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06.06.2013

15:31 Uhr

Hochwasser-Schäden

Wenn die Fabrik unter Wasser steht

VonTobias Döring, Martin Dowideit, Carina Kontio, Christof Kerkmann

Die Flutwelle bewegt sich nach Norden – in ihrem Rücken ziehen Konzerne und Kleinbetriebe Schadensbilanz. Vor einem Werk steht meterhoch der Schlamm, in einem anderen die Verwaltung unter Wasser.

Überschwemmter Gebrauchtwagen im Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf in Bayern. dpa

Überschwemmter Gebrauchtwagen im Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf in Bayern.

DüsseldorfAls hätte die Fabrik des Autozulieferers ZF Friedrichshafen am Passauer Donauufer nicht genug Wasser gesehen in den vergangenen Tagen: Die Werksleitung hat jetzt mehrere Tanklastzüge mit frischem Wasser an den Grubweg geordert. „Vor den Hallen türmt sich der Schlamm 1,30 Meter hoch“, berichtet ein Sprecher. Der Vorplatz müsse nach dem Hochwasser gereinigt werden, um große Zelte aufzubauen.

Zuvor hatten mehr als 100 Helfer die Hallen des ZF-Kundenservices, die direkt an der Donau liegen, vom Dreck befreit. Unter den Zelten sollen die gelagerten Ersatzteile für Bau- und Landmaschinen gereinigt und getrocknet werden. Das Wasser aus den Tanklastzügen soll die Trinkwasser-Versorgung der Stadt schonen. Erst 90 Prozent der Haushalte hatten in Passau am Donnerstagvormittag wieder fließendes Wasser.

Ausfahrt nur rechts herum: Das ZF-Werk liegt direkt an der Donau. ZF Friedrichshafen

Ausfahrt nur rechts herum: Das ZF-Werk liegt direkt an der Donau.

Ob in Bayern, Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt: Dort wo der Höhepunkt des Hochwassers überschritten ist, ziehen Unternehmen Bilanz und räumen auf. Gerade in Innenstadtlagen in der Nähe von sonst friedlichen Flüssen und Bächen hat es Handwerksbetriebe schwer getroffen. „Bäckereien, Fleischereien, Maurerbetriebe, Friseurbetriebe – es trifft viele“, berichtet ein Sprecher der Handwerkskammer von Ostthüringen. Bei der Industrie- und Handelskammer Niederbayern hat man den Schock noch nicht verdaut: „Die Innenstadt ist quasi dem Erdboden gleich gemacht“, sagt eine Sprecherin angesichts des sich in den Straßen türmenden Drecks und Gerümpels, der aus Betrieben und Wohnungen geräumt wird.

Offizielle Schätzungen über den gesamten Schaden gibt es noch nicht, aber bei den Versicherungen laufen die Meldungen in rasantem Tempo ein. Bei der R+V Versicherung sind es bereits etwa 2.000 Berichte und es sei kein Ende in Sicht, so eine Sprecherin. Es werde ein „Spitzenschaden“. Auch Konkurrenten sind im Dauereinsatz. „Wir planen derzeit den Aufbau eines Krisenzentrums in Gera“, sagt auch Generali-Manager Michael Thie im Gespräch mit Handelsblatt Online. Glück im Unglück haben ostdeutsche Privatleute und Firmen mit Altverträgen aus DDR-Zeiten, die von der Allianz übernommen wurden. Denn diese enthalten einen Elementarschaden-Schutz, der Hochwasser-Schäden abdeckt.

Nothilfe-Rabatte: Gratis-Autos für Hochwasseropfer

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Billige Spaten, Freibier, Sandsäcke und Gratis-Autos: Die Flutkatastrophe ruft auch etliche Unternehmen auf den Plan, die Betroffenen helfen wollen. In Österreich treibt die Hilfsbereitschaft mitunter skurrile Blüten.

Ob die Konjunktur unter den Schäden leidet, ist nicht ausgemacht. Sachsen rechnet zwar mit Schäden in Höhe von etwa 2,5 Milliarden Euro und die bundesweite Schadenssumme könnte nach einer Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft über die Marke von 6 Milliarden Euro klettern. Doch auch wenn die Auswirkungen für die Betroffenen verheerend seien, so Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der staatlichen Förderbank KfW, dürften vom Wiederaufbau eher positive Konjunkturimpulse ausgehen, etwa in der Bauindustrie.

In den Baumärkten herrscht jetzt schon Kauflust. Vor allem Schaufeln und Pumpen gefragt, berichtet eine Obi-Sprecherin. Die Regale seien vorsorglich gefüllt worden, nur „Gummistiefel waren kurz mal aus“. Die großen Ketten geben Flutopfern bis zu 30 Prozent Rabatt. Und der Sanierungsdienstleister Sprint ist im Dauereinsatz – unter anderem im Auftrag von Versicherungen, sagt Geschäftsführerin Janette Bohne im Interview mit Handelsblatt Online.

Kommentare (4)

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und_Beamte_schaun_zu

06.06.2013, 16:10 Uhr

In vielen der betroffenen überfluteten Orte arbeiten Privatleute und auch Studenten statt der staatlich bezahlten Beamten und öffentlich Bediensteten aus den zu mehr als 50% überflüssigen und aufgeblähten Behörden!
Diese Beamten kosten uns zusammen mit den anderen öffentlich Bediensteten jährlich ca. 200 Milliarden EURO allein an Personalkosten von den uns abgepressten Steuergeldern. Diese Leute füttern wir seit Jahrzehnten in immer grösserer und für den Bürger unkontrollierbarer Zahl durch und zwar auf allen Ebenen – EU -- Bund – Länder – Kreise – Städte und Gemeinden.
Und jetzt schauen diese Leute – allen voran die Berlin- Politiker Merkel und Co. - einfach nur zu, wie sich ihre Ernährer abrackern statt selbst anzupacken! Und dann werden schäbige 100 Mio Soforthilfe vom Finanzminister Schaeuble grosszügig gewährt, statt einige Milliarden – analog der EURO- Rettung - auch zum Ausbau von dauerhaften Schutzmaßnahmen vor künftigen Flutkatastrophen !
Die Finanzierung dieser Vorsorgemaßnahmen wird deshalb künftig mit Volksabstimmung durch Halbierung der Planstellen realisiert in allen aufgeblähten und bei weitem überdimensionierten Behörden – z. B. in den Finanzämtern, die unnötig komplizierte und historisch gewachsene Schachtelgesetze als ABM-Beschäftigung “bearbeiten“, statt diese zu entrümpeln und zu vereinfachen (siehe Vorschläge Wikipedia: Kirchhof/Merz/Lang/ Koch etc). Deshalb sofortige Halbierung der Bezüge aller Finanzbeamten und Zwang zur Umsetzung dieser Steuervereinfachungs- Konzepte.
Ähnliches gilt für alle anderen “Dienstleister“ unter den öffentlich mit Steuergeldern durchgefütterten Beschäftigten, die alle dringendst privatisiert und unter Wettbewerbsdruck gestellt werden müssen.
Dann werden weitere 30 Mia EURO frei zur Finanzierung von Infrastrukturen, wie die oben genannten Maßnahmen zum Überflutungsschutz oder z. B. überfälliger Autobahnneubau oder Modernisierung der Hochspannungs- Netzwerke – seit 20 Jahren passiert da nichts!!!
Weg mit der Beamt

Gast

06.06.2013, 17:29 Uhr

"Unter anderem sei die Computertechnik und das Telefonsystem in Mitleidenschaft gezogen worden"

Hier schwebt meiner Meinung nach ein großes Risiko für die Unternehmen. Gerade kleine und mittelgroße Unternehmen, die nicht über outgesourcte Backuplösungen verfügen, haben Rechnungen, Dokumente, die gesamte Warenwirtschaft auf den Servern gespeichert. Man kann nur hoffen, dass die noch Sicherungen haben. Zwar gibt es Unternehmen wie Attingo (www.attingo.de) oder Ontrack (www.ontrack.de), die sich auf die Wiederherstellung bei Wasserschäden spezialisiert haben, aber das wird dann richtig teuer - und da kommt auch keine Versicherung für auf (es sei denn, man hat speziell eine Versicherung gegen Datenverlust abgeschlossen).
Es gibt nicht wenige, die schon schließen mussten, weil das gesamte Unternehmensleben auf den Servern gespeichert war.

Account gelöscht!

06.06.2013, 17:30 Uhr

Was außer dem Wasserstand und der Beamtenflut auch ganz sicher steigen wird, sind die Versicherungsprämien, nicht nur für Wasserschäden, sondern für alle Bereiche. Da wird- staatlich unter Naturschutz gestellt- weiter munter zugelangt werden.

Der ganze Hochwasserschutz nützt letztlich nichts, wenn manche Städte und Gemeinden nicht aufhören, auch in eigentlich gefährdeten Gebieten hemmungslos aus purer Geldgier immer neue Bebauungsgebiete auszuweisen!
DA muß zunächst angesetzt werden!

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