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17.10.2012

07:34 Uhr

Hiobsbotschaften

Griechische Unternehmen fliehen ins Ausland

Drohende Steuererhöhungen und ängstliche Banken verunsichern Griechenlands Unternehmer. Sie haben die fehlende Stabilität satt und wandern ins Ausland ab. Bald wird das Land wieder zwei wichtige Konzerne verlieren.

Doppelt bitter: Coca-Cola Hellenic will seine Produktion in die Schweiz umziehen und seine Aktien demnächst in London handeln. dpa

Doppelt bitter: Coca-Cola Hellenic will seine Produktion in die Schweiz umziehen und seine Aktien demnächst in London handeln.

Berlin/AthenHiobsbotschaften kommen für Griechenland nicht nur von den internationalen Finanzmärkten, sondern auch aus dem eigenen Land. Vergangene Woche kündigten gleich zwei wichtige griechische Unternehmen an, ihren Sitz ins Ausland zu verlegen. Der Abfüller Coca-Cola Hellenic (CCHBC) zieht in die Schweiz, zudem will er von der Athener Börse an den Aktienmarkt in London wechseln. Der große Milchprodukte-Konzern Fage wiederum geht nach Luxemburg. Ähnliche Überlegungen gibt es auch bei anderen Firmen.

Die Unternehmen sind die Unsicherheit im krisengeschüttelten Griechenland satt: Sie beklagen nicht nur immer dräuende Steuererhöhungen, sondern klagen auch über Schwierigkeiten, in Griechenland das notwendige Kapital für Investitionen zu bekommen. Die Banken des Landes befinden sich infolge des Schuldenschnittes des griechischen Staates in einer schweren Krise und vergeben kaum noch Kredite.

Coca-Cola Hellenic füllt die US-Kultbrause und viele andere Getränke nicht nur für den griechischen Markt ab, sondern versorgt insgesamt 28 Länder - darunter Deutschland, Italien und sogar Nigeria. Die Firma verteidigt ihren Gang in die Schweiz: Der neue Firmensitz bringe Stabilität, sagt CCHBC-Chef Dimitris Lois. „Mehr Stabilität, das ist es, was wir brauchen.“ Sein Unternehmen habe nun bessere Chancen, Geld an den Kapitalmärkten aufzunehmen.

Auch weitere Firmen könnten abwandern: „Ich habe in den vergangenen Wochen mehrere Anfragen von griechischen Firmen erhalten, die sich für die Schweiz als neuen Standort interessieren“, sagt der Präsident der Schweizerisch-Griechischen Wirtschaftskammer, Nikolaos Aggelidakis, dem Schweizer „Sonntag“.

Am Mittwoch hat die französische Großbank Crédit Agricole nach langen Verhandlungen die Trennung von ihrer griechischen Problemtochter Emporiki bekanntgegeben. Das Institut wird zum symbolischen Preis von einem Euro an die drittgrößte griechische Bank Alpha verkauft. Crédit Agricole war 2006 bei Emporiki eingestiegen und hatte angesichts der Griechenland-Krise mit der Tochter hohe Verluste eingefahren. Bis Mitte 2012 ist für die Crédit Agricole ein Fehlbetrag von rund 5,7 Milliarden Euro angefallen.

Kommentare (6)

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AlterSchwede

17.10.2012, 09:27 Uhr

Die andauernden kritischen Stimmen seien „wie Gift für dieses Land, das versucht, seinen Haushalt in Ordnung zu bringen“..............
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Solange die "kritischen Stimmen" im Recht sind, ja, sogar noch zurückhaltend argumentieren, werden Unternehmen en masse dem korrupten Land den Rücken kehren. Man muss sich doch ernsthaft fragen, wer überhaupt noch willens sein könnte, dieser Willkürherrschaft sein Geld anzuvertrauen?!

KassiosDio

17.10.2012, 09:44 Uhr

Korrupt ist nicht das Land an sich, sondern wohl die internationale Klientel, die sich diesem Dogma unterwirft.

Nur um der Korruption zu entfliehen? Vom Regen in die Traufe? Als wenn es im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus keine Korruption gäbe!
Wohl eher ist die vermeindliche Rechtssicherheit der Vater des Gedanken.
Vielleicht verlässt abrahmidischen Kirchen und die 'bekannten' Politiker ja auch das Land? Hallelujah

Sarina

17.10.2012, 10:33 Uhr

Wohl eher ist die vermeindliche Rechtssicherheit der Vater des Gedanken.
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Ist es denn nicht so, dass mangelnde Rechtssicherheit die Wurzel jeder Korruption ist? Und ist es nicht so, dass auch die "kleinen Griechen" sich jahrelang obszön über Steuerhinterziehungen, Blindengeld für Sehende, Renten für längst verstorbene Angehörigen und maßlose Gehalts- und Rentenforderungen mehr als üppig bedient haben?

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