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12.05.2011

10:28 Uhr

Hochtief-Chef Lütkestratkötter

„Jetzt müssen Sie sich jemand anderes suchen“

VonNils Rüdel

Für den Baukonzern Hochtief ist heute ein besonderer Tag: Nach langer, Kräfte zehrender Schlacht übernimmt der spanische Konkurrent ACS auf der Hauptversammlung die Macht. Die neuen Herren erwarten bohrende Fragen..

Bei Herbert Lütkestratkötter flossen heute die Tränen. Quelle: dpa

Bei Herbert Lütkestratkötter flossen heute die Tränen.

Essen"So", sagt Herbert Lütkestratkötter und grinst. "Jetzt müssen Sie sich jemand anderes suchen, der Schlagzeilen macht´", sagt der Hochtiefchef vergnügt. Er ist überraschend auf der Pressetribüne aufgetaucht, um Hände zu schütteln, Schultern zu klopfen und sich zu verabschieden. "Macht's gut", sagt er noch und geht.

Es kommt nicht so häufig vor, dass sich ein Vorstandsvorsitzender vor der Hauptversammlung freiwillig zu den Journalisten begibt. Doch das Aktionärstreffen des Baukonzerns Hochtief am heutigen Donnerstag ist auch kein normales. Lütkestratkötter, Dr. Lü genannt, wird gehen, und die neue Hausmacht, der spanische Baukonzern ACS, wird kommen.

Heute ist ein einschneidender Tag für die Essener. Es ist das vorläufige Ende eines neun Monate dauernden, Kräfte zehrenden Übernahmekampfes. Hochtief wand sich und ließ nichts unversucht, die Spanier zurückzudrängen, doch die sammelten unbeeindruckt weiter Aktien ein. Mancher fühlte sich an die spanischen Konquistadoren erinnert, die im 16. Jahrhundert Lateinamerika eroberten. Jetzt gehören ACS 43 Prozent, bis Ende Juni soll die Mehrheit erreicht sein.

Und heute, hier in der Essener Grugahalle, beginnt das Ende der Eigenständigkeit des Traditionskonzerns. Bei der ersten Hauptversammlung seit dem feindlichen Übernahmeangebot steht ein entscheidender Schlag an: Unbequeme Hochtief-Manager und -Aufsichtsräte werden von Bord gehen. Und ACS will die Zahl seiner Sitze im Aufsichtsrat von zwei auf vier verdoppeln. Das verleiht den Spaniern mehr Einfluss.

Mit einer komfortablen Abstimmungsmehrheit auf der Hauptversammlung sollte der spanische Konzern heute durchmarschieren. Dabei dürfte er auf geringen Widerstand treffen: Nach einer Sitzung der Kontrolleure wurde bekannt, dass es der Aufsichtsrat nicht auf eine Kampfabstimmung ankommen lassen will.

Kommentare (1)

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dicon

12.05.2011, 15:38 Uhr

Totgeschwiegen wird die Tatsache, daß der HOCHTIEF-Pensionsfond gewollt oder ungewollt an der feindlichen Übernahme durch ACS mitgewirkt hat indem er vor einem halben Jahr seine 3 Prozent Beteiligung an der HOCHTIEF AG verscherbelt hat und damit Desinteresse am eigenen Arbeitgeber HOCHTIEF AG bewiesen hat.
Das ist sehr bedauerlich ,blamabel und zeigt vielleicht auf welche Wegbereiter am werk waren und den Appetit von ACS angeregt haben.

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