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26.09.2016

08:02 Uhr

Hightech im Maschinenbau

Die Datenbrille sorgt für Durchblick

VonRegine Palm

Hersteller von Glasmaschinen suchen im Digitalzeitalter nach neuen Wegen. Mit Zusatzangeboten wie einer Datenbrille für die Fernwartung punkten sie bei den Kunden. Auch andere Bereiche sorgen für Optimismus.

Der Maschinenbauer Grenzebach erhält durch die Brille direkte Informationen von Kunden bei Problemen. Grenzebach

Datenbrille

Der Maschinenbauer Grenzebach erhält durch die Brille direkte Informationen von Kunden bei Problemen.

DüsseldorfWenn ein Kunde des Maschinenbauers Grenzebach ein Problem hat, wird er künftig zur Datenbrille greifen. Mit diesem neu entwickelten Gerät kann sich der Betreiber der Anlage direkt mit dem Hersteller vernetzen und Reparaturen selbst ausführen. Grenzebach baut seit über 50 Jahren Produktionsanlagen für die Flachglasindustrie und Anlagen zur Glasveredelung wie Beschichtungen. Auf der Messe Glasstec in Düsseldorf hat das Familienunternehmen gerade sein neuestes Produkt, die Datenbrille, vorgestellt. „Es ist unsere Vision für den Service der Zukunft“, erklärte Vertriebschef Egbert Wenninger dem Handelsblatt.

Die Handhabung ist einfach: Der Betreiber setzt die Brille auf, scannt den vorhandenen Barcode und erhält auf seinem Tablet direkt Angaben zum entstandenen Problem. Im nächsten Schritt folgt die Anleitung zur Fehlerbehebung. Auch welche Werkzeuge dafür nötig sind, wird eingeblendet.

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Sollte der Kunde dennoch nicht weiterkommen, schaltet er per Internet die Hotline zu. Dank der Brille, die mit einer Mini-Kamera und Mikrofon ausgerüstet ist, sieht der Techniker in der Grenzebach-Zentrale in Bayern das Gleiche, was der Kunde sieht. Notwendige Informationen stehen damit schnell zur Verfügung. „Die Reaktionszeiten verkürzen sich erheblich“, heißt es bei Grenzebach.

Die Brille habe „das Zeug dazu, die Fernwartung zu revolutionieren“. Ausgerüstet werden können laut Wenninger damit alle Maschinen. Einzige Voraussetzung: eine hohe Internetgeschwindigkeit. Der mittelständische Maschinenbauer Grenzebach ist global tätig und produziert sowohl in Deutschland als auch in China und den USA; beide Länder seien besonders wichtig. Denn mehr als 90 Prozent ihrer Maschinen liefern die Bayern ins Ausland.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Die deutschen Hersteller von Glasmaschinen blicken insgesamt optimistisch in die Zukunft. Laut Branchenverband VDMA entwickeln sich die Weltmärkte für die Hersteller weitgehend stabil. Für das laufende Jahr rechnet die mittelständisch geprägte Branche mit einem Umsatz von insgesamt etwa einer Milliarde Euro.

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