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19.01.2005

15:50 Uhr

Hoechst und weitere europäische Konzerne betroffen

Chemieriesen zu Bußgeldzahlung verdonnert

Wegen verbotener Preisabsprachen hat die EU gegen die inzwischen fusionierte deutsche Hoechst AG und zwei weitere europäische Chemiekonzerne ein Bußgeld in Höhe von insgesamt 216,91 Millionen Euro verhängt. Die Absprachen betrafen Monochlor-Essigsäure, die bei der Herstellung von Reinigungsmitteln oder Klebstoffen gebraucht wird.

HB BRÜSSEL/PARIS. Auf Hoechst entfallen 74,03 Mill. €, entschied die Kommission am Mittwoch in Brüssel. Zur Kasse gebeten werden zudem die niederländische Akzo Nobel mit 84,38 Mill. € und die inzwischen unter Arkema firmierende französische Atofina mit 58,5 Mill. €. An dem Kartell war auch die deutsch-schweizerische Clariant beteiligt, die die Sparte für dieses Chemieprodukt 1997 von Hoechst übernommen hatte. Clariant beichtete das Kartell der Kommission und muss als Kronzeuge nichts zahlen.

Hoechst gehört nach zwei Fusionen inzwischen zum Sanofi-Aventis-Konzern. Dieser teilte in Paris mit, Hoechst werde eine gerichtliche Anfechtung des Bußgeldes erwägen, sobald die schriftliche Begründung der Entscheidung vorliege. Das Bußgeldrisiko von 74,03 Mill. € sei bereits in den Rückstellungen berücksichtigt und habe keine Auswirkungen auf die Ertragsrechnung.

Die Bußen für Atofina und Hoechst wurden kräftig aufgestockt, da die beiden Unternehmen schon früher ähnliche Verstöße begangen hatten. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes erklärte: „Unternehmen, die sich auf Kartelle einlassen, müssen mit hohen Strafen rechnen. Aus Abschreckungsgründen werden die Geldbußen für Wiederholungstäter weiterhin erhöht.“

Von 1984 an verabredeten die Hersteller über fünf Jahre hinweg, wer welche Kunden mit welchen Mengen beliefert. Sie vereinbarten gemeinsam Preiserhöhungen. Die Kommission sprach von einem schwer wiegenden Fall. Gemeinsam kontrollierten die Konzerne fast vollständig den Markt für diese Chemikalie. Er hatte im europäischen Wirtschaftsraum 1998 einen Umfang von rund 125 Mill. €. Kartelle zum Schaden von Verbrauchern und Unternehmen sind in der EU streng verboten. Die EU-Kommission kann gegen Kartellsünder Strafen von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes verhängen.

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