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27.10.2015

08:44 Uhr

Hilti-Neuheit

Konkurrenz für den Dübel

VonLeonidas Exuzidis

Ein neues Produkt der Firma Hilti macht Dübel und Schraube überflüssig. Es soll auf Baustellen Zeit und Personal sparen – für Heimwerker ist es aber wohl zu teuer.

„Ein Akku macht die Arbeit auf der Baustelle deutlich einfacher und verursacht weniger Kosten.“ Imago

Hilti-Werk im bayrischen Kaufering

„Ein Akku macht die Arbeit auf der Baustelle deutlich einfacher und verursacht weniger Kosten.“

DüsseldorfWer ein Regal oder eine Lampe in der Wohnung anbringen möchte, greift in der Regel zu Bohrer und Dübel. Erst wird ein Loch gebohrt, dann mit einem Dübel und anschließend mit einer Schraube versehen. Die Montage mit der klassischen Methode stellt viele Heimwerker vor Herausforderungen – besonders bei den ersten Versuchen sind Staub und Nerven programmiert.

Der Bautechnik-Hersteller Hilti hat ein neues Gerät entwickelt, das bei der Befestigung Zeit, Nerven und Personal sparen soll. Für den Heimwerker ist es wohl zu teuer, vom Profi, der vielleicht sogar den gesamten Tag die gleiche Arbeit ausführt, verspricht sich das Unternehmen aber einen großen Markt.

Das Prinzip der Direktmontage

Form des Nagelns

Grob gesagt ist die Direktmontage eine beschleunigte Form des Nagelns. Im Bauwesen werden die Nägel häufig maschinell eingetrieben. Inzwischen ist die Technik so weit fortgeschritten, dass man lediglich ein Nagelmagazin in die Setzgeräte packen muss. So werden Nägel automatisch aufgefüllt.

Elemente

Auf die sogenannte „Nase“ des Setzgerätes wird ein Element platziert – beispielsweise ein Sammelhalter für Kabelbefestigungen. Bei gasbetriebenen Geräten verbrennt durch den Auslöser eine Art Schwarzpulver im Gerät. Dadurch wird ein Kolben angetrieben, der wiederum den Nagel mitsamt dem Element in den Untergrund drückt. Der Nagel verschmilzt bei sehr hohen Temperaturen quasi mit dem Untergrund, was eine Befestigung auf Stahl und Beton erst möglich macht. Bei den neuen, akkubetriebenen Geräten, zieht der Kolben die Energie aus dem Akku.

Eintreibgeräte

Die ersten Geräte in der Direktmontage waren Schussgeräte, seit den 1950er Jahren spricht man von Eintreibgeräten, weil kein wirklicher Schuss mehr ausgelöst wird. Der Großteil der verwendeten Energie bleibt im Kolben, nur etwa fünf Prozent im Nagel. Dadurch bleibt der Nagel stabil.

Direktmontage bei Hilti

Das erste Direktbefestigungsgerät von Hilti kam als Schussgerät im Jahre 1953 auf den Markt. 1969 folgte das erste Setzgerät mit Kartuschenmagazin, 1986 dann das erste mit Nagelmagazin. Vollautomatische Geräte stellt der Konzern seit 1994 her, gasbetriebene Geräte seit 2003.

Schon vor Jahren wurden auf Großbaustellen Bohrer und Dübel gegen spezielle Geräte ausgetauscht, die Nägel maschinell einsetzen und in der Montage viel Zeit sparen. Diese sogenannten „Direktbefestigungsgeräte“ schießen das gewünschte Element – etwa ein Halter zur Kabelbefestigung – mitsamt Nagel in den gewünschten Untergrund. Das Prinzip der Direktbefestigung spart nicht nur Zeit, sondern auch Personal. Die Nägel werden dabei durch einen Druckkolben in den Untergrund, zum Beispiel in Beton oder Stahl, gepresst.

Bislang wurden solche Geräte durch Gas angetrieben – waren deshalb umständlich und wenig flexibel. Hilti jedoch hat nun das erste Gerät für Stahl und Beton auf den Markt gebracht, das durch einen Akku betrieben wird. „Ein Akku macht die Arbeit auf der Baustelle deutlich einfacher und verursacht weniger Kosten“, sagt Mario Grazioli, Chefentwickler des Konzerns und mitverantwortlich für das Neuprodukt.

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Doch lohnt sich ein solches Direktbefestigungsgerät überhaupt? Ein kleiner Test soll diese Art der Montage auf die Probe stellen. Für die Befestigung von fünf Elementen auf einem Betondübel mit Hilfe eines Akku-Gerätes braucht man bei einer ersten Bedienung rund 30 Sekunden. Element aufsetzen, auf den Untergrund pressen und den Auslöser drücken. Mit einem lauten Knall schießt das Element in den Beton. Ähnlich verhält es sich bei einem gasbetriebenen Produkt. Lediglich der Knall beim Auslösen ist hier deutlich lauter.

Im Vergleich dazu: Die herkömmliche Methode vom vergangenen Umzug: Loch bohren, Dübel hineinhämmern und die Schraube per Akkuschrauber montieren. Dieser Prozess kostet den Gelegenheits-Handwerker rund drei Minuten und erste Schweißperlen. Fazit: Für den täglichen Gebrauch absolut erleichternd, für den Gelegenheits-Handwerker bei teils vierstelligen Preisen aber weniger lohnenswert.

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