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09.01.2013

18:21 Uhr

Hiobsbotschaft aus Detroit

GM droht Opel mit weiteren Sparrunden

Opel muss sich auf harte Zeiten einstellen. Mutterkonzern General Motors erwartet keine positiven Signale auf dem europäischen Automarkt - und will am strikten Sparkurs festhalten.

Opel muss sich auf ein ungemütliches Jahr einstellen. dpa

Opel muss sich auf ein ungemütliches Jahr einstellen.

DetroitDer US-Autobauer General Motors will an seinem Sparkurs in Europa festhalten. Das Marktumfeld auf dem Kontinent verschlechtere sich weiter, sagte Konzernchef Dan Akerson am Mittwoch in Detroit. So drohe auch Deutschland in eine Rezession zu schlittern. Mit den Fortschritten beim Umbau in Europa sei der Konzern zwar zufrieden, nicht jedoch mit den Ergebnissen. Deshalb müsse sich mit der Kostenstruktur befasst werden.

Die deutsche GM-Tochter Opel verliert seit Jahren Marktanteile und hatte voriges Jahr das Aus für das Bochumer Autowerk verkündet. Etwa im Jahr 2015 wolle GM die Kehrtwende in Europa schaffen. „Wir geben unser Bestes, um aus den roten Zahlen zu kommen. Dies soll über eine Anpassung der Kostenstruktur an die zu erwartenden Umsätze erreicht werden", fügte Akerson hinzu.

Die Zeitung „Le Monde" hatte am Montag berichtet, dass die französische Regierung den heimischen Peugeot -Konzern dazu drängen soll, den Konkurrenten Opel zu übernehmen. Die zwei angeschlagenen Hersteller sollten durch einen Zusammenschluss gestärkt werden und eine Allianz gegen Europas größten Autohersteller Volkswagen schmieden.

Die Sanierungspläne von Opel

Der „Deutschland-Plan“

Das Opel-Management hatte seine Absichten für das Werk Bochum bereits im Juni in einem „Deutschland-Plan“ skizziert, der die Grundlage der Sanierung des verlustreichen Herstellers sein soll. Die Eckpunkte haben sich seitdem kaum verändert. Hier die wichtigsten Bestandteile.


Werk in Bochum schließt

Mit dem Verlegung der aktuellen Generation des Familien-Vans Zafira nach Rüsselsheim endet die Fahrzeugproduktion im Traditionswerk Bochum Ende 2014. Erhalten wird nur ein Warenverteilzentrum.

Bessere Auslastung für andere Werke

Die übrigen Opel-Werke könnten durch die Produktion für andere Automarken, etwa die Schwester Chevrolet, besser ausgelastet werden.

Hoffnung auf Nischenmodelle

Nischenmodelle wie der Mini-SUV Mokka oder der Kleinwagen Adam sollen zusätzlichen Absatz bringen.

Neue Märkte erschließen

Über den Mutterkonzern General Motors will Opel wachsende Auslandsmärkte wie Russland oder die Türkei besser erschließen.

Sparen dank Kooperation

In der Zusammenarbeit mit dem Partner PSA Peugeot Citroën will GM für Opel Spareffekte nutzen, etwa in der Konstruktion oder womöglich sogar beim Bau von Fahrzeugen.

Akerson teilte zudem mit, dass GM in diesem Jahr eine erstklassige Bonitätsbewertung von den Ratingagenturen erwarte. Er hoffe, dass GM mit neuen Modellen Marktanteile in den USA hinzugewinnen könne. Der Ausstieg der Regierung aus GM sei entscheidend, um Investoren von der Leistung des Konzerns zu überzeugen.

Der vor drei Jahren vom Staat gerettete Autobauer kauft sich Stück für Stück von der US-Regierung frei. Im Dezember erwarb die Opel-Mutter Aktien im Volumen von 5,5 Milliarden Dollar von der Regierung. Damit sank der Anteil des Staates auf 19 Prozent von zuvor 26 Prozent.

Das sind Opels Baustellen

Worum geht es bei den Verhandlungen zum Deutschland-Plan?

Generell geht es um die Frage, wie der kriselnde Hersteller mehr Autos verkaufen, Beschäftigung sichern und wieder Geld verdienen kann. Im Detail wird über neue Modelle, Motoren und Märkte, die Fertigung markenfremder Modelle wie Chevrolets in Opel-Werken sowie über Einsparungen gesprochen. Das Management will Produktionskosten senken, aber auch am Personal sparen. Nach aktuellen Stand sollen betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 und damit zwei Jahre länger als bisher festgelegt ausgeschlossen werden.

Drohen Werkschließungen oder Massenentlassungen?

Jedenfalls nicht sofort. Das Management hatte angeboten, das Werk Bochum nicht wie ursprünglich angestrebt Anfang 2014 sondern erst mit dem Auslaufen der Zafira-Produktion zwei Jahre später zu schließen. Damit gewinnt der Standort Zeit. Die Hoffnung auf eine bessere Marktentwicklung bleibt erhalten.

Wie kann Opel ohne Werksschließungen auf Überkapazitäten reagieren?

Bei den Verhandlungen ging es auch um freiwillige Abfindungsprogramme und Vorruhestandsregelungen. So soll nach und nach sozialverträglich Beschäftigung abgebaut werden. Aktuell hat Opel nach Betriebsratsangaben noch etwa 38 000 Beschäftigte - nach der jüngsten Sanierung Ende 2010 waren es noch 40.000.

Welchen Sanierungsbeitrag könnten die Beschäftigten leisten?

Zunächst verzichten die Mitarbeiter erneut auf Lohn. Von November an wird die jüngste Metall-Tariferhöhung von 4,3 Prozent erneut gestundet. Falls es eine Einigung über die Zukunft der deutschen Opel-Werke gebe, könnten die erneut gestundeten Millionen auch „in einer Gesamtkonzeption aufgehen“, sagt der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Wie das aussehen könnte, ist unklar. Kommt keine Einigung zustande, zahlt Opel das gestundete Geld nachträglich aus.

Was bedeutet die Allianz mit PSA für die Opel-Beschäftigten?

Glaubt man dem Unternehmen, wird die Zusammenarbeit mit Peugeot-Citroën keine Jobs bei Opel kosten. Selbst wenn die Partner eines Tages Autos nicht nur gemeinsam entwickeln sondern auch bauen sollten, dürfe das nicht auf Kosten des anderen gehen, betont GM-Vize und GM-Europachef Stephen Girsky: Keine Seite werde ihre Probleme zulasten der anderen lösen. Bei Opel könnten zudem schon 2016 Chevrolets vom Band laufen, um die Überkapazitäten zu senken.

Fallen durch die Allianz in den Entwicklungszentren Stellen weg?

Zwar wollen GM und PSA zunächst vier Fahrzeugplattformen gemeinsam entwickeln. Weder Betriebsrat noch Unternehmen sehen aber Jobs im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum gefährdet. Vielmehr könnten die freigesetzten Kapazitäten genutzt werden, um wie versprochen die Entwicklung neuer Modelle voranzubringen.

Wie ernst ist die Lage von Opel?

Opel schreibt seit Jahren Verluste. Jetzt leidet der Hersteller zudem unter der aktuellen Absatzkrise in Europa. Im dritten Quartal schrieb GM in seinem Europageschäft einen Verlust von 500 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr wird ein Betriebsverlust von 1,5 bis 1,8 Milliarden Dollar erwartet.

Spätestens in 15 Monaten will die US-Regierung gar keinen Fuß mehr in der Tür des wiedererstarkten Detroiter Konzerns haben und auch die restlichen etwa 300 Millionen Aktien abgestoßen haben. Damit dürfte dann General Motors auch seinen ungeliebten Beinamen „Government Motors" wieder verlieren.

Von

rtr

Kommentare (6)

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nastrowje

09.01.2013, 20:03 Uhr

Wann legt man den GM Managern in den USA endlich das Handwerk. Die Politik schläft, ist genauso korrupt wie der BR, der sich bestechen läßt. Zahlen keine oder kaum Steuern, weil sie durch verschachtelte Institute und durch überteuerte Vorprodukte, die sie von der Mutter oder anderen Töchtern kaufen müssen, angeblich nicht kostenorientiert wirtschaften.

Bauernopfer

09.01.2013, 21:38 Uhr

Klassenkampf-Kasper

Alex

09.01.2013, 23:28 Uhr

Die 'Marke' Opel wird erst dann wieder von den deutschen Käufern als deutsches Werk geschätzt oder zumindest europäisches Produkt anerkannt, wenn sie aus der GM anhaftenden "Shareholder-Value Mentalität" herausgelöst wird. Ansonsten bleibt es beim langsamen Tod. Das macht der Deutsche Markt ganz richtig. Er will einfach keine umetikettierten Weltmarkt-Chevrolets kaufen.

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