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14.03.2006

11:19 Uhr

Höheres Gebot angedeutet

Merck buhlt in Berlin um Schering

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck hat angedeutet, sein Übernahmeangebot von 77 Euro pro Aktie für den Berliner Konkurrenten Schering erhöhen zu wollen. Doch statt auf den Reiz des Geldes setzt Merck momentan auf die Macht der Worte, um bestehende Widerstände zu brechen.

lee/sig/HB BERLIN. Das Management des Darmstädter Pharmakonzerns Merck tourt durch die Hauptstadt, um für die geplante Übernahme des Wettbewerbers zu werben. In einem Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD) will Merck-Aufsichtsratschef Wilhelm Simson deutlich machen, dass der Standort Berlin auch für das fusionierte Unternehmen eine bedeutende Rolle“ spielen soll.

Merck will für fast 15 Mrd. Euro den Wettbewerber übernehmen, um einen schlagkräftigen deutschen Pharma- und Chemiekonzern aufzubauen. Der Schering-Vorstand lehnt Verhandlungen bislang jedoch ab. Er hält Schering für stark genug, um aus eigener Kraft zu bestehen. Zudem spiegele das Angebot von 77 Euro pro Aktie den wahren Wert des Unternehmens nicht wieder.

Merck-Aufsichtsrat Simson erleichtet diese Haltung seine Arbeit in Berlin nicht gerade: Der rot-rote Senat fürchtet die Folgen einer Übernahme Scherings durch Merck. Bürgermeister Wowereit will die Schering-Zentrale in Berlin halten und dringt darauf, dass auch die Arbeitsplätze bestehen bleiben. Merck-Chef Michael Römer hatte einen Stellenabbau im Zuge der angestrebten Übernahme nicht ausgeschlossen. „Natürlich wird es in gewissen Bereichen zu Reduktionen kommen“, sagte Römer. „Der Fokus liegt aber nicht auf Einsparungen“, fügte er hinzu. „Wir sind in der Vergangenheit sehr sorgsam mit diesem Thema umgegangen und werden es auch in Zukunft tun.“ Römer versicherte, das Familienunternehmen Merck werde seinen „sozialen Touch“ behalten. Der Schering-Betriebsrat fürchtet bei einer Übernahme Stellenstreichungen in der Verwaltung, im Vertrieb und in der Krebsforschung.

Ein Stellenabbau würde Berlin mit einer Arbeitslosenquote von 19 Prozent schwer treffen; im Bundesdurchschnitt sind es nur 11,7 Prozent. Noch schlechter geht es nur noch den Ländern Sachsen-Anhalt mit 20,2 und Mecklenburg-Vorpommern mit 20,3 Prozent. Die geplante Übernahme des Pharmaunternehmens setzt nur eine Serie von einschneidenden wirtschaftspolitischen Tiefschlägen aus dem vergangenen Jahr fort. Nach Stiebel Eltron, Samsung, Reemtsma und Herlitz verkündete der japanische Elektronikkonzern JVC Ende 2005 Pläne zur Schließung seines Berliner Werks.

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