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10.01.2005

08:01 Uhr

Im pfälzischen Ludwigshafen wuchs ein Start-Up zum größten Chemiekonzern der Welt heran

Der Verbund hat die BASF groß gemacht

VonBolke Behrens (Handelsblatt)

Genau genommen müsste sich der Chemiegigant BASF eigentlich PASF nennen. Denn das Kürzel stand in der Ära, als man sich noch Zeit für lange Firmierungen nahm, für die „Badische Anilin- & Soda-Fabrik“.

LUDWIGSHAFEN. Doch die Fabrik, die noch immer Zentrum des Konzerns ist, steht in Ludwigshafen. Und das liegt nun mal in der Pfalz - gegenüber vom badischen Mannheim, getrennt durch den Rhein.

Den irreführenden Namen verdankt die BASF einer frühen standortpolitischen Fehlentscheidung der Bürokratie. Denn der Mannheimer Kaufmann Friedrich Engelhorn, der 1865 das Unternehmen zur Produktion von Teerfarbstoffen und Vorprodukten gründete, wollte eigentlich rechts des Rheins im Großherzogtum Baden bleiben - fand hier jedoch keine Gegenliebe für das im wahrsten Wortsinne etwas anrüchige Projekt.

So ging Engelhorn eben nach drüben in die Pfalz, die zum Königreich Bayern gehörte. Und das war schon damals um Innovation und Gewerbeansiedlung bemüht, vor allem im jungen Ludwigshafen, ehedem als „Rheinschanze“ nur ein befestigter Vorort der alten Residenzstadt Mannheim.

Das Start-up wuchs schnell und ist gemessen am Umsatz zum weltweit größten Chemiekonzern geworden. Dabie hat es aus der Not eine Tugend gemacht: Weil sie zu klein im hochgelobten Pharmabereich war, beschränkte sich die BASF auf ihre Stammgeschäftsfelder und baute sie konsequent aus. Das Schlüsselwort des Konzerns, ebenso wie seiner Stammfabrik, heißt dabei „Verbund“.

Man kann in Ludwigshafen stundenlang an den Schlagadern des Verbundes entlangwandern und den Stoff-Wechsel verfolgen: Wie aus dem Rohmaterial Zwischenprodukte gewonnen werden und Endprodukte entstehen. Nichts soll verloren gehen in der Wertschöpfungskette von Grundchemikalien bis zu hochveredelten Produkten wie Lacken und Pflanzenschutzmitteln: Die Nebenprodukte einer Linie dienen der anderen als Rohprodukte, Abhitze wird in Dampf verwandelt.

So werden Ressourcen optimal genutzt, Emissionen und Abfälle reduziert. Immer wieder wird betont, der kostensparende Logistik- und Energieverbund benötige nur kurze Wege. Von wegen: Rund 2000 Kilometer lang sind die Rohrleitungen im BASF- Stammwerk.

Die Dimensionen sind gewaltig. Zweitausend Gebäude stehen auf rund sieben Quadratkilometer Fläche zwischen der Stadt und dem Rhein. „Am feierlichsten Fluss Deutschlands, mitten zwischen Speyer und Worms, mitten im Nibelungenlied gleichsam, doch direkt gegenüber der Jesuitenkirche, Schillers Hof- und Nationaltheater und dem Schloss in Mannheim“, wie der in Ludwigshafen geborene Philosoph Ernst Bloch die Werks-Topographie beschreibt und fortfährt: „Selten hat man die Wirklichkeiten und die Ideale des Industriezeitalters so nahe beisammen wie hier: das größte Schloss und die größte Fabrik Deutschlands.“

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