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04.10.2012

13:20 Uhr

Hilfsfonds geplant

Adidas entdeckt Herz für Billiglöhner

Quelle:Handelsblatt Online

Adidas möchte etwas für seine zehntausende Billigarbeiter in Fernost tun und hofft auf weitere Mitstreiter aus der Branche. Ein Hilfsfonds soll zukünftig einspringen wenn eine Zulieferer-Firma pleite geht.

Adidas will mit der Initiative den steigenden ethischen Anforderungen an die Unternehmen gerecht werden. dpa

Adidas will mit der Initiative den steigenden ethischen Anforderungen an die Unternehmen gerecht werden.

HerzogenaurachSportartikel-Hersteller planen die Gründung eines Hilfsfonds für Billiglohnkräfte in Zulieferbetrieben in Fernost. Denkbar sei auch, das verwandte Branchen, etwa die Textilindustrie, sich an einem solchen Hilfsfonds beteiligten, sagte ein Sprecher des Sportartikelherstellers Adidas, am Donnerstag. Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der „Financial Times Deutschland“ (FTD/Donnerstag). Der von Adidas angeregte Hilfsfonds solle einspringen, wenn Arbeiter in Zulieferbetrieben nach Werkschließungen keine Abfindungen erhielten.

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Das Geschäft mit der schmutzigen Wäsche

Die Karawane der Einkäufer zieht von China ins billigere Bangladesch, wo Lieferanten oft nur Hungerlöhne zahlen. Doch können Modehändler billig und zugleich fair produzieren lassen? Eine Undercover-Reportage.

Bei einem ersten Treffen Ende Oktober oder Anfang November wollen interessierte Unternehmen entsprechende Möglichkeiten ausloten. Allerdings stünden entsprechende Überlegungen noch ganz am Anfang, unterstrich der Adidas-Sprecher. „Dort geht es erst mal darum, zu klären, wie man das Thema Hilfsfonds lösen kann“, fügte er hinzu. Das Treffen finde unter dem Dach der Fair Labour Association (FLA) statt, die als Nichtregierungsorganisation weltweit das Arbeitsrecht und den Arbeitsschutz verbessern will.

Wer Textilien nach Deutschland liefert

Pakistan

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,46

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 37 %

Rumänien

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,48

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 5,3 %

Vietnam

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,54

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 26,7 %

Indonesien

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,57

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 19,8 %

Niederlande

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,75

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 14,1 %

Italien

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,98

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 1,6 %

Indien

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 1,23

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 16,1 %

Bangladesch

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 2,64

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 32,3 %

Türkei

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 2,98

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 6,3 %

China

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 8,33

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 9,1 %

Quellen

Statistisches Bundesamt, German Fashion

Adidas hofft bei der geplanten Fondsgründung auf die Mitwirkung möglichst vieler Unternehmen. „Es macht keinen Sinn, wenn ein Unternehmen so was allein macht. Damit so ein Fonds ausreichend schlagkräftig ist, ist es besser, so etwas in einer großen Gruppe zu machen“, sagte der Adidas-Sprecher. Das Schweizer Treffen und auch der Fonds seien durchaus offen für andere Branchen.

Wie Konsumenten hinters Licht geführt werden

Die Illusion von Frische

Die Illusion von Sauberkeit und Frische ist ein sehr erfolgreicher Verführer. Fisch auf Eis wirkt frischer, als er ist und wird deutlich besser gekauft. Die Deckel von ewig haltbaren Marmeladengläschen werden mit Papier und Plastik zugeklebt. Gemüse wird in feuchtem Dunst gelagert, was sogar das schnellere Verderben begünstigt.

Der Trick mit dem Alter

Die Vernunft würde dazu tendieren, dass reelle Alter bei der Kaufentscheidung zu berücksichtigen. Doch geschicktes Marketing schafft es, das vermeintliche Alter in den Vordergrund zu rücken. Fachleute holen Bilder, Töne und Gerüche aus vergangenen Zeiten zurück, damit wir uns jünger fühlen und das Produkt aus Nostalgiegründen kaufen, weil es wir ein Überbleibsel unserer Jugend wirkt.

Das Geschäft mit der Panik

Marketingfachleute nutzen immer besser die Urinstinkte der Menschen für ihre Zwecke aus – und dazu gehört vor allem die Angst. Die Flut an Seifenspendern im Zuge der dann ja doch gar nicht zu schlimmen Ehec-Erkrankungen ist nur ein Beispiel.

Natürlich biologisch gut?

Umfragen haben ergeben, dass Konsumenten lieber Produkte mit dem Label „natürlich“ bevorzugen anstatt „biologisch“, weil das wie ein nicht reguliertes Marketing-Schlagwort erscheint. Tatsächlich ist es genau anders herum. Firmen werfen mit diesen Bezeichnungen um sich und sorgen für reichlich Verwirrung.

Prominente helfen - meistens

Auch Mitglieder der Königsfamilie oder Prominente sind eine Marke, mit der sich viel Geld verdienen lässt. Volksnähe schön und gut, aber eine gewisse Barriere muss bleiben, damit diese Marke wirkt. Rituale, Mythen und Symbole helfen dann auch in der Werbung und tatsächlich hilft ein prominentes Gesicht, ein Produkt zu verkaufen – auch wenn wir uns das nicht eingestehen wollen.

Religion zu Geld machen

Unser Gehirn neigt dazu, mentale Abkürzungen zu nehmen. Wenn auf einer Haferflockenpackung ein Bild vom Himalaja prangert, dann denken wir an Einfachheit, Weisheit, Selbstlosigkeit und Entspannung. Gerade mit Religionen wie dem Buddhismus wirbt man gern. Für einige Produkte geben Konsumenten Unsummen aus, nur weil sie scheinbar „gesegnet“ sind.

Wir kaufen, um als Gutmenschen dazustehen

Psychologen nennen es den „kompetetiven Altruismus“: Menschen handeln sozial verantwortungsbewusst, weil sie ihr Gutmenschentum zur Schau stellen wollen. Werbefachleute zielen darauf perfekt ab. Umweltbewusste Verbraucher vermeiden es sogar oft, grüne Produkte zu kaufen, wenn niemand da ist, der ihr selbstloses Verhalten mitbekommt.

Kraft der Nostalgie

Unser Gehirn ist so programmiert, dass es vergangene Erfahrungen positiver scheinen lässt als sie waren. Psychologen nennen dies „rosigen Rückblick“ und das moderne Marketing nutzt dies mehr denn je aus. So wird die Vernunft bei  Kaufentscheidungen leicht in den Hintergrund gedrängt.

Adidas reagiert mit der Initiative unter anderem auf die steigenden ethischen Anforderungen US-amerikanischer Universitäten bei der Produktion von Sportartikeln. Der Adidas-Sprecher räumte ein, dass die US-Colleges ein wichtiger Markt für den fränkischen Sportartikelhersteller seien.

Wege zum sauberen Textilimport

Direkteinkauf

Textilriesen kaufen Kleidung meist über Importeure. Die Dienstleister im Dunkeln knabbern zwar an den Margen – ihnen können sie aber bei Skandalen die Verantwortung aufladen. Wer das vermeiden will, muss die Lieferkette in Eigenregie kontrollieren.

Mehr Transparenz

Lieferanten in Ländern wie Bangladesch wickeln ihre Bestellungen oft über Partnerfirmen ab, die in bedeutend schlechterem Zustand sind als die Vorzeigefabriken. Wer seine Verantwortung ernst nimmt, muss in diese Subfabriken Kontrolleure schicken und Kunden deren Namen nennen können.

Lokale Präsenz

Echten Einblick in die Arbeitsbedingungen bekommen nur eigene Mitarbeiter der Modeunternehmen, die ständig vor Ort sind. Jedes Label sollte daher ein Team aus entsandten und lokalen Einkäufern, Beratern und Kontrolleuren im Lieferland aufbauen.

Beratung für Lieferanten

Der Glücksfall ist die Arbeit mit Lieferanten, die ihren Hauptkunden als Partner verstehen – und sich mit dessen Hilfe weiterentwickeln wollen. Das erfordert Vertrauen auf beiden Seiten und viel Zeit. Hilft ein Modekonzern seinen Lieferanten, die Produktivität zu verbessern, steigt auch dessen Bereitschaft zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Lobbying vor Ort

Labels wie H&M, C&A, Kik oder Tommy Hilfiger importieren solche Mengen aus Bangladesch, dass sie über gewaltigen Einfluss verfügen – theoretisch. Praktisch arbeitet jeder für sich, statt gemeinsam am runden Tisch mit der Regierung nach besseren Gesetzen zu verlangen. Auch politischer Druck ist rar, obwohl gerade Deutschland in Entwicklungsländern viel Respekt genießt.

Das Unternehmen habe mit zahlreichen Colleges Ausrüstungsverträge; Colleges in den USA seien wegen ihrer Sportteams in etwa mit europäischen Sportvereinen vergleichbar. Von entsprechend großer Bedeutung seien die Ausrüstungsverträge mit ihnen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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abzocker

04.10.2012, 16:37 Uhr

allet nur peinlich.

da werden menschen ausgeplündert und die ADIDAS konzernherrnn wollen almosen verteilen.

wie wär es denn ,wenn den lohnsklaven schweiß und tränen erspart blieben und sie besser entlohnt würde.auch auf kosten des ach so sozialen unternehmens ADIDAS und dessen profite

was haben wir nur für jämmerliche und verlogene kreaturen an der ADIDAS konzernspitze

Account gelöscht!

04.10.2012, 17:39 Uhr

Das ist doch die ganze Doppelmoral - und zwar auf einen Punkt gebracht.
Während man vor dem TV Chips in sich rein stopft und auf die Politik schimpft, trägt man die chicen Joggings, die Kinder in Fernost genäht haben oder deren Beine noch von den Farbstoffen bunt sind.
Während man sich vor dem TV mit Chips darüber aufregt das es doch tatsächlich unanständige Sendungen im TV gibt, werden Menschen von ihrem Land vertrieben (Landraub durch Spekulationen), weil die Industrienationen ihre Autos mit Biosprit aus Nahrungsmitteln füllen sollen.
Na, ist das hipp?
Wenn man sich tatsächlich mal die Relationen klar macht, und das Millionen auf einmal begreifen, brauchte es auch keine Fonds mehr. Dann könnte manches Land auch für sich selbst sorgen und Investitionen wären genauso gut dort in Infrastrukturen angelegt. Aber hey, wir sind doch gut Guten!
jo

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