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05.12.2013

14:30 Uhr

ICE-Lieferschwierigkeiten

Siemens will Pannen im Bahngeschäft vermeiden

Um Pannen zu vermeiden will die Siemens-Sparte Infrastruktur und Städte auf schwierige Aufträge verzichten. Denn die Probleme mit ICEs und Eurostar-Zügen dauern an. Die Spartenrendite soll auf sechs Prozent steigen.

Die Lieferung von Eurostar-Zügen für den Eurotunnel verzögert sich, weil Siemens die Komplexität des Auftrags unterschätzte. Reuters

Die Lieferung von Eurostar-Zügen für den Eurotunnel verzögert sich, weil Siemens die Komplexität des Auftrags unterschätzte.

MünchenSiemens will sein pannenträchtiges Eisenbahngeschäft auf Vordermann bringen. Angesichts von Lieferproblemen mit Zügen für die Deutsche Bahn und den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal gelobte Spartenchef Roland Busch am Donnerstag Besserung: Die Konzernsparte Infrastruktur und Städte, die auch Technik für Gebäude und Stromverteilung anbietet, solle gewissenhafter planen und sich öfter gegen schwierige Aufträge entscheiden, sagte Busch am Donnerstag auf einer Investorenveranstaltung in London. Die Sparte, die knapp ein Viertel der Konzernumsätze erwirtschaftet, solle zudem ihre Kosten senken und ihren Teil zum angekündigten konzernweiten Abbau von 15.000 Stellen beitragen.

Damit soll der Geschäftsbereich Infrastruktur und Städte deutlich profitabler werden. Die operative Rendite (Ebitda-Marge), die im vergangenen Geschäftsjahr bei mageren 3,7 Prozent lag, soll in der laufenden Periode 2013/2014 auf mehr als acht Prozent steigen. Das wäre allerdings immer noch am unteren Ende der Bandbreite von acht bis zwölf Prozent, die Siemens der Sparte generell vorgegeben hat. Zuletzt lag der Geschäftsbereich 2011 mit 8,3 Prozent im Plansoll. Busch will die Sparte noch produktiver machen als bisher angekündigt. Unter anderem durch Kostensenkungen soll die Produktivität im laufenden Geschäftsjahr deutlicher steigen als bisher geplant. Insgesamt seien Verbesserungen von einer Milliarde Euro angepeilt.

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Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser hat Belegschaft und Investoren bereits bessere Zeiten versprochen. Ein Jahr gibt sich Kaeser, um mit dem bereits laufenden Sparprogramm, schärferer Risikokontrolle und besserem Management dafür zu sorgen, dass vom Umsatz mehr Gewinn bleibt. Die Marge des Technologieriesen soll insgesamt auf etwa zehn Prozent steigen. Damit soll der ersehnte Anschluss an die Rivalen ABB und GE gelingen, denen die Münchner seit längerem hinterherhinken. Konkrete strategische Pläne will Kaeser erst im Mai vorlegen. Danach soll es allerdings zügig gehen, bis Oktober soll sein Willen im Konzern umgesetzt sein. Nach Spekulationen über eine Zerschlagung der als "Resterampe" geschmähten Sparte Infrastruktur und Städte hatte Kaeser deutlich gemacht, dass Strukturfragen für ihn keine Priorität haben.

Siemens kämpft mit Zulassungsproblemen einer neuen ICE-Flotte für die Deutsche Bahn. Wann die Bahn die 16 bestellten und längst überfälligen Züge regulär einsetzen kann, steht noch immer nicht fest. Bisher sind lediglich zwei Garnituren für Tests und Schulungen in Betrieb. Als Ausgleich für die Verspätung ist ein 17. Zug im Gespräch. Auch die Lieferung von bauartgleichen Eurostar-Zügen für den Eurotunnel verzögert sich, weil Siemens die Komplexität des Auftrags unterschätzte. Die Züge müssen auf die Bahntechnik von mehreren Ländern abgestimmt werden.

Die Sparte will sich nun noch besser überlegen, welche Aufträge sie überhaupt annimmt. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Geschäftsbereich auf die Bewerbung für Projekte über fünf Milliarden Euro verzichtet, darunter Züge für eine milliardenschwere Neubaustrecke im Großraum London. Auswahlkriterien seien eine Analyse der eigenen Kapazitäten und der zeitlichen und technischen Anforderungen, sagte Sparten-Finanzchef Hannes Apitzsch. Pannen vermeiden will Spartenchef Busch auch mit einem neuen Monitoring- und Frühwarnsystem.

Von

rtr

Kommentare (3)

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DocB747

05.12.2013, 16:34 Uhr

Fakt ist jedenfalls, dass im Zuge der Börsengang-Fantasie der DB seit Jahrtausendbeginn wenig in neue Züge investiert wurde. Die Folge dieses Investitionsstops gepaart mit der Billig-Flug-Historie hat dann zu einem Abbau der Produktionskapaz bei den Zulieferern geführt. Dank der Projekte China/Russland mussten ferner noch weitere Kapazit verlagert werden. Dieses führte dann zum Abbau der kapitalintensiven Festigungen in Deutschland. Da haben Bombardier und Siemens gleich gehandelt. Nun macht SIEMENS seine Zulieferer verantwortlich? Man kann kaum erwarten, dass angesichts von Minimalpreisen und langfristig konstanten Lieferkonditionen mit erheblichen Risiken, die auf die Zulieferer verlagert werden, diese Zulieferer jetzt vor Freude neue Kapazit aufbauen (weder Personal noch Maschinen). Das Kapital der Zulieferer brachte in den letzten Jahren schon keine Rendite. Dazu kommt noch, dass die neuen Produktionskapazi in China nun inzwischen eigene Zulieferstrukturen (durch Kopieren westlicher Produkte) haben. In purer Verzweiflung wurden dann dem Produkt Schiene weitere Eigenschaften aufgebürdet (Verwendbarkeit in anderen Stromnetzen - Lädern, Spurbreiten .... ) nur um die Aufträge zu bekommen. HIER liegen dann doch vermutlich die Probleme der STEUERPROGRAMME verborgen. Zuviel Parameter, die beachtet werden müssen .... nur gut, dass hier in Punkto Sicherheit keine Kompromisse gemacht werden, Das Geld, welches dort investiert wurde, mag zwar Renditen in China bringen (Gewinn), aber dieses operative Cashgewinnung wird von dort nicht zum Investor zurrückkommen. Nicht ohne Grund hat China entsprechende Währungsreserven. Ob Eisenbahn, Flugzeug, Busse, Transrapid, Auto , Aufzüge, ... - alle Mass Transportation Produkte kommen demnächst von chinesischen/ ausländischen Konkurrenten. Dass Siemens nun kapazitätsorientiert vorgeht, ist löblich, aber Konsequenz des Sägen am eigenen Apfelbaum. Alle Zulieferer und Mitarbeiter wie Kunden und Aktionäre dürfen nun leiden

DocB747

05.12.2013, 16:46 Uhr

Den Vorstand hat das viele Jahre auch vor Löscher nicht interessiert. Ein Vorstand wird leider nur für die Gewinne über einen sehr überschaubaren Zeitraum vergütet. Das ändert sich gerade erst, ist aber angesichts des Business UNit Desasters eine Tragödie. Viele best bezahlte Manager haben da die Hand aufgehalten. Der Cash Flow zurück zum nationalen Investor (zu den know how Lieferungen aus Deutschland) wird ignoriert, denn ein Vorstand guckt nur nur auf globaler Ebene (da ist der Gewinn wichtig). Das innerhalb von 5 Jahren- idR erst sichtbar nach seiner Vorstandszeit - dann das Potential des Unternehmens vergeudet wurde, interessiert Ihn dann nicht mehr. Er bekommt ja eine nette Pension oder eine fette Abfindung... - siehe Löscher, Pierer, ....... Peinlich ist, dass man Fehlentscheidungen nicht zugibt. Es gibt leider wenige Manager, die da Stellung beziehen. Wenn man sich analog mit der Masse der Fehlentscheider verhält, dann ist das fürr den Manager ein risiko- und konfliktminderndes Verhalten. Hinzukommt dann noch die deutsche Abwehrhaltung gegen Transport-Projekte - Autobahnen, Eisenbahnen, Flughäfen ... bitte nicht vor meiner Haustür, sondern beim Nachbarn. In Verbindung mit der bürokratischen Zulassung, wird die Zukunftsfähigkeit der gesamte Eisenbahnzulieferer in Deutschland riskiert. Investitionssicherheit sieht anders aus. Diese Arbeitsplätze sind dringend notwendig, da das Volk nicht nur aus Dichtern und Denkern besteht. Fakt ist aber auch, dass der Lebenszyklus eines Zugmodells sich mehr und mehr verkürzen wird. Automotive-LEbenszyklen sind weit entfernt, das machen die Zulieferer und die Fertigungsstrukturen nicht mit. Daraus resultieren dann die langen Zeiten, bis der Fortschritt bei uns ankommt. Bei Alstom ist das nicht anders. Konsequenz wird sein, dass asiatische Konkurrenz kommt. Kapazitätsanpassungen sind ja quasi unmöglich in Europa und die Anzahl der Wettbewerber ist ebenfalls überschaubar. Es wird dann wie beim Schiffsbau enden. Schade.

Nachwuchs

05.12.2013, 18:39 Uhr

Probleme?? Dies bei hochbezahlten, überqualifizierten Manager und Experten? Wieso sagt Siemens nicht im Klastext: Wir sind mit unserem Personal unfähig Probleme zu lösen! Dafür werden bei diesen Personen die Boni gestrichen und das Einkommen um 95% gesenkt, bis die Probleme von diesen hochqualifizierten Personen dauerhaft gelöst sind!

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