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28.01.2014

13:16 Uhr

Hiesinger bei den Autobauern

Thyssen will Hybrid-Werkstoffe serienreif machen

VonLukas Bay

Heinrich Hiesinger weiß, wie wichtig die Autoindustrie für eine bessere Zukunft seines Unternehmens ist. Der Thyssen-Krupp-Chef setzt auf leichtere Materialien – und Investitionen in neue Werke.

Fertigung von Türinnenblechen in Duisburg: Thyssen-Krupp setzt für die Zukunft auf die Automobilindustrie und auf leichtere Werkstoffe. dpa

Fertigung von Türinnenblechen in Duisburg: Thyssen-Krupp setzt für die Zukunft auf die Automobilindustrie und auf leichtere Werkstoffe.

BochumHeinrich Hiesinger hat heute keine Lust über Edelstahl oder defizitäre Stahlwerke in den USA zu sprechen. Beim CAR Symposium der Universität Duisburg-Essen erklärt der Thyssen-Krupp-Chef stattdessen, welche Industrie eigentlich die wichtigste für seinen Konzern sei: Die Autoindustrie ist mit einem Umsatzanteil von 24 Prozent bereits heute der wichtigste Kunde. „Das ist keine Randgruppe mehr“, sagte Hiesinger am Dienstag in Bochum.

Dabei gehe es längst um mehr als Stahl. Man sei längst ein „diversifizierter Industriekonzern“. Der Umsatz mit Stahl mache noch rund 30 Prozent aus, die Erlöse mit Industriegütern und Dienstleistungen dagegen 70 Prozent.

Mit so genannten Hybrid-Werkstoffen, also Komponenten aus Stahl und CFK, erhofft sich der Thyssen-Krupp in den nächsten Jahren gute Geschäfte mit der Automobilindustrie. Der Werkstoff sei eine echte Alternative zu Aluminium, betonte Hiesinger. Er sei 50 Prozent leichter als gewöhnlicher Stahl und nur rund halb so teuer wie Aluminium. Bisher findet der Werkstoff aber vor allem Anwendung in Prototypen. Für die Serie wird er noch nicht eingesetzt. Je nach Fahrzeugklasse könnten so fünf bis 30 Prozent Gewicht eingespart werden, so Hiesinger. Schon heute biete sein Konzern 200 verschiedene Stahlvarianten an.

Die größten Baustellen von Thyssen-Krupp

Einleitung

Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr Thyssen-Krupp das dritte Mal in Folge einen Nettoverlust ein. Mit einem Fehlbetrag von 1,5 Milliarden Euro fiel dieser zwar niedriger aus als die fünf Milliarden Euro Miese im Jahr zuvor. Die Aktionäre müssen jedoch erneut auf eine Dividende verzichten. Das könnte auch im neuen Geschäftsjahr 2013/14 der Fall sein. Thyssen-Krupp will zwar operativ zulegen, für einen Nettogewinn könnte es aber erneut nicht reichen. Zudem schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte, sondern auch das Geschäft mit dem Werkstoff in Europa und mit Teilen für die Automobilindustrie.

Ertragsschwäche

Thyssen-Krupp fuhr im Geschäftsjahr 2011/12 einen Nettoverlust von fast fünf Milliarden Euro ein. In den ersten neun Monaten des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahres 2012/13 waren es rund 1,2 Milliarden Euro. Analysten zufolge schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte. Auch das europäische Stahlgeschäft, der Großanlagenbau, der Verkauf von Autoteilen und die Aufzugssparte hätten im Geschäftsjahr weniger verdient. Der Handel mit Werkstoffen und das Dienstleistungsgeschäft habe hingegen zugelegt.

Stellenabbau

Für Unruhe im Konzern sorgen auch die Pläne zum Abbau tausender Arbeitsplätze. In der Verwaltung sollen 3000 Jobs wegfallen. In der Stahlsparte will Thyssen-Krupp 2000 Arbeitsplätze abbauen. Weitere 1800 Stellen könnten durch Beteiligungsverkäufe aus dem Konzern fallen. „Wir bügeln damit auch die Managementfehler der Vergangenheit aus“, hatte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath in einem Reuters-Interview gesagt. Thyssen-Krupp will damit die Kosten um 500 Millionen Euro senken. Die Summe ist Teil der insgesamt geplanten Einsparungen des Konzerns bis 2014/15 von nun 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 156.000 Mitarbeiter, davon etwa 58.000 in Deutschland. Ein weiterer Stellenabbau ist nach den Worten von Personalvorstand Oliver Burkhard derzeit nicht geplant.

Fehlinvestitionen in Übersee

Nach einer langen Hängepartie konnte Thyssen-Krupp das Weiterverarbeitungswerk in den USA verkaufen. Das verlustreiche Rohstahlwerk in Brasilien hängt dem Konzern immer noch wie ein Klotz am Bein. Thyssen-Krupp muss neue Abnehmer für den Werkstoff in Nord- und Südamerika finden, da das US-Werk künftig weniger abnimmt. Die Kosten für beide Werke waren auf fast 13 Milliarden Euro explodiert, mehr als acht Milliarden entfielen auf Brasilien. Das US-Werk bleibt bis zu der erhofften Freigabe des Deals durch die Regulierungsbehörden noch für Monate in den Büchern. Thyssen-Krupp erwartet in der Sparte weitere Verluste - wenn auch niedrigere als bislang.

Schulden

Dem Konzern sitzen die Ratingagenturen im Nacken. Thyssen-Krupp drücken Schulden von fünf Milliarden Euro. Das Eigenkapital schmolz zwischenzeitlich von 4,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro zusammen, durch eine im Dezember 2013 durchgezogene Kapitalerhöhung konnte es inzwischen auf 3,3 Milliarden Euro aufgebessert werden. Die Eigenkapitalquote ist einer der niedrigsten Werte eines Dax-Konzerns. Gespräche mit Banken sorgten Ende September für Erleichterung, nachdem dieser Wert über die Marke von 150 Prozent gestiegen war.

Kartellverstöße und Korruptionsvorwürfe

Der Mischkonzern wird immer wieder von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will eine neue Unternehmenskultur, in der für krumme Geschäfte kein Platz ist. Bei illegalen Preisabsprachen war Thyssen-Krupp ein Wiederholungstäter. Einem Aufzugskartell folgten Kungeleien mit Schienenherstellern. Hier einigte sich Thyssen-Krupp nun mit der Deutschen Bahn auf Schadensersatz. Wie ein Damoklesschwert hängt zudem der Verdacht über dem Konzern, sich auch an einem möglichen Kartell von Herstellern von Blechen für die Automobilindustrie beteiligt zu haben. Ob sich dieser Verdacht bestätigt, ist offen. Sollte dies aber der Fall sein, wären die Konsequenzen nicht abzuschätzen - die Autoindustrie gehört zu den größten Kunden von Thyssen-Krupp. Welchen Stellenwert die Aufarbeitung der Verstöße hat, zeigte sich auch auf der Hauptversammlung im Januar 2014: Dort schuf Thyssen-Krupp für den ehemaligen Metro-Manager Donatus Kaufmann einen neuen Vorstandsposten für Compliance.

Ramponierter Ruf

Der Ruf des einst stolzen Unternehmens ist durch Pleiten, Pech und Pannen und die Korruptionsvorwürfe ramponiert. „Es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“, hat Konzernchef Hiesinger beklagt. Er will aufräumen und eine neue Unternehmenskultur einführen, in der Seilschaften und blinde Loyalität nicht wichtiger sind als unternehmerischer Erfolg. Dafür braucht er die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat.

Besonders in der Premiumklasse ist kaum ein Fahrzeug ohne Technologie von Thyssen-Krupp unterwegs. Neun von zehn Fahrzeugen setzen auf eine Komponente des Stahlherstellers, bei Nockenwellen ist der Konzern sogar Weltmarktführer. Allein in der S-Klasse von Daimler stammen Dämpfer, Lenker und Kurbelwelle von Thyssen-Krupp.

Um auch bei alternativen Antrieben nicht abgehängt zu werden, arbeitet das Unternehmen auch an eigenen Montageanlagen für Elektromotoren und Anlagen für die Produktion von Lithium-Ionen-Zellen. Ein eigenes Entwicklungszentrum soll den Produktionsprozess der Batterien effektiver machen. Schon heute fließt der größte Teil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben des Konzerns in die Automobilsparte.

Rückenwind erhofft sich Hiesinger von den Herausforderungen der Autobranche in den kommenden Jahren. Bis 2030 soll die Zahl der Autos weltweit auf 1,5 Milliarden steigen. 350 Millionen Euro will Thyssen-Krupp darum weltweit in neue Werke investieren, davon allein 250 Millionen in China. Im kommenden Jahr soll dort neben den bestehenden sieben Werken ein neues für Zylinderkopfdichtungen eröffnet werden.

Auch die Produktpalette soll in den nächsten Jahren wachsen. Im Programm „Incar Plus“ hat der Konzern 40 neue Produkte entwickelt, die in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt gebracht werden sollen.

Kommentare (3)

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Wisco

28.01.2014, 15:34 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr interessanter Artikel mit ThyssenKrupp und den Hybrid Werkstoffen. Das Foto das mit diesem Artikel veröffentlich worden ist gehört passt nicht genau. (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Wisco

28.01.2014, 15:53 Uhr

Probleme auf ThyssenKrupp einzugehen.
Herr Hiesinger möchte in Autos Investieren und in China Wachsen. Warum wird dann ein Unternehmen verkauft der seit 1986 mit verschiedensten Stahlwerkstoffen experimentiert und sehr erfolgreich war. nach dem die Strategie aufgegeben war weiterhin in neue Verbundwerkstoffe zu investieren, konnte das Unternehmen nur noch die Laufende Aufträge mit den Automobilisten abwickeln und keine neuen Technologien mehr entwickeln. Es lag auf der Hand, dieses Unternehmen Tailored Blanks GmbH schnellst möglich zu veräußern. Jetzt meldet derselbe Verantwortliche man an der Spitze des Konzerns, dass Er riesen Wachstumspotenziale sieht bei den Automobilisten. Wenn das der Deal war um in den Chinesischen Markt zu kommen, dann war es der schlechteste Deal denn nicht mal Amateure machen würden. Die Technologie aus der Hand geben und dann meinen, das man immer noch die Nase vorn hat. Hier hat H. Hiesinger mit Zitronen gehandelt.
Deniz Erdogan Wisco Tailored Blanks GmbH Betriebsratsvorsitzender.

Wisco

28.01.2014, 15:55 Uhr

Herr Hiesinger möchte in Autos Investieren und in China Wachsen. Warum wird dann ein Unternehmen verkauft der seit 1986 mit verschiedensten Stahlwerkstoffen experimentiert und sehr erfolgreich war. nach dem die Strategie aufgegeben war weiterhin in neue Verbundwerkstoffe zu investieren, konnte das Unternehmen nur noch die Laufende Aufträge mit den Automobilisten abwickeln und keine neuen Technologien mehr entwickeln. Es lag auf der Hand, dieses Unternehmen Tailored Blanks GmbH schnellst möglich zu veräußern. Jetzt meldet derselbe Verantwortliche man an der Spitze des Konzerns, dass Er riesen Wachstumspotenziale sieht bei den Automobilisten. Wenn das der Deal war um in den Chinesischen Markt zu kommen, dann war es der schlechteste Deal denn nicht mal Amateure machen würden. Die Technologie aus der Hand geben und dann meinen, das man immer noch die Nase vorn hat. Hier hat H. Hiesinger mit Zitronen gehandelt.
Deniz Erdogan Wisco Tailored Blanks GmbH Betriebsratsvorsitzender.

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