Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2009

06:20 Uhr

Hunderte Entlassungen

Autozulieferer Getrag gerät ins Trudeln

VonTino Andresen

ExklusivEin weiterer deutscher Autozulieferer ist ins Trudeln geraten. Der baden-württembergische Getriebebauer Getrag will nach Informationen der Gewerkschaft IG Metall einen Standort schließen und Hunderte Beschäftigte entlassen.

Teile von Getrag stecken auch im Mini von BMW. Foto: PR gms

Teile von Getrag stecken auch im Mini von BMW. Foto: PR

DÜSSELDORF. Die Verhandlungen zwischen Getrag-Geschäftsführung und Gewerkschaft seien ergebnislos beendet worden, teilte Hubert Dünnemeier von der baden-württembergischen IG-Metall-Bezirksleitung Handelsblatt.com am Dienstagabend mit. Demnach will die Unternehmensleitung den Standort Ludwigsburg schließen und dort insgesamt 380 Mitarbeiter entlassen. Auf diese Weise sollten 27 Mio. Euro eingespart werden. Alternativ ließe sich der Standort noch zwei Jahre mit lediglich 100 Beschäftigten weiterführen. Diese müssten dann aber einen Einsparbetrag von 5 Mio. Euro erbringen.

Beide Szenarien sind aus Gewerkschaftssicht ein Verstoß gegen den Ergänzungstarifvertrag zur Standortsicherung. Getrag sitzt in Untergruppenbach und unterhält vier weitere deutsche Standorte, darunter Ludwigsburg. Deren Bestand und die Beschäftigung seien dem Vertrag zufolge bis Ende 2011 garantiert.

Gewerkschafter Dünnemeier bestätigte Handelsblatt.com, Getrags Konsortialbanken hätten die Unternehmensberatung Roland Berger damit beauftragt, Getrags Kreditwürdigkeit zu untersuchen und die Planung bis 2011. Ausgelöst wurden die Probleme des Familienunternehmens mit insgesamt gut 3 000 Beschäftigten vor allem durch den faktischen Wegfall eines Großauftrags des angeschlagenen US-Autobauers Chrysler über jährlich 700 000 Doppelkupplungsgetriebe. Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Autobranche verschärfte die Situation weiter.

"Es gibt ein massives Problem", so die Einschätzung Dünnemeiers. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dieter Schlenkermann, rechnet nach früheren Informationen für dieses Jahr mit einem Umsatzrückgang von bis zu 25 Prozent. Im Jahr 2007 hatte die deutsche Getrag KG 700 Mio. Euro umgesetzt. "Die Geschäftsführung gefährdet das Unternehmen", kritisiert Dünnemeier.

Die IG Metall fordert den Erhalt aller Standorte, ist aber angesichts der Probleme bereit, in Ludwigsburg einen sozialverträglichen Beschäftigungsabbau von höchstens 234 Mitarbeitern hinzunehmen und so ein Einsparvolumen von nach ihren Angaben mehr als 15 Mio. Euro zu realisieren.

Der Gewerkschaft zufolge droht die Getrag-Geschäftsführung, Produktion in Auslandsstandorte in Schweden, Italien und in der Slowakei zu verlagern, wenn keine Einigung mit den Arbeitnehmervertretern gelänge. Dann komme es auch in den anderen deutschen Werken zu Arbeitsplatzabbau und insgesamt 640 Entlassungen. Vom Unternehmen war am Dienstagabend keine Stellungnahme zu bekommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×