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27.01.2017

13:08 Uhr

Heinrich Hiesinger

„Wir müssen die Transformation von Thyssen-Krupp fortsetzen“

VonMartin Wocher

Heinrich Hiesinger will Thyssen-Krupp neu ausrichten. Auf der Hauptversammlung bekommt er dabei kaum Widerspruch. Aktionäre verlangen aber mehr Mut zur Veränderung und eine Lösung für die kriselnde Stahlsparte.

Der Thyssen-Krupp-Chef warb für mehr Zeit für eine Konsolidierung der Stahlsparte. dpa

Heinrich Hiesinger

Der Thyssen-Krupp-Chef warb für mehr Zeit für eine Konsolidierung der Stahlsparte.

BochumEs ist ein kleiner Trupp von Stahlarbeitern, der mit seinen knallroten T-Shirts für einen Farbtupfer auf der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp sorgten: „Wir schaffen Werte“ prangt in großen weißen Lettern auf der Brust, „das Management vernichtet sie“. Es ist die Furcht vor Standortschließungen und Stellenabbau, die die zwei Dutzend Hüttenwerker vor die Bühne treibt.

Doch der Protest bleibt friedlich und verhalten – auch die Mitarbeiter an den Stahlstandorten von Thyssen-Krupp wissen, dass es Veränderungen geben muss. Dafür sind die Bedingungen auf den Stahlmärkten zu schwierig: Überkapazitäten drücken auf die Preise, Billigstahl vor allem aus Asien sorgt dafür, dass kein Konzern in Europa derzeit seine Kapitalkosten verdient.

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Nach dem missglückten Amerika-Abenteuer hat Heinrich Hiesinger Thyssen-Krupp Bescheidenheit beigebracht. Sein rigoroses Effizienzprogramm trägt Früchte. Dennoch ist der Konzern von den eigenen Zielmarken weit entfernt.

Vor den gut 2000 Aktionären warb Konzernchef Heinrich Hiesinger an diesem Freitag in Bochum erneut für eine Konsolidierung der Branche: „Sparprogramme verschaffen uns nur eine kurze Atempause“, sagte er. „Ohne grundlegende Änderungen würden wir unweigerlich ein Restrukturierungsprogramm nach dem anderen anstoßen müssen.“

Wie dramatisch die Situation für Thyssen-Krupp im abgelaufenen Geschäftsjahr war, machte Hiesinger mit einem Blick auf die erste Hälfte deutlich: In den ersten sechs Monaten hatte das Werkstoffgeschäft des Konzerns mit Steel Europe, der Hütte in Brasilien und den Handel zwar Geschäfte im Umfang von zehn Milliarden Euro abgewickelt, aber keinen Gewinn erzielt. Obwohl die Mannschaft nach Aussage Hiesingers einen „fantastischen Job“ gemacht habe, sei ein solches Ergebnis „frustrierend."

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Der Konzernchef ließ erneut offen, ob, wann und mit wem ein solcher Konsolidierungsschritt kommen werde. Er warb stattdessen für mehr Zeit. „Jedem möglichen Joint Venture muss ein überzeugendes industrielles Konzept mit entsprechenden Synergien zu Grunde liegen“, sagte Hiesinger. „Auch wir wünschen uns eine zügige Lösung, aber es muss eine gute Lösung sein.“ Für die Verhandlungen mit Tata Steel Europe heiße das, dass der Wettbewerber mit seinen Standorten in Großbritannien und den Niederlanden eine tragfähige Lösung für seine hohen Pensionsverpflichtungen finden müsse.

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27.01.2017, 13:26 Uhr

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