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23.11.2011

12:11 Uhr

Imagekampagne

Reebok setzt auf Fitness im Armee-Stil

VonAstrid Dörner, Joachim Hofer

Die Adidas-Tochter Reebok will zum "Fitness-Imperium" werden. Eine Imagekampagne und der martialisch angehauchte Trend "Cross-Fit" sollen dem krisengeschüttelten Sportartikelhersteller dabei helfen.

Mit einer riesigen 3-D-Malerei wirbt Reebok in London für die neue Sportmode. dapd

Mit einer riesigen 3-D-Malerei wirbt Reebok in London für die neue Sportmode.

Canton / München„Kommt Leute, nur noch 40 Sekunden!“ Die zierliche Frau mit den leuchtend gelben Kniestrümpfen brüllt die gut 20 schwitzenden Menschen an. Sie kommen mit letzter Kraft aus der alten Lieferhalle gejoggt. "Jetzt nicht vorher schlappmachen!" Gleich ist die Tortur vorbei, doch die Trainerin stellt sicher, dass jeder bis zuletzt alles gibt.

Was aussieht wie eine gnadenlose Trainingsstunde im Sportverein ist die Mittagspause in der Firmenzentrale von Reebok, 30 Kilometer südlich von Boston im US-Bundesstaat Massachusetts. Es sind die letzten 40 Sekunden einer Stunde "Cross-Fit", einem neuen Fitness-Trend aus den USA, der seine Wurzeln im Training von Soldaten, Polizisten und Feuerwehrmännern hat: Joggen, Klimmzüge, Liegestütze, Gewichte stemmen. Eine ganze Reihe von Übungen wird jedes Mal neu zusammengestellt und in einer Art Zirkeltraining mehrmals wiederholt. Doch das harte Training ist nicht nur eine beliebige Methode für Reeboks Mitarbeiter, um fit zu bleiben.

Neue Konzepte

Umsatz

2010 setzte Reebok zwei Milliarden Euro um – das entspricht 16 Prozent der Konzernerlöse. Die Adidas-Tochter hat sich mit drei Schuh-Konzepten einen Namen gemacht.

Ree-Tone

Der sogenannt Toning-Schuh soll dafür sorgen, dass bestimmte Muskelgruppen in den Beinen und am Po stärker beansprucht werden. Reebok hat die Schuhe sehr erfolgreich vermarktet. Ein Streit mit der US-Handelsbehörde sorgte allerdings für Kratzer am Image.

Ree-Zig

Die Schuhe mit der gezackten Sohle sollen die Beanspruchung der wichtigsten Beinmuskeln reduzieren.

Real-Flex

Ein besonders leichter und flexibler Lauf-Schuh, fast so, als würde man barfuß joggen.


Cross-Fit ist die große Hoffnung für den krisengeschüttelten Sportartikelhersteller, der 2006 für 3,8 Milliarden Dollar von Adidas übernommen wurde. Nach Jahren der Restrukturierung macht sich Reebok nun bereit für den nächsten Schritt: Anfang 2012 startet die Adidas-Tochter eine der teuersten Imagekampagnen der jüngeren Firmengeschichte. In Fernsehspots, Zeitschriften, auf großen Postern und im Internet will Reebok seinen Ruf in der Fitness-Gemeinde aufpolieren und das alte, angestaubte Image einer profillosen Billigmarke endgültig hinter sich lassen. Wie viel Geld das Unternehmen dafür in die Hand nimmt, will Reebok-Chef Uli Becker nicht verraten. Fest steht jedoch: Es ist eine der größten Marketingkampagnen der vergangenen zehn Jahre. Und Cross-Fit soll dabei eine zentrale Rolle spielen.

"Cross-Fit ist die am schnellsten wachsende Fitness-Bewegung in den USA", schwärmt Becker, der fast jeden Tag mit seinen Mitarbeitern zum Training geht. Der sportliche Mann mit der blonden Mähne ist vor drei Jahren angetreten, um den Turnaround von Reebok anzuführen. Erste Erfolge sind ihm geglückt: Reebok hat in den USA erfolgreich drei neue Schuhkonzepte eingeführt, die Margen trotz steigender Rohstoffpreise erhöht und den Marktanteil in den USA in zwei Jahren mehr als verdoppelt - auf derzeit 5,5 Prozent.

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