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12.09.2016

09:03 Uhr

IAA Nutzfahrzeuge

Neue Spielregeln für die Lkw-Bauer

VonStefan Menzel

Die Digitalisierung beschert der Lkw-Branche neue Geschäftsmodelle. Besonders das Autonome Fahren dürfte für zusätzliche Umsätze sorgen. Doch für die Großen der Branche entstehen auch neue, schlagkräftige Rivalen.

Das Autonomen Fahren dürfte auch zur Stauvermeidung auf den Autobahnen beitragen, weil es mehr Sicherheit geben wird und die Unfallhäufigkeit abnimmt. dpa

Lastwagen prägen das Bild auf den Autobahnen

Das Autonomen Fahren dürfte auch zur Stauvermeidung auf den Autobahnen beitragen, weil es mehr Sicherheit geben wird und die Unfallhäufigkeit abnimmt.

DüsseldorfDer Nutzfahrzeugbranche stehen glänzende Zeiten bevor. Das glaubt zumindest die Unternehmensberatung McKinsey in einer aktuell vorgestellten Studie. Bis zum Jahr 2025 werde der Umsatz beim Verkauf von Lastwagen mit einem Gewicht von mehr als sechs Tonnen von zuletzt 150 Milliarden Euro auf 240 Milliarden Euro zulegen. Der Gewinn der Branche werde im selben Zeitraum von neun auf etwa 15 Milliarden Euro steigen. Kurz vor dem Start der Lkw-IAA in Hannover sind das gute Nachrichten für die Branche. Die weltgrößte Nutzfahrzeug-Messe beginnt in gut einer Woche.

Die klassischen Hersteller von Lastwagen sollten sich aber nicht zu früh freuen. Ein Großteil des zusätzlichen Geschäftsvolumens stammt nicht aus dem reinen Verkauf der Lkw, sondern aus neuen Technologien wie etwa dem Autonomen Fahren. Die Digitalisierung biete „den Lkw-Herstellern die Chance, sich über das Fahrzeug hinaus mit neuen Geschäftsmodellen zu differenzieren“, betont Andreas Tschiesner, Automobilexperte bei McKinsey.

Das sind die größten Lkw-Märkte

Platz 10

Osteuropa - 48.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014*

Die Transportbranche in Osteuropa gilt als großer Hoffnungsträger für die Branche - und ist nach Ansicht der Unternehmensberater von Deloitte einer der dynamischsten Märkte weltweit. Die Verkäufe soll jährlich um zehn Prozent anziehen.

*Quelle: Deloitte Truck-Studie

Platz 9

Mittelamerika - 65.500 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die Nähe zu den USA lässt die Industrie florieren, die Nachfrage nach Transportdienstleistungen steigt - und damit auch die Lkw-Verkäufe. Bis 2024 soll der Absatz jährlich um fünf Prozent zulegen.

Platz 8

Japan - 77.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Auf den japanischen Straßen ist der Platz begrenzt, gefragt sind darum vor allem mittelgroße Lkw. Allerdings dürfte sich das Wachstum in Grenzen halten. Prognostiziert wird ein Marktzuwachs von jährlich einem Prozent.

Platz 7

Russland - 116.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der russische Markt hat viel Potential, obwohl in Russland viele Güter über die Schiene transportiert werden. Die aktuelle politische Lage verhagelt die Bilanz. Mittelfristig sieht die Perspektive besser aus.

Platz 6

Brasilien - 164.700 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die größte Volkswirtschaft Südamerikas hat viel Dynamik eingebüßt. Auch für den Lkw-Absatz sind die Prognosen mau. Der Markt soll bis 2024 jedes Jahr um etwa ein Prozent zulegen.

Platz 5

Südostasien - 168.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Thailand, Malaysia und Indonesien gelten als Wirtschaftsnationen mit Potential. Und auch die Nachfrage nach schweren Nutzfahrzeugen legt jährlich um fünf Prozent zu.

Platz 4

Indien - 237.300 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch fristet der indische Lkw-Markt ein Schattendasein. Doch die Potentiale sind gigantisch. Im Jahr 2024, so prognostiziert es die Unternehmensberatung Deloitte, sollen dort 544.400 Lkw verkauft werden. Das jährliche Wachstum beträgt neun Prozent.

Platz 3

EU - 297.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch landet aber Europa, der Heimatmarkt von Daimler, MAN/Scania und Volvo, auf dem dritten Rang. Mit einem jährlichen Wachstum von vier Prozent bis 2024 ist die Entwicklung durchaus positiv.

Platz 2

USA - 377.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Bis auf Daimler tun sich die europäischen Hersteller noch schwer auf dem US-Markt. Nach Jahren der Konsolidierung sind dort deutlich weniger Wettbewerber im Markt.

Platz 1

China - 985.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der größte Lkw-Markt der Welt wird regiert durch die lokalen Hersteller. Die schiere Menge an verkauften Lkw kaschiert, dass es sich dabei vor allem um kleine, günstige Modelle handelt. Auch die Wachstumsprognosen sind nach Ansicht von Deloitte eher bescheiden. Sie gehen von einem jährlichen Wachstum von einem Prozent aus.

Noch ist nicht ausgemacht, dass die Lkw-Hersteller von heute wirklich diese zusätzlichen Geschäfte auch tatsächlich für sich verbuchen können. Sie müssen sich der Digitalisierung öffnen und die neuen Geschäftsfelder auch wirklich in den eigenen Unternehmen verankern.

Etablierte Lkw-Hersteller wie Mercedes, MAN und Scania stehen wahrscheinlich vor der größten Herausforderung in ihrer Unternehmensgeschichte. Sie müssen sich den neuen Herausforderungen stellen. Gelingt ihnen das nicht, dann laufen sie Gefahr, dass sie von neuen Konkurrenten wie Tesla oder Google überholt werden. „Gerade die digitalen Wettbewerber agieren viel schneller als ein klassischer Hersteller. Die Lkw-Produzenten müssen Gas geben und ihre Organisation auf schnellere Veränderungszyklen ausrichten“, unterstreicht Romed Kelp, Nutzfahrzeug-Experte bei der Managementberatung Oliver Wyman.

Für die Autoren der McKinsey-Studie ist die Entwicklung des Autonomen Fahrens der wichtigste Branchentrend. Sie erwarten, dass im Jahr 2025 jedes dritte in Europa verkaufte Nutzfahrzeug in bestimmten Situationen autonom unterwegs sein wird. Selbstständig fahrende Lastwagen werde es vor allem auf den Autobahnen geben, schwieriger werde es im engen Straßengeflecht der Städte. „Damit verändern sich Stück für Stück die Spielregeln der Branche“, glaubt McKinsey-Berater Matthias Kässer.

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