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29.05.2013

19:39 Uhr

Hochsee-Windkraft

Tausende Jobs in Offshore-Branche in Gefahr

Die Arbeitsagentur schlägt Alarm: 30 Prozent aller Arbeitsplätze in der Offshore-Industrie stünden auf der Kippe. Die Verzögerungen beim Netzausbau machen der Branche zu schaffen. Auch die Politik erkennt die Gefahr.

Umweltminister Peter Altmaier (CDU): „An dem Projekt hängt die Hoffnung einer ganzen Region“. dpa

Umweltminister Peter Altmaier (CDU): „An dem Projekt hängt die Hoffnung einer ganzen Region“.

HannoverIn der Offshore-Industrie ist nach Einschätzung der Arbeitsagentur mehr als jeder vierte Job in Gefahr. In der derzeit kriselnden, aber auf längere Sicht zukunftsträchtigen Branche für die Windenergie auf See stünden aktuell 5000 Arbeitsplätze auf der Kippe, teilte die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen am Mittwoch auf dpa-Anfrage mit. „Wir machen uns wie die Politik Sorgen um die Branche“, sagte Regionaldirektionschef Klaus Stietenroth.

Die 5000 Jobs sind fast 30 Prozent der 18.000 Stellen, die die Arbeitsmarktexperten direkt der bundesweiten Offshore-Industrie zurechnen. Die Zulieferer mit einem Schwerpunkt auf Hochsee-Windkraft sind in dieser Rechnung der Agentur noch gar nicht mit eingerechnet.

Die eindringliche Warnung der Arbeitsagentur passt zu den jüngsten Aussagen von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Er sagte vor rund zwei Wochen im Gespräch mit der dpa: „Die Branche ist in einer substanziellen Gefahr.“ Es fehle die Planungssicherheit.

Die größten Windkraftanlagenhersteller (Ranking 2012)

Platz 10

Die Unternehmensberatung BTM Consult analysiert einmal im Jahr den weltweiten Markt für Windkraftanlagenhersteller. Auf dem zehnten Platz befindet sich in der aktuellen Rangliste, die sich auf Daten von 2012 bezieht, das chinesische Unternehmen Mingyang mit einem Marktanteil von 2,7 Prozent. Laut eigenen Angaben ist die Firma der größte nicht-staatliche Windkraftanlagenbauer von China und arbeite in Deutschland mit dem Unternehmen aerodyn Energiesysteme zusammen.

Platz 9

Auch auf dem neunten Platz ist ein chinesisches Unternehmen, wenn auch nur mit dem geringen Anteil von 3,2 Prozent: Sinovel.

Platz 8

Mit einem Marktanteil von 4,7 Prozent ist United Power auf dem achten Platz der Weltrangliste der größten Windkraftanlagenhersteller. Das Unternehmen ist wie Sinovel und Mingyang in China beheimatet.

Platz 7

6 Prozent Marktanteil hat das chinesische Unternehmen Goldwind.

Platz 6

Gamesa ist das einzige spanische Unternehmen in der Top 10-Liste der größten Windkraftanlagenhersteller der Welt. Die Firma hat ihren Hauptsitz im Baskenland in Nordspanien und hatte 2012 einen Marktanteil von 6,1 Prozent weltweit.

Platz 5

Auf dem fünften Platz befindet sich mit einem Marktanteil von 7,4 Prozent die Suzlon Group aus Indien. Im Vorjahr war sie noch auf dem sechsten Platz

Platz 4

Auch das deutsche Unternehmen Enercon kletterte weltweit in der Rangliste nach oben – vom fünften Platz 2011 ging es auf den vierten Platz 2012. Enercon hat einen Marktanteil von 8,2 Prozent, in Deutschland hat das Unternehmen dagegen einen Anteil von mehr als 50 Prozent. 

Platz 3

Auch auf dem dritten Platz der weltgrößten Windkraftanlagen befindet sich ein deutsches Unternehmen: Siemens. Sein Anteil am Weltmarkt betrug 2012 laut BTM Consult 9,5 Prozent.

Platz 2

Eine schwere Rückschlag musste im vergangenen Jahr der dänische Windkraftanlagenbauer Vestas einstecken. Erstmals seit 2000 schaffte es das Unternehmen mit einem Marktanteil von 14 Prozent nicht auf den ersten Platz der größten Anlagenhersteller.

Platz 1

General Electric hat im vergangenen Jahr erstmals Vestas vom ersten Platz der Rangliste der größten Windkraftanlagenbauer verdrängt – mit einem Marktanteil von 15,5 Prozent. Das US-Unternehmen war 2011 noch an dritter Stelle.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) bekannte sich trotz der hohen Kosten zu Windparks auf hoher See. „An dem Projekt hängt die Hoffnung einer ganzen Region“, sagte Altmaier am Mittwoch bei einer Diskussionsveranstaltung des Denklabors Agora zur Energiewende. Der CDU-Politiker verwies auf Tausende Jobs in der Offshore-Windkraftbranche an der Küste. Zudem sei es für das Image der Energiewende international wichtig, ob das Offshore-Projekt gelinge.

Mit 5000 bis 6000 Offshore-Arbeitsplätzen stellt Niedersachsen den Angaben zufolge den Großteil der Branche. Weitere Offshore-Motoren seien Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg. Mit Siag und CSC gab es in Niedersachsen jüngst schon erste Beispiele für das hohe Jobrisiko. Deutschlands kommerzieller Offshore-Pionier Bard aus Emden sucht seit längerem Investoren.

Kommentare (7)

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vandale

29.05.2013, 22:29 Uhr

Die Kosten Deutscher Steinkohle liegen seit Ende der 50er Jahre über den Weltmarktpreisen. Dank des Einflusses der Gewerkschaften und anderer Lobbyisten wird der Steinkohlebergbau 2018 auslaufen. Aufgezinst betragen die Subventionen mehr als 100 Mrd.€. Das entspricht etwa knapp den in den letzten 10 Jahren zugesagten Solarsubventionen.

Die Nutzung der Windkraft wurde mit dem Beginn des Industriezeitalters zugunsten von Kohle aufgegeben. Der Strom aus umweltschädlichen Windmühlen ist aufgrund der unzureichenden Energiedichte wesentlich teurer als solcher aus modernen Energiequellen wie den umweltfreundlichen Kernkraftwerken. Der Strom aus Windmühlen ist als beliebiger, wetterabhängiger Zufallsstrom, ähnlich Solarstrom, nahezu wertlos.

Mit den Kosten der Alimentierung Europas, der Energiewende und der Alterung der Gesellschaft dürfte die Deutsche Gesellschaft in wenigen Jahren überfordert sein. Die "Energiewende" wird in 3 - 4 Jahren im Desaster enden.

Dann kann man nur hoffen, dass der Abbau dieser sinnlosen Branche schneller vonstatten geht als die Beendigung der Steinkohleförderung.

Vandale

S_O_Siemens

29.05.2013, 23:03 Uhr

Was sich im Bereich Offshore-Windkraft abspielt, nennt man Marktwirtschaft (wenn auch durch staatliche Subventionen und Gesetze verfälscht): Eine große Anzahl von Marktteilnehmern wittert ein gutes Geschäft, bei dem man unbedingt dabei sein will. Es wird von vielen viel investiert, was sich im Nachhinein nur für wenige rentiert. Die schwachen bleiben am Wegesrand zurück.

Berlinleugner

29.05.2013, 23:10 Uhr

Die Offshore-Branche ist doch gewollte Mafia-Branche dank der inkompetenten Regierung aus Berlin, der hochsubventionierten Insel und "Haupstadt" der Leistungsverweigerer und Ahnungslosen...
Subventionen streichen und diese Machenschaften und Berlin austrocknen lassen, dann geht es marktwirtschaftlich weiter!
Alternativ sollte man in ca. 500 m eine Wasserstoffbombe über Berlin zünden...

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