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02.02.2005

11:12 Uhr

In Neukölln verschwinden 280 Arbeitsplätze

Berliner Kindl stirbt auf Raten

Bekanntlich sei das wässrige Budweiser aus Amerika „das schlechteste Bier der Welt“, wetterte neulich der bayerische SPD-Landtagsabgeordnete Franz Maget gegen den Gerstensaft des Fußball-WM-Sponsors Anheuser-Busch, „schlechter als jedes deutsche Bier“.

Ein Journalist aus der Gesprächsrunde hakte nach: Ob dies etwa auch Berliner Kindl einschließe, wollte er wissen. Ohrenzeugen der Pressekonferenz wollen gehört haben, wie Maget antwortete: „Sogar Berliner Kindl,“ Nicht nur das Image der 133 Jahre alten Traditionsbrauerei sackte in den vergangenen Jahren tief in den Keller, schneller noch sackten die Verkaufszahlen. Braute Kindl 2001 noch 1,12 Mill. Hektoliter, waren es 2002 nur 990 000. Ein Jahr später sank der Ausstoß auf 700 000 Hektoliter.

Zuvor hatte der Kindl-Eigentümer Oetker bereits vorsorglich die in der DDR verstaatlichte und 1990 zurückgekaufte Potsdamer Braustätte geschlossen und noch einmal 18 Mill. Euro in das Neuköllner Werk gesteckt.

Eine Fehlinvestition, wie sich am Dienstag herausstellte. Die gesamte Brauerei, um die ab 1872 der Berliner Stadtteil Rixdorf – der Vorläufer des 1912 gegründeten Stadtbezirks Neukölln – entstand, wird jetzt geschlossen und ausgeschlachtet. Nach und nach sollen die Sudpfannen und Abfüllanlagen demontiert und zu Schwesterfirmen wie Schultheiss oder die Rostocker Brauerei verfrachtet werden. Verkauft wird der Betrieb nicht – keinem Konkurrenten soll nur die kleinste Schraube in die Hände fallen. Mit der Schließung verschwinden in Neukölln 280 Arbeitsplätze.

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