Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.04.2011

10:22 Uhr

Hermann Albers

"Wir können die Atomenergie ersetzen"

VonGeorg Weishaupt

Die Zukunftsvisionen von Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie, klingen kühn: Langfristig möchte die Branche mehr als 65 Prozent des deutschen Strombedarfs decken - und die Atomenergie ersetzen.

Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie, sieht eine glänzende Zukunft für die Branche. Quelle: dpa

Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie, sieht eine glänzende Zukunft für die Branche.

Handelsblatt:Herr Albers, kann die Windbranche die Lücke beim Ausstieg aus der Atomenergie überhaupt füllen?

Hermann Albers: Ja, das können wir. Wir haben bereits im vergangenen Jahr gesagt, dass wir bis 2020 rund 25 Prozent des deutschen Strombedarfs decken können.

Handelsblatt: Aber das reicht doch nicht, um die Atomenergie zu ersetzen ..

Albers: Doch, im vergangenen Jahr lag der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung bei 23 Prozent. Wir können langfristig sogar 65 Prozent des deutschen Stroms mit Windkraftanlagen an Land erzeugen. Das zeigt eine aktuelle Studie von uns und dem Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik, kurz IWES, in Kassel.

Handelsblatt:Wo wollen Sie denn die vielen Windräder in Deutschland bauen?

Albers: Das IWES hat ausgerechnet, dass zwei Prozent der gesamten Landfläche in Deutschland dafür ausreichen. Damit könnten wir die Zahl der installierten Windkraftanlagen von heute 27 Gigawatt auf 198 Gigawatt steigern.

Handelsblatt:Das ist doch nur eine theoretische Zahl. Wie wollen Sie den Widerstand in vielen Gemeinden gegen die Windkraft überwinden?

Albers: Es gibt gute Beispiele wie Niedersachsen oder Schleswig-Holstein, wo die Akzeptanz für Windanlagen sehr hoch ist. Entsprechend muss die Politik auch in den bisherigen Verweigererländern Baden-Württemberg und Bayern für diese Energieform werben. Unsere Studie zeigt: Das Windenergiepotenzial ist dort am größten.

Handelsblatt:Warum rüsten Sie nicht zuerst einmal die alten Anlagen auf?

Albers: Das reicht nicht aus, um die Kapazitäten der Windenergie so breit auszubauen, wie es notwendig ist.

Handelsblatt:Aber gegen Windparks im Meer gibt es doch viel weniger Widerstand?

Albers: Offshore-Windparks sind im Moment noch deutlich teurer. An Land können wir den Strom zurzeit um die Hälfte billiger erzeugen.

Handelsblatt:Wie wollen Sie die Milliarden für die Windkraft finanzieren?

Albers: Viele Unternehmen und Konzerne stehen dafür bereit. Aber wir brauchen auch beschleunigte Genehmigungsverfahren und Finanzierungssicherheit. Wichtig ist jetzt, dass die Bundesregierung der Branche ein positives Signal in Hinblick auf die anstehende Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gibt.


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×