Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2007

12:55 Uhr

Hoffnung auf neue Jobs

Bauwirtschaft gelingt die Trendwende

Die krisengeplagte deutsche Bauwirtschaft hat nach langer Talfahrt die Trendwende geschafft und erwartet 2007 erstmals wieder eine leichte Zunahme bei der Beschäftigung.

HB BERLIN. Mit einem nominalen Wachstum um 6,5 Prozent hat die deutsche Bauindustrie 2006 ihre eigenen Erwartungen deutlich übertroffen. Die konjunkturelle Trendwende sei geschafft, sagte der Präsident des Hauptverbandes der Bauindustrie, Hans-Peter Keitel, am Donnerstag in Berlin. Für dieses Jahr rechnete er mit nominal 3,5 Prozent plus. Die Konjunktur habe dermaßen angezogen, dass bereits Baumaschinen, Rohstoffe und Arbeitskräfte knapp würden.

Die Beschäftigung im Baubereich steige seit Mai 2006 „allmählich, aber stetig“ und werde auch 2007 leicht zunehmen, erklärte Keitel. Die Anfang 2006 geäußerte Befürchtung eines Stellenabbaus von 20 000 Stellen sei nicht eingetroffen. Vielmehr seien in der zweiten Hälfte 15 000 Menschen neu eingestellt worden. Damit habe sich die Beschäftigung bei 717 000 auf dem Niveau von 2005 stabilisiert. Keitel sagte sogar, das „Reservoir an Arbeitslosen“ werde knapp. Seit April übersteige sowohl bei den Bauingenieuren als auch bei den Arbeitern die Zahl der offenen Stellen die der Arbeitslosen deutlich. Unter anderem deshalb plant die Industrie eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsoffensive, mit der sie in diesem Jahr 1000 bis 1500 junge Menschen zur Ausbildungsreife bringen will.

Die Belebung der Nachfrage hat Keitel zufolge inzwischen alle Sparten erreicht. Motor sei aber der Wirtschaftsbau mit einem Plus von rund zehn Prozent, während die Kommunen sich „angesichts des Investitionsstaus unverständlich“ zierten bei neuen Aufträgen.

„Für Euphorie nach wie vor kein Grund“

Das Auftragsvolumen stieg in den ersten zehn Monaten ebenso wie die Umsätze um 6,3 Prozent. Weil die Nachfrageimpulse schneller wirksam geworden seien, prognostizierte der Verbandspräsident für das gesamte Jahr eine Steigerung um 6,5 Prozent. „Für Euphorie gibt es nach wie vor keinen Grund“, schränkte er aber ein und verwies darauf, dass das Gewerbe immer noch 20 Prozent unter dem Umsatzniveau von 2000 oder 33 Prozent unter dem von 1995 liege.

Bei der Prognose für 2007 gab er zu bedenken, dass das Umsatzplus von 2006 zu zwei bis drei Prozentpunkten von den Preiserhöhungen verursacht sei. „Insbesondere Engpässe bei der Versorgung mit Baustoffen und Bauprodukten haben ihre Spuren hinterlassen.“ Man müsse sich darauf einstellen, dass auch 2007 ein Teil des Wachstums preisgetrieben sei.

Acht Monate Lieferzeit für einen Bagger

Mit 67 Prozent seien die Baumaschinen im vergangenen Jahr eine Rekordauslastung erreicht wie zuletzt 1991, sagte Keitel. Lieferzeiten für Bagger seien von drei auf sechs bis acht Monate gestiegen. Auch der Mangel an Baustoffen und Baumaterialien mache den Unternehmen zu schaffen. Neben dem Boom sei dafür die Entwicklung auf den Weltrohstoffmärkten verantwortlich, wo die Knappheit mit stark schwankenden Preisen und teils drastischen Preiserhöhungen einhergehe. Keitel forderte besonders von den öffentlichen Auftraggebern die Bereitschaft zu Klauseln, mit denen das Preiserisiko zumindest teilweise auf den Besteller, in diesem Fall den Steuerzahler, abgewälzt werden würde.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×