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11.04.2006

08:44 Uhr

Immer noch Verluste

GM-Chef gewinnt Zeit

VonJosef Hofmann und Carsten Herz

Der hart kritisierte Chef des angeschlagenen US-Autobauers General Motors hat im Verwaltungsrat seines Unternehmens die Vertrauensfrage gestellt. Erfolgreich, wie sich herausstellte: Der Verwaltungsrat stellt sich hinter Steve Wagoner.

FRANKFURT. Wie die US-Fachzeitschrift „Automotive News“ gestern berichtete, hat Steve Wagoner in der vergangenen Woche dem Aufsichtsgremium seinen Rücktritt angeboten. Dieser wurde aber nicht angenommen. Die monatelange Diskussion um eine Ablösung des GM-Chefs ist damit erst einmal vom Tisch.

Wagoner stand zuletzt massiv in der Kritik, nachdem der Konzern vor wenigen Wochen seine Verlustzahlen für das abgelaufene Jahr wegen Bilanzfehlern zur allgemeinen Überraschung rückwirkend um zwei Mrd. Dollar auf 10,6 Mrd. Dollar aufstocken musste.

Diese Panne fiel vor dem Hintergrund der allgemeinen Krise, in der GM steckt, besonders ins Gewicht: Dem Autobauer machen vor allem die starke Konkurrenz, die Rabattschlacht auf dem US-Markt und die hohen Benzinpreise zu schaffen. Ende November hatte GM angekündigt, wegen hoher Überkapazitäten und massiver Absatzprobleme den Sparkurs zu verschärfen und binnen drei Jahren 30 000 Stellen vor allem in Nordamerika zu streichen.

Akute Gefahr droht GM außerdem seitens seiner erst 1999 aus dem Konzern herausgelösten Tochter Delphi, die immer noch sein wichtigster Zulieferer ist. Die insolvente Firma hatte Anfang April nach ergebnislosen Gesprächen mit der Gewerkschaft beim Insolvenzrichter die Ungültigerklärung aller sie betreffenden Tarifverträge in den USA beantragt. Sollte dem stattgegeben werden, droht wiederum die zuständige Autobauergewerkschaft UAW mit einem langen Arbeitskampf.

GM hatte in seinem Jahresbericht als Risiken für 2006 bereits „Streiks oder Arbeitsniederlegungen“ bei seinem Hauptlieferanten Delphi genannt. Um das Streikrisiko zu verkleinern, hatte sich der Autobauer erst Ende März mit der UAW und Delphi darauf geeinigt, 5 000 Delphi-Mitarbeiter zu übernehmen und an 13 000 von ihnen Abfindungen für die Aufgabe ihrer Arbeitsplätze zu zahlen.

Rick Wagoner räumte zwar in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS ein, dass ein langer Arbeitskampf auch GM „kaputt machen“ könnte, sieht aber gute Chancen für die Verhandlungen zwischen der UAW und Delphi-Chef Steve Miller: „Es wäre für alle beschämend, wenn wir keine Lösung fänden, die drastische Maßnahmen verhindert.“

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