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26.07.2012

11:53 Uhr

Hyundai

Das koreanische Autowunder

Kein Autohersteller profitiert mehr von der Wirtschaftskrise in Europa als Hyundai. Weil die Autofahrer eher auf den Preis als auf den Status achten, steuern die Koreaner auf einen Rekordabsatz zu.

Hyundai will sich nicht alleine auf das Billigimage reduzieren lassen. dpa

Hyundai will sich nicht alleine auf das Billigimage reduzieren lassen.

SeoulDer südkoreanische Autokonzern Hyundai sahnt im krisengeplagten Europa mächtig ab. Anders als zuletzt etwa die Rivalen Peugeot, Opel und Ford feiert der Massenhersteller dank günstiger Preise große Verkaufserfolge auf dem europäischen Markt. Das Unternehmen gab am Donnerstag erneut einen steigenden Gewinn und einen Rekordabsatz im Quartal bekannt. 1,11 Millionen Autos lieferte Hyundai aus, so viele wie nie zuvor.

Das Absatzziel fürs laufende Jahr werde voraussichtlich leicht übertroffen, stellte das Management in Aussicht. Der Nettogewinn legte im zweiten Quartal bis Ende Juni um zehn Prozent zu auf umgerechnet 1,8 Milliarden Euro. Es war der 13. Anstieg des Quartalsergebnisses in Folge. Die Hyundai-Aktie schoss um bis zu 2,5 Prozent in die Höhe.

Asiens Autohersteller

Wachstumsstark und clever

Viele kleinere Autohersteller aus Fernost haben Ambitionen, sich in den nächsten Jahren zu Weltmarken zu entwickeln:

SAIC (China)

Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) ist in Deutschland als VW-Partner bekannt, zeigt aber immer mehr Eigenständigkeit. 2011 wurden mehr als vier Millionen Fahrzeuge abgesetzt.

SAIC (China)

Damit hat sich der Absatz seit 2005 vervierfacht. SAIC könnte als einer der ersten chinesischen Anbieter auf dem Weltmarkt bestehen. In Großbritannien verkauft SAIC unter der zugekauften Marke MG Rover bereits Autos.

BAIC (China)

Die Beijing Automotive Industry Corporation Group (BAIC Group) ist das Pekinger Gegenstück zu SAIC. BAIC kooperiert mit Daimler und Hyundai. In Europa ist sie zuletzt als möglicher Käufer für die schwedische Marke Saab ins Gespräch gekommen.

BAIC (China)

Der fünftgrößte chinesische Autobauer ist eine Kooperation mit der russischen AMS Group eingegangen, um den Markt des Nachbarlands für die eigenen Produkte zu erschließen.

Chery (China)

Chery ist wie BAIC und SAIC ein Staatsbetrieb, kommt aber etwas flippiger daher und ist der Exportchampion unter den Chinesen. Das Unternehmen setzt konsequent auf Absatz in anderen Schwellenländern und betreibt eigene Fabriken beispielsweise in Indonesien, der Ukraine oder der Türkei.

Chery (China)

Mit rund 800 000 abgesetzten Autos liegt Chery im chinesischen Ranking auf Platz sieben. Durch konsequente Ausgaben für eigene Entwicklung sichert sich der Anbieter eine solide Position im unteren Marktsegment.

Geely (China)

Der Ehrgeizling unter Chinas Autofirmen befindet sich nicht in Staatshand, sondern ist ein Privatunternehmen. Im Laufe des Jahres will das Unternehmen sein Topmodell Emgrand in Großbritannien und Italien auf den Markt bringen.

Geely (China)

Das ist konsequente Fortsetzung einer Strategie, die sich bereits 2010 im Kauf der schwedischen Traditionsmarke Volvo gezeigt hat: nicht kleckern, sondern klotzen – und konsequent auf Qualität setzen.

Tata (Indien)

Indiens wichtigstes Industrieunternehmen Tata strebt längst nach mehr als nur dem Rang eines regionalen Marktführers. Mit der Übernahme der britischen Luxusmarken Jaguar und Land Rover schrieb das Unternehmen 2008 Industriegeschichte.

Tata (Indien)

Der Konzern stellt im Jahr nur gut eine Million Fahrzeuge her. Doch mit Jaguar und Land Rover setzen die Inder auf internationales Wachstum und wollen zum ernst zu nehmenden Rivalen von BMW werden.

Hyundai-Kia (Südkorea)

Für VW-Boss Martin Winterkorn ist er einer der gefährlichsten Konkurrenten: Hyundai-Kia ist auf dem Vormarsch. Der fünftgrößte Autokonzern will 2012 erstmals die Sieben-Millionen-Schwelle überschreiten. Die Koreaner zählen zu den am schnellsten wachsenden Autokonzernen der Welt.

Hyundai-Kia (Südkorea)

Im vorigen Jahr steigerte der Konzern seinen Absatz weltweit um 15 Prozent. Hyundai-Kia verzeichnete damit drei Jahre hintereinander je zweistellige Zuwachsraten.

Das Unternehmen profitiert von einem Freihandelsabkommen Südkoreas mit der EU, das vergangenes Jahr in Kraft trat und die Verkaufsbedingungen für das asiatische Land verbesserte. Der Absatz in Europa sprang um 18 Prozent in die Höhe.

Europäischen Herstellern ist dies ein Dorn im Auge. Die französische Regierung will, dass die EU-Kommission die Autoimporte aus Südkorea unter die Lupe nimmt und gegebenenfalls wieder Schutzbarrieren errichtet.

Das Hyundai-Management äußerte sich hierzu zwar gelassen, aber Analysten zeigten sich alarmiert. Sie verwiesen auf Arbeitsplatzverluste in der europäischen Autoindustrie. Diese könnten dazu führen, dass Stimmung gegen die südkoreanische Konkurrenz gemacht werde, argumentierte Park Sang Won von Eugene Investment & Securities.

In der Heimat erhöht das EU-Abkommen aber die Konkurrenz für Hyundai. Dort und auch dem wichtigsten Markt China schwächelten die Umsätze. Der globalen Konjunkturabschwächung kann sich auf Dauer auch der zusammen mit der Tochter Kia weltweit fünftgrößte Autobauer nicht entziehen. Er senkte seine Absatzprognose für die Branche in diesem Jahr.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Von

rtr

Kommentare (14)

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audi

26.07.2012, 12:07 Uhr

aufgepasst, hier spielt die Musik von morgen.

die Schlacht in Europa ist schon seit vielen Jahren entschieden, aber in weltweit geht es darum:

- Toyota
- Volkswagen
- Hyundai




kleinfeldt

26.07.2012, 12:17 Uhr

Ja richtig. Die Kerninformation ist, die deutschen Autos in Deutschland sind zu teuer!

Account gelöscht!

26.07.2012, 12:19 Uhr

Volkswagen wuchs durch Zukäufe (wenn auch bei zugegebener guter Qualität). Hyundai hingegen wächst weil es zunehmend bessere und günstige Autos baut.

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