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15.07.2013

16:03 Uhr

Hongqis Staatskarosserien

China reaktiviert Maos Limousinenhersteller

Weil Mao nicht in ausländischen Limousinen herumkutschiert werden wollte, entwickelte China einen eigenen Hersteller. Die Marke verschwand zwischenzeitlich. Nun will China den Autohersteller wiederbeleben.

Mehr als nur ein Auto: Hongqi verkörpert die chinesischen Sehnsucht nach der eigenen Stärke. ap

Mehr als nur ein Auto: Hongqi verkörpert die chinesischen Sehnsucht nach der eigenen Stärke.

PekingDie Rote Fahne ist zurück. Die massigen Limousinen der Marke Hongqi („Rote Fahne“) gehörten in China einst zu den charakteristischsten Symbolen der Volksrepublik. Mao Zedong fuhr in den 1960er-Jahren Hongqi, während er die Roten Garden inspizierte. Als US-Präsident Richard Nixon 1972 Peking besuchte, wurde er in einer Hongqi-Limousine durch die Hauptstadt kutschiert. Auch der Komiker Bob Hope durfte Platz nehmen, wurde aber - ohne weitere Erklärung - angewiesen, ja die Finger vom Kofferraum zu lassen.

In den 1980er-Jahren wehte die Rote Fahne nicht mehr, sie wurde durch bescheidenere Modelle abgelöst. In Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern wurden unter dem Namen Hongqi Lincoln-Kopien oder umfirmierte schwarze Audis auf den Markt gebracht. Diese Zeiten sind nun vorbei: Peking lässt die Marke wiederauferstehen, als in Chrom und Stahl gegossenes Zeugnis für Chinas Stolz und Ehrgeiz.

Der neue Hongqi L7 ist seit Frühjahr in Betrieb, bei Besuchen von Würdenträgern wie Frankreichs Präsident François Hollande oder Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye kamen die Wagen zum Einsatz.

„Ausländischen Besuchern soll vermittelt werden, dass China nicht einfach nur eine weitere westliche Gesellschaft mit westlichen Waren und westlichem Geschmack werden wird“, sagt Jonathan Holslag vom Brüsseler Institut für zeitgenössische Chinastudien (BICCS). „In erster Linie will sich China vom Westen abheben, außerdem will es als starke, kräftige Macht respektiert werden.“

Größte ausländische Autohersteller in China

Platz 10

BMW - 326.000 verkaufte Fahrzeuge

China gehört für die Münchener zu den wichtigsten Märkten der Welt. Und BMW dringt in die Top Ten vor: Im Vorjahresvergleich legt der Absatz um beachtliche 40 Prozent zu. Auf den Plätzen folgen Suzuki, Daimler und Mazda.

Platz 9

Ford - 427.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner machen Boden gut, was sie ebenfalls dem Inselstreit zu verdanken haben. Im Vorjahresvergleich bleibt ein sattes Plus von 31 Prozent.

(Anm. d. Red.: Erfasst wurden nur Pkw-Verkäufe)

Platz 8

Peugeot-Citroën - 442.000 verkaufte Fahrzeuge

Während der Heimatmarkt schwächelt, können die Franzosen in Fernost ihre Verkäufe ausbauen. Der Absatz legt um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu.

Platz 7

Kia - 512.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner können auch im Nachbarland ihren Erfolgskurs fortsetzen. Mit einem Wachstum von 18 Prozent gehören sie mittlerweile zu den erfolgreichen Volumenherstellern in China.

Platz 6

Honda - 603.000 verkaufte Fahrzeuge

Honda muss ebenfalls Einbußen hinnehmen - wie die anderen japanischen Hersteller in China ebenfalls. Im Vorjahresvergleich steht ein Minus von drei Prozent.

Platz 5

Toyota - 841.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Japaner müssen sich mit Rang fünf begnügen, vor allem im September hatte es einen herben Rückschlag der Verkaufszahlen auf gerade einmal 50.000 Stück gegeben. Im Gesamtjahr bleibt ein Absatzminus von fünf Prozent.

(Anm. d. Red.: Angabe laut Reuters)

Platz 4

Hyundai - 847.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner verdrängen Toyota auf Rang fünf und sind indirekter Nutznießer des Inselstreits. Die Hyundai-Verkäufe legten 2012 um zwölf Prozent zu.

Platz 3

Nissan - 1,18 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der Streit um eine Inselgruppe zwischen China und Japan hat die Absatzzahlen der Japaner deutlich in die Knie gedrückt. Im Gesamtjahr gab es für Nissan ein Minus von fünf Prozent.

Platz 2

Volkswagen - 2,81 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Wolfsburger können das größte Wachstum der Massenhersteller in der Volksrepublik vorweisen. Gegenüber dem Vorjahr haben die Volkswagen-Verkäufe um 24 Prozent zugelegt.

Platz 1

General Motors - 2,84 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner verteidigen hauchdünn die Spitzenposition in China. Im Jahresvergleich hat GM um elf Prozent zugelegt.

Methodik

Einmal pro Quartal erstellen die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young ein Ranking der größten Autokonzerne nach Absatz. Wie die Autohersteller in China abgeschnitten haben. (Daten: Gesamtjahr 2012)

Der L7 ist ein sechs Meter langes Schlachtschiff mit Zwölf-Zylinder-Motor, das auf den ersten Blick einem überdimensionierten Bentley ähnelt. Ranghohe ausländische Gäste werden im L7 transportiert, chinesische Eliten dürfen sogar in den L9 einsteigen, ein noch einmal 40 Zentimeter längeres Fahrzeug, bei dem der Stückpreis angeblich über 600 000 Euro beträgt. Der L9 ist gepanzert, hat nach hinten öffnende Selbstmördertüren und ein Schiebedach, damit im Fahrzeug stehend Truppen inspiziert werden können. Gewöhnliche Minister müssen sich mit dem deutlich bescheideneren H7 begnügen, der auch schon für umgerechnet 38 500 Euro erhältlich ist.

Hongqis Zukunftsaussichten seien glänzend, weil die Marke so symbolträchtig sei, sagt der chinesische Autoenthusiast Liu Weining: „Es ist ein stabiles Auto mit einem ganz eigenen Aussehen und jeder Menge Power. Die Marke ist einzigartig, denn so viele wichtige Ereignisse in der modernen chinesischen Geschichte sind irgendwie mit der Roten Fahne verbunden.“

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