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13.08.2013

20:04 Uhr

Hohe Verschuldung

Thyssen-Krupp drohen Risiken bei Krediten

Thyssen-Krupp vermeldet bei den Übersee-Stahlwerken noch keinen Verkaufserfolg. Der angeschlagene Konzern macht weiterhin Verluste, operativ läuft es aber besser. Doch die Aufkündigung von Kreditlinien droht.

Thyssen-Krupp-Konzernzentrale in Essen: Der operative Gewinn fiel besser aus als erwartet – doch bei Krediten gibt es offenbar Risiken. Reuters

Thyssen-Krupp-Konzernzentrale in Essen: Der operative Gewinn fiel besser aus als erwartet – doch bei Krediten gibt es offenbar Risiken.

EssenThyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger konnte bei Vorlage der Quartalszahlen am Dienstag noch keinen Befreiungsschlag verkünden. Der gebeutelte Konzern bleibt auf seinen verlustbringenden Stahlwerken in Brasilien und den USA sitzen – vorerst. Das Unternehmen schreibt weiter Verluste, operativ lief es im dritten Quartal des Geschäftsjahres (per Ende September) jedoch besser als erwartet.

Thyssen-Krupp fuhr einen operativen Gewinn von 332 Millionen Euro ein nach 384 Millionen vor Jahresfrist. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit 278 Millionen Euro gerechnet. Das Unternehmen bestätigte die Prognose, wonach der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im fortgeführten Geschäft im Gesamtjahr bei rund einer Milliarde Euro liegen soll - nach 1,4 Milliarden Euro 2011/12.

Nach Steuern und Anteilen Dritter verbuchte Thyssen-Krupp einen Verlust von 238 Millionen Euro nach einem Gewinn von 390 Millionen. Im Gesamtkonzern schrieb das Unternehmen in den ersten neun Monaten nach Anteilen Dritter einen Verlust von 983 Millionen Euro.

Und es gibt offenbar neue Risiken: Thyssen-Krupp droht per Ende September wegen hoher Schulden eine Aufkündigung von Kreditlinien durch Banken. Dies geht aus dem Zwischenbericht des Essener Mischkonzerns hervor. Thyssen-Krupp hatte danach zuletzt einen Anstieg des Verhältnisses der Netto-Finanzschulden zum Eigenkapital (Gearing) auf 185,7 Prozent verzeichnet. Ist dies Ende September immer noch der Fall, droht eine Aufkündigung milliardenschwerer Kreditlinien.

„Die Thyssen-Krupp AG hat Vereinbarungen mit Banken, die bestimmte Bedingungen für den Fall vorsehen, dass das Verhältnis von Netto-Finanzschulden zum Eigenkapital (Gearing) im Konzernabschluss 150 Prozent zum jeweiligen Bilanzstichtag (30. September) überschreitet“, heißt es im Zwischenbericht. „Es besteht ein Risiko, dass die Gearing-Grenze auch zum 30. September 2013 überschritten wird“, heißt es dort weiter. In diesem Fall sollten „mit den involvierten Banken“ Verhandlungen über einen Verzicht („Waiver“) auf die Grenzen aufgenommen werden – die Geldhäuser könnten Thyssen-Krupp dann vorübergehend von der Einhaltung der Auflagen befreien.

Die größten Baustellen von Thyssen-Krupp

Einleitung

Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr Thyssen-Krupp das dritte Mal in Folge einen Nettoverlust ein. Mit einem Fehlbetrag von 1,5 Milliarden Euro fiel dieser zwar niedriger aus als die fünf Milliarden Euro Miese im Jahr zuvor. Die Aktionäre müssen jedoch erneut auf eine Dividende verzichten. Das könnte auch im neuen Geschäftsjahr 2013/14 der Fall sein. Thyssen-Krupp will zwar operativ zulegen, für einen Nettogewinn könnte es aber erneut nicht reichen. Zudem schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte, sondern auch das Geschäft mit dem Werkstoff in Europa und mit Teilen für die Automobilindustrie.

Ertragsschwäche

Thyssen-Krupp fuhr im Geschäftsjahr 2011/12 einen Nettoverlust von fast fünf Milliarden Euro ein. In den ersten neun Monaten des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahres 2012/13 waren es rund 1,2 Milliarden Euro. Analysten zufolge schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte. Auch das europäische Stahlgeschäft, der Großanlagenbau, der Verkauf von Autoteilen und die Aufzugssparte hätten im Geschäftsjahr weniger verdient. Der Handel mit Werkstoffen und das Dienstleistungsgeschäft habe hingegen zugelegt.

Stellenabbau

Für Unruhe im Konzern sorgen auch die Pläne zum Abbau tausender Arbeitsplätze. In der Verwaltung sollen 3000 Jobs wegfallen. In der Stahlsparte will Thyssen-Krupp 2000 Arbeitsplätze abbauen. Weitere 1800 Stellen könnten durch Beteiligungsverkäufe aus dem Konzern fallen. „Wir bügeln damit auch die Managementfehler der Vergangenheit aus“, hatte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath in einem Reuters-Interview gesagt. Thyssen-Krupp will damit die Kosten um 500 Millionen Euro senken. Die Summe ist Teil der insgesamt geplanten Einsparungen des Konzerns bis 2014/15 von nun 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 156.000 Mitarbeiter, davon etwa 58.000 in Deutschland. Ein weiterer Stellenabbau ist nach den Worten von Personalvorstand Oliver Burkhard derzeit nicht geplant.

Fehlinvestitionen in Übersee

Nach einer langen Hängepartie konnte Thyssen-Krupp das Weiterverarbeitungswerk in den USA verkaufen. Das verlustreiche Rohstahlwerk in Brasilien hängt dem Konzern immer noch wie ein Klotz am Bein. Thyssen-Krupp muss neue Abnehmer für den Werkstoff in Nord- und Südamerika finden, da das US-Werk künftig weniger abnimmt. Die Kosten für beide Werke waren auf fast 13 Milliarden Euro explodiert, mehr als acht Milliarden entfielen auf Brasilien. Das US-Werk bleibt bis zu der erhofften Freigabe des Deals durch die Regulierungsbehörden noch für Monate in den Büchern. Thyssen-Krupp erwartet in der Sparte weitere Verluste - wenn auch niedrigere als bislang.

Schulden

Dem Konzern sitzen die Ratingagenturen im Nacken. Thyssen-Krupp drücken Schulden von fünf Milliarden Euro. Das Eigenkapital schmolz zwischenzeitlich von 4,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro zusammen, durch eine im Dezember 2013 durchgezogene Kapitalerhöhung konnte es inzwischen auf 3,3 Milliarden Euro aufgebessert werden. Die Eigenkapitalquote ist einer der niedrigsten Werte eines Dax-Konzerns. Gespräche mit Banken sorgten Ende September für Erleichterung, nachdem dieser Wert über die Marke von 150 Prozent gestiegen war.

Kartellverstöße und Korruptionsvorwürfe

Der Mischkonzern wird immer wieder von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will eine neue Unternehmenskultur, in der für krumme Geschäfte kein Platz ist. Bei illegalen Preisabsprachen war Thyssen-Krupp ein Wiederholungstäter. Einem Aufzugskartell folgten Kungeleien mit Schienenherstellern. Hier einigte sich Thyssen-Krupp nun mit der Deutschen Bahn auf Schadensersatz. Wie ein Damoklesschwert hängt zudem der Verdacht über dem Konzern, sich auch an einem möglichen Kartell von Herstellern von Blechen für die Automobilindustrie beteiligt zu haben. Ob sich dieser Verdacht bestätigt, ist offen. Sollte dies aber der Fall sein, wären die Konsequenzen nicht abzuschätzen - die Autoindustrie gehört zu den größten Kunden von Thyssen-Krupp. Welchen Stellenwert die Aufarbeitung der Verstöße hat, zeigte sich auch auf der Hauptversammlung im Januar 2014: Dort schuf Thyssen-Krupp für den ehemaligen Metro-Manager Donatus Kaufmann einen neuen Vorstandsposten für Compliance.

Ramponierter Ruf

Der Ruf des einst stolzen Unternehmens ist durch Pleiten, Pech und Pannen und die Korruptionsvorwürfe ramponiert. „Es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“, hat Konzernchef Hiesinger beklagt. Er will aufräumen und eine neue Unternehmenskultur einführen, in der Seilschaften und blinde Loyalität nicht wichtiger sind als unternehmerischer Erfolg. Dafür braucht er die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat.

Die 150-Prozent-Regel gilt Thyssen-Krupp zufolge für einen Vertrag mit einem Bankenkonsortium über eine „derzeit nicht in Anspruch genommene Kreditlinie von 2,5 Milliarden Euro“. Diese läuft zum 1. Juli 2014 aus. „Dieser Vertrag kann mit sofortiger Wirkung gekündigt werden, wenn die Gearing-Grenze nicht eingehalten wird und dies von einer Bankengruppe verlangt wird, die mehr als 50 Prozent der Kreditlinie repräsentiert“, räumt der Konzern ein. Der Grenzwert gilt zudem für einen Vertrag über ein Förderdarlehen in Höhe von 207 Millionen Euro mit der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg. Auch für ein Darlehen in Brasilien, bei dem auch die Entwicklungsbank BNDES eine Rolle spielt, gilt die Grenze.

Thyssen-Krupp betont aber, der Konzern verfüge über ausreichende Mittel. „Selbst bei einer Überschreitung der Gearing-Grenze zum 30. September 2013 bietet die freie Liquidität auch im unwahrscheinlichen Fall einer Kündigung der Gearing-abhängigen Instrumente noch ausreichend Spielraum zur Deckung anstehender Fälligkeiten in den Brutto-Finanzschulden“, heißt es in dem Bericht weiter. Die Fälligkeiten in den Brutto-Finanzschulden bis zum Ende des nächsten Geschäftsjahres 2013/2014 beliefen sich auf 2,1 Milliarden Euro.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

13.08.2013, 20:10 Uhr

Man soll ja nicht schlecht über Tote reden, aber hat Herr Beitz nicht den ganzen Verein heruntergwirtschaftet? (Selbst aktiv und später als Aufsicht)

Rechner

13.08.2013, 20:23 Uhr

O-Ton Handelsblatt-Überschriftentroll
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Thyssen-Krupp drohen Kredit-Risiken
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"Kreditrisiken" hat man, wenn man einen Kredit GEGEBEN hat, dessen Bedienung unsicher ist.

Wenn einem hingegegen "die Aufkündigung von Kreditlinien droht", dann hat man ein FINANZIERUNGSRISIKO.

...

Leute, bitte fleißig klicken!

Vielleicht kann sich das "Handelsblatt" ja dann irgendwann einen Überschriftenredakteur leisten der Wirtschaftsdeutsch beherrscht.

Der_Uniabsolvent

13.08.2013, 21:30 Uhr

Beitz hat mit Cromme hat den Laden an die Wand gesetzt.

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