Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2017

21:57 Uhr

Hydrogen Council

Der Traum vom Wasserstoff

VonLukas Bay

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos kündigen 13 Weltkonzerne eine Allianz für den Wasserstoff an. Dabei geht es allerdings nicht nur um Umweltschutz, sondern vor allem um die Rettung des eigenen Geschäftsmodells.

Auch Mercedes will mit dem GLC F-Cell ein eigenes Auto mit Brennstoffzelle auf den Markt bringen. dpa

Wasserstoff in den Tank

Auch Mercedes will mit dem GLC F-Cell ein eigenes Auto mit Brennstoffzelle auf den Markt bringen.

Düsseldorf/DavosWasserstoff ist für die Industrie schon seit Jahren der Stoff, aus dem die Träume sind. Er gilt als multifunktionaler Energiespeicher, als eine saubere Alternative für eine Welt ohne Öl. Auch wenn die Pläne für eine Wasserstoff-Wirtschaft seit Jahren ausgearbeitet werden, geht der Wandel bislang nur langsam voran. Dreizehn Konzerne haben darum auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos angekündigt, das Hydrogen Council zu gründen. Zu der illustren Runde gehören auch die deutschen Autohersteller Daimler und BMW sowie der Gasehersteller Linde. Das erklärte Ziel: die globale Förderung der Wasserstoffwirtschaft.

Das Hydrogen Council soll dafür als globale Lobbyorganisation fungieren, klare Wünsche der Industrie für die Wasserstoffwirtschaft formulieren und nach eigenen Angaben „dabei helfen, die 2015 in Paris verabschiedeten Klimaziele zur Begrenzung der Erderwärmung zu erreichen“. Ganz selbstlos ist das nicht.

Das Wichtigste über Wasserstoff und Brennstoffzelle

Wasserstoff und Brennstoffzelle

Wasserstoff ist im Gegensatz zum Öl kein begrenzter Rohstoff. Es ist das am häufigsten vorkommende chemische Element. Größter Erzeuger ist die chemische Industrie, die Wasserstoff als Neben- oder Koppelprodukt herstellt. Allein damit könnten in Deutschland nach Angaben des Technologiekonzerns Linde 750.000 Fahrzeuge betrieben werden.

Das Prinzip

Das Prinzip ist einfach, die technische Umsetzung aber anspruchsvoll: Bei der energieaufwendigen Elektrolyse wird Wasser mit Hilfe von Elektrizität in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Wasserstoff ist ein flüchtiges und reaktionsfreudiges Gas, das nur unter hohem Druck oder extrem gekühlt gelagert werden kann.

Wirkungsweise

In einer Brennstoffzelle erzeugen Wasserstoff und Sauerstoff an einer Membran in einer sogenannten kalten Verbrennung Elektrizität. Dabei entsteht auch Wärme. Das Abgas ist Wasserdampf. In einem Auto kann mit einer Brennstoffzelle ein Elektromotor angetrieben werden.

Umstrittene Erzeugung

Umstritten ist aber die Erzeugung des Wasserstoffs. Bislang wird der Energieträger zu 90 Prozent aus dem fossilen Rohstoff Erdgas hergestellt. Während aus dem Auspuff eines Brennstoffzellenautos nur Wasserdampf entweicht, wird bei der Herstellung des Wasserstoffs das klimaschädliche Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Wird Wasserstoff aber mit Hilfe von Strom aus Windenergie oder Photovoltaik gewonnen, ist die Klimabilanz deutlich besser.

Reichweite

Die Reichweite von Autos mit Brennstoffzelle ist deutlich größer als die der batteriegetriebenen Fahrzeuge. Ein Beispiel: Eine Mercedes-Benz B-Klasse mit Brennstoffzelle hat nach Unternehmensangaben eine Reichweite von 385 Kilometern, der Elektro-Smart mit Batterie kann bis zu 135 Kilometer zurücklegen.

So unterschiedlich die beteiligten Unternehmen auf den ersten Blick sind, so ähnlich sind ihre Ziele. Denn mit dem Wandel zur Wasserstoffwirtschaft bleiben die Geschäftsmodelle der Rohstoffriesen, Gasehersteller und Autokonzerne weitgehend erhalten. Anders als die batteriebetriebene Elektromobilität lässt sich die Wasserstoffwirtschaft kaum dezentral organisieren. Die Tankstellen der Ölkonzerne und die Produktionsstätten der Gashersteller würden weiter gebraucht. Und auch die Autokonzerne wären in einer Welt mit Wasserstoffautos nicht so stark von den Batteriezellenproduzenten abhängig.

Comeback von Wasserstoff: Die vergessene Alternative

Comeback von Wasserstoff

Premium Die vergessene Alternative

Wasserstoff galt einmal als das neue Öl. Doch bisher hat es sich nicht durchgesetzt – für den Masseneinsatz ist es noch immer zu teuer. Mit neuer Technologie soll sich das ändern.

Geleitet wird das Hydrogen Council anfangs durch den japanischen Autobauer Toyota und den französischen Gasekonzern Air Liquide. Beide Unternehmen treiben den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur bereits seit Jahren voran. Aber auch der Ölkonzern Shell, der Rohstoffkonzern Anglo American sowie der Bahntechnik-Spezialist Alstom sind dem Bündnis beigetreten.

Insgesamt – so betonen die Konzerne – investiere man im Jahr 1,4 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung der Wasserstofftechnologie. Damit ist allerdings nicht das Budget des Hydrogen Council gemeint, zu dessen Aufgaben nicht die gemeinsame Forschung gehört. Die findet an anderer Stelle statt. Neben bilateralen Kooperationen wie zwischen BMW und Toyota sind heute schon viele der beteiligten Konzerne in Initiativen verbunden. Forschung, Harmonisierung oder Betrieb von Wasserstofftankstellen werden in lokalen Koordinationsprojekten wie der „H2 Mobility" organisiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×