Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.09.2015

10:44 Uhr

Immuntherapie

Wettlauf um die Krebs-Revolution

VonSiegfried Hofmann

In Wien treffen sich ab heute die europäischen Krebsforscher. Top-Thema sind die revolutionären neuen Immuntherapien. Fast alle großen Pharmafirmen liefern sich in diesem Bereich ein hartes Rennen.  

Das Rennen der Pharmakonzerne um die neuesten Therapien geht weiter. Reuters

Krebsforschung

Das Rennen der Pharmakonzerne um die neuesten Therapien geht weiter.

FrankfurtDie Immunabwehr gegen Krebs zu aktivieren – noch vor fünf Jahren galt die Idee  in der Pharmabranche als Sackgasse, in der fast alle Forschungsprojekte zum scheitern verurteilt sind. Doch seither  hat sich das Bild radikal gewandelt. Die Immuntherapie ist innerhalb weniger Jahre zum heißesten Forschungsfeld im Pharmasektor geworden. Mediziner und Analysten sind inzwischen fest überzeugt, dass das Konzept die Krebsbehandlung revolutioniert. Branchenvertreter wie Roche-Chef Severin Schwan sprechen von einem „Paradigmenwandel.“

Auch auf der diesjährigen Konferenz der europäischen Krebsforschungs-Gesellschaft EMSO werden neue Daten aus der Immuntherapie im Zentrum stehen.

Medikamente werden knapp: „Es wird ein dramatischer Engpass kommen“

Medikamente werden knapp

Premium „Es wird ein dramatischer Engpass kommen“

Wenn Krebsmedikamente knapp werden, hat das für Patienten dramatische Folgen. Karl Broich, Chef des Bundesinstituts für Arzneimittel, spricht über die zunehmenden Lieferausfälle in Deutschland und Pläne für den Notfall.

Der Wettlauf in der Forschung hat sich im laufenden Jahr weiter intensiviert. Alleine in den vergangenen drei Monaten  besiegelten Pharma- und Biotechfirmen Dutzende an neuen Allianzen, um ihre Position auf dem Gebiet zu stärken oder überhaupt erst einmal Fuß zu fassen. Wie stark der Drang in die Immuntherapie ist, zeigt etwa die mehr als zwei Milliarden Dollar schwere Kooperation, die der französische Pharmariese Sanofi vor kurzem mit der US-Firma Regeneron vereinbarte. Sanofi war in der Immun-Onkologie bisher kaum vertreten. Auf ähnliche Weise kaufte sich der US-Konzern Johnson & Johnson jüngst über einen Deal mit der schwedischen Firma Alligator in das Forschungsgebiet ein.

Insgesamt wurden seit Jahresbeginn Partnerschaften und Zukäufe mit einem potenziellen Volumen von mehr als 12 Milliarden Dollar (inklusive erfolgsabhängiger Zahlungen) besiegelt. Hinzu kommen zahllose Partnerschaften, deren finanzielle Konditionen nicht publiziert wurden. Fast alle großen Pharmakonzerne sind inzwischen auf dem Feld aktiv.

Die Immunonkologie zielt darauf, Krebs zu bekämpfen, indem man Tumorzellen ihre Schutzmechanismen gegenüber der körpereigenen Immunabwehr entzieht. Dazu entwickeln Pharmafirmen zum einen spezielle Moleküle, so genannte Checkpoint-Inhibitoren, die chemische Abwehrsignale von Krebszellen gegenüber Immunzellen unterbinden. Zum anderen arbeiten sie Wirkstoffen, die Immunzellen helfen Tumorzellen aufzuspüren.

Das Konzept sorgt für Furore, seit erste Substanzen vor vier Jahren überraschend starke  Wirkung gegen Hautkrebs zeigten. Mediziner und Pharmaforscher hoffen nun, eine ganz neue Klasse von Medikamenten zu entwickeln, die einen deutlichen Fortschritt in der Krebstherapie bringen könnten, vor allem in Kombination mit etablierten Krebsarzneien, etwa den Chemotherapien. Mehr  als  ein Dutzend Immuntherapie-Wirkstoffe  dürften sich  inzwischen in klinischen Tests befinden, drei sind bereits auf dem Markt.

Eine deutliche Führungsposition hält dabei bisher der US-Konzern Bristol-Myers Squibb (BMS), der 2011 die Zulassung für den ersten Checkpoint-Inhibitor erhielt, und damit letztlich den Boom initierte. Das Hautkrebsmittel Yervoy erzielte 2014 rund 1,3 Milliarden Dollar Umsatz, und wird in Kombination mit anderen Substanzen in zahlreichen weiteren Krebsarten getestet. Noch größeres Potenzial trauen Analysten einem zweiten Produkt von BMS, dem Wirkstoff Opdivo, zu, der inzwischen gegen Haut- und Lungenkrebs zugelassen ist. Nummer zwei auf dem Gebiet ist aktuell der US-Konzern Merck & Co mit seinem seit Herbst 2014  zugelassenen Medikament Keytruda.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×