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26.01.2007

07:32 Uhr

Heinrich von Pierer

Der Bußgänger

VonChristoph Hardt

Heinrich von Pierer, der gute Mensch von Erlangen – sein Image hat Kratzer bekommen. Auf der Siemens-Hauptversammlung versucht er zu retten, was noch zu retten ist. Mit mäßigem Erfolg. Ein großer Teil der Aktionäre verweigert ihm die Entlastung. Seine Macht im Hause Siemens schwindet.

Von Pierer kommt bei den Aktionären nicht gut an. Er erntet nur mäßigen Applaus und schlechte Werte bei der Entlastung. Foto: dpa

Von Pierer kommt bei den Aktionären nicht gut an. Er erntet nur mäßigen Applaus und schlechte Werte bei der Entlastung. Foto: dpa

MÜNCHEN. Das Auffällige an Heinrich von Pierer ist seine Unauffälligkeit. Er ist ein Mann wie von nebenan, ein ganz normaler Deutscher. Und genau das ist ein wesentlicher Teil seines Erfolgs bei Siemens gewesen. Heinrich von Pierer, der gute Mensch von Erlangen, einer, der mit jedem reden kann. Der mit den Arbeitern Schafskopf spielt. Der Gewerkschafter pflegt. Ein Mann wie Siemens also. Langweilig, auf den ersten Blick.

Denn natürlich hat auch Heinrich von Pierer eine andere Seite: Unter der wenig polierten Oberfläche steckt ein sehr harter, manchmal auch brennend ehrgeiziger Mensch. Nur so ist der Erfolg dieses Mannes erklärlich, nur so sein zielgerichteter Weg an die Spitze des Weltkonzerns.

1969 hat Heinrich von Pierer bei Siemens angefangen. Wahrscheinlich gibt es im Unternehmen mit seinen 475 000 Mitarbeitern nur eine Hand voll Leute, die den Laden so gut kennen wie er. Und genau deshalb ist der Tag der Hauptversammlung der Siemens AG in der Olympiahalle München ein Einschnitt in der Karriere des Siemens-Managers. Was wusste Heinrich von Pierer über Korruption im Konzern, warum hat er nicht eher gehandelt?

Die Folgen der Schmiergeldaffäre, sie sind in seinem sonst so beherrschten Gesicht zu sehen, als er kurz vor Beginn der heiklen Aktionärsversammlung durch die Reihen des Publikums geht. Sein Ruf steht auf dem Spiel, vielleicht sogar seine Karriere. Große Fonds haben Widerstand angekündigt, sie wollen den Aufsichtsrat nicht entlasten. Am Ende votieren lediglich knapp 66 Prozent der auf der Hauptversammlung vertretenen Stimmberechtigten votierten für seine Entlastung – das schlechteste Ergebnis aller Mitglieder von Aufsichtsrat und Vorstand und meilenweit von den 90 Prozent früherer Tage entfernt.

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