir in Südeuropa gegenwärtig verlieren, holen wir uns auf anderen Weltmärkten", sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Dienstag in Berlin.

Die deutschen Autohersteller steigerten ihre Exporte im August um ein Prozent auf 284.400 Einheiten. Die Auslandsaufträge legten um fünf Prozent zu, seit Jahresbeginn um sieben Prozent. "Triebfeder war erneut das Engagement außerhalb Europas", sagte Wissmann. Marktanteile konnten etwa in den USA, Brasilien, Russland, China, Südkorea und Japan gewonnen werden. Dagegen sinke die Nachfrage aus südeuropäischen Ländern angesichts von Schuldenkrise und Rezession.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

In Deutschland fielen die Neuzulassungen im August um rund fünf Prozent auf 226.600. In den ersten acht Monaten wurden 2,1 Millionen Pkw zugelassen - das ist ein Minus von einem Prozent. "Der Kampf auf diesem deutschen Markt ist härter geworden", sagte Wissmann. Hersteller aus Italien und Frankreich drängten verstärkt nach Deutschland, um das schwächelnde Heimatgeschäft auszugleichen. Für das Gesamtjahr rechnet der VDA weiter mit rund 3,1 Millionen Pkw-Neuzulassungen. Der inländische Auftragsbestand liege mit 410.000 Fahrzeugen über dem langjährigen Durchschnitt.

Zwischen 5,5 und sechs Millionen Autos sollen in diesem Jahr in Deutschland vom Band laufen. "Die Produktionskapazitäten der gesamten deutschen Automobilindustrie sind mit 85 Prozent ordentlich ausgelastet", sagte Wissmann. Die Stammbelegschaften seien im ersten Halbjahr um 26.000 auf 736.000 Mitarbeiter aufgestockt worden. "Die globale Ausrichtung macht viele in der deutschen Automobilindustrie robuster als manchen Wettbewerber", sagte Wissmann. "Aber wir machen uns keine Illusionen: Vor allem die südeuropäischen Automobilmärkte bleiben mehr als schwierig; wir richten uns daher auf herausfordernde Zeiten ein."

Was für den Pkw-Markt gilt, trifft auch für den Nutzfahrzeugsektor zu. 2012 dürften die Neuzulassungen von schweren Lkw mit mehr als sechs Tonnen Gewicht in Westeuropa um vier Prozent auf rund 250.000 fallen. "Das kann durch den wachsenden US-Markt kompensiert werden", sagte Wissmann. Hier werde ein Plus von bis zu 20 Prozent auf mehr als 350.000 Einheiten erwartet. Von diesem Kuchen könnten sich die deutschen Hersteller etwa ein Drittel abschneiden. Der russische Markt - der fast doppelt so groß sei wie der deutsche - wachse ähnlich rasant.

Die größten Automärkte der Welt

Platz 7

Russland - 1,41 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Der russische Markt gehört zu den am stärksten wachsenden Automärkten der Welt. Die Zahl der Neuzulassungen stieg im ersten Halbjahr um Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent.

Platz 6

Indien - 1,48 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Auf der indischen Halbinsel wachsen die Zulassungszahlen rasant, insbesondere bei Kleinwagen. Satte 13 Prozent betrug das Wachstum allein im ersten Halbjahr - ein Ende ist nicht absehbar.

Platz 5

Brasilien - 1,63 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Der Automarkt im größten Land Südamerikas schwächelt im ersten Halbjahr etwas stärker als erwartet. Die Zulassungszahlen schrumpften um 0,4 Prozent.

Platz 4

Deutschland - 1,64 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Auch wenn der deutsche Automarkt nur um ein Prozent im ersten Halbjahr wuchs: Damit erobern die Deutschen den vierten Platz zurück.

Platz 3

Japan - 2,53 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Die Japaner haben die Tsunami-Katastrophe hinter sich gelassen. Kein Automarkt legte im ersten Halbjahr stärker zu. Insgesamt stiegen die Zulassungszahlen im ersten Halbjahr um 57 Prozent.

Platz 2

China - 6,42 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Das rasante Wachstum in China verliert langsam an Fahrt. Trotzdem legte auch der chinesische Markt im ersten Halbjahr um neun Prozent zu.

Platz 1

USA - 7,25 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Die Amerikaner haben die Lust am Autokauf wiederentdeckt. Im ersten Halbjahr legten die Verkaufszahlen um 15 Prozent zu.

Impulse verspricht sich die Branche von der 64. IAA Nutzfahrzeuge, die am 18. September in Hannover beginnt. Dort soll es 354 Weltpremieren geben - so viele wie noch nie. Die Liste der Neuheiten reicht von Fortschritten bei Erdgasantrieben über Hybrid-Fahrzeuge, bei denen ein herkömmliches Verbrennungsaggregat und ein Elektromotor zusammenarbeiten, bis hin zu Wasserstoff getriebenen Fahrzeugen. Mehr als 1900 Hersteller haben sich angemeldet, allein 857 davon aus Deutschland. Zweitgrößter Aussteller ist China mit 152 Firmen. Die IAA Nutzfahrzeuge findet alle zwei Jahre im Wechsel mit der Auto-IAA in Frankfurt statt.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×