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15.01.2010

08:22 Uhr

Hershey gegen Kraft

Bieterkampf um Cadbury

VonKatharina Slodczyk

Der US-Schokoladenhersteller Hershey will mit der Unterstützung von Private-Equity-Gesellschaften eine Milliardenofferte für den britischen Süßwarenkonzern Cadbury vorlegen - und damit die Konkurrenz von Kraft Foods aus dem Feld schlagen. Ausgerechnet ein Berater von Kraft-Aktionär Warren Buffett soll bei der Suche nach Partnern helfen.

Die Briten protestieren gegen den Verkauf von Cadbury an Kraft. Reuters

Die Briten protestieren gegen den Verkauf von Cadbury an Kraft.

LONDON. Der amerikanische Schokoladenhersteller Hershey sucht Verbündete für eine Übernahme des britischen Konkurrenten Cadbury. Nach Medienberichten will Hershey einen Banker damit beauftragen, Private-Equity-Gesellschaften mit ins Boot zu holen. So könne der Schokoladenfabrikant verhindern, sich durch den Kauf des doppelt so großen Cadbury-Konzerns zu überschulden und sein Kreditrating zu gefährden, schreibt die „Financial Times“ und beruft sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die Suche nach neuen Partnern ist demnach ein wichtiger Bestandteil der neuen Hershey-Strategie, nachdem die möglichen Verbündeten Nestlé und Ferrero abgesprungen sind. Bislang bietet nur der US- Lebensmittelkonzern Kraft Foods für Cadbury. Die Offerte hat ein Volumen von 10,4 Mrd. Pfund (11,7 Mrd. Euro). Mehr als die Hälfte will Kraft mit eigenen Aktien bezahlen.

Das britische Traditionsunternehmen lehnt das Angebot als zu niedrig ab und argumentierte Anfang der Woche mit kräftigen Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn für 2009 gegen die bisherige Offerte. Es sei vor allem das Geschäft in Wachstumsmärkten wie Indien und Südamerika, das die Umsätze beflügelt habe, ergänzte Cadbury gestern. Verwaltungsratschef Roger Carr bestätigte auch in einer Telefonkonferenz mit Analysten, dass Hershey sein Interesse an Cadbury jüngst bestätigt habe.

Cadbury hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass es lieber von Hershey gekauft werden möchte. Beide Unternehmen arbeiten bereits zusammen: Hershey besitzt die Lizenzen für die Vermarktung der Cadbury-Produkte in den USA.

Doch der Spielraum des amerikanischen Unternehmens, den Cadbury-Kauf allein zu stemmen, ist begrenzt. Anders als Kraft kann der Konzern nicht beliebig neue Aktien ausgeben und Geld über eine Kapitalerhöhung einsammeln: Die Mehrheit am Unternehmen liegt bei einer wohltätigen Stiftung, die Firmengründer Milton S. Hershey ins Leben gerufen hatte.

Nach den britischen Übernahmeregeln muss Hershey seine Offerte für Cadbury bis Ende nächster Woche vorlegen. Beobachter äußerten sich gestern skeptisch angesichts dieser Frist. „Ich bezweifele, dass es Hershey bis dahin gelingt, Partner zu finden“, sagte ein Londoner Analyst. Sein Kollege Jeremy Batstone-Carr vom Brokerhaus Charles Stanley geht davon aus, dass Kraft sein Angebot aufbessern wird und Hershey dann chancenlos ist.

Kraft muss sich bis kommenden Dienstag endgültig festlegen, wie viel der Konzern bieten wird. Er hat seinen Baranteil zuletzt leicht erhöht: 360 von etwa 765 Pence, die die Amerikaner pro Cadbury-Aktie auf den Tisch legen wollen, sollen in bar fließen. Kraft-Großaktionär Warren Buffett reagierte darauf prompt mit einer Warnung, dass der Hersteller von Philadelphia-Käse und Milka-Schokolade nicht zu viel für Cadbury zahlen dürfe. Pikanterweise soll jetzt ausgerechnet ein Banker, der auch Buffett berät, Hershey helfen, Kapital für die Cadbury-Übernahme einzusammeln.

Bislang haben nur 1,5 Prozent der Cadbury-Anteilseigner die Offerte von Kraft akzeptiert. Der Großteil hofft auf einen Nachschlag. Die Aktionäre müssen bis zum 2. Februar entscheiden, ob sie das Angebot von Kraft annehmen.

Der britische Wirtschaftsminister Peter Mandelson machte gestern erneut Stimmung gegen Kraft. Bei einem Treffen mit Investoren drang er darauf, dass diese doch die langfristigen Perspektiven eines Unternehmens im Auge behalten und britische Unternehmen vor feindlichen Übernahmen schützen sollten. Gewerkschaften fürchten, dass in Großbritannien Tausende von Jobs wegfallen, wenn Kraft bei Cadbury zum Zuge kommt.

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