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09.01.2010

10:05 Uhr

Indien Motor Show

Luxusautos und die bittere Armut

VonHelmut Hauschild

Die Auto Expo in Neu Delhi, Indiens größte und wichtigste Messe, ist ein Spiegelbild der krassen Gegensätze des Gandhi-Landes. Sie vermittelt die Aufbruchstimmung in der Automobilbranche, die sich gerade einen festen Platz in der Weltliga erkämpft. Aber sie zeigt auch schonungslos die bedrückende Armut.

Glanz in der Halle, Elend vor der Tür: Die Auto Expo in Delhi zwischen Aufbruch und Armut. Reuters

Glanz in der Halle, Elend vor der Tür: Die Auto Expo in Delhi zwischen Aufbruch und Armut.

NEU DELHI. Wenn Pranab Yadav, 23, von einem besseren Leben träumt, dann sieht er sich am Steuer eines eigenen kleinen Autos. So wie er es bei den Besuchern der Auto Expo in Delhi beobachtet, die im Scheinwerferlicht der Ausstellungshallen in den funkelnden Messeneuheiten Probe sitzen.

Zuhause, in Pranabs bitterarmem Dorf im Bundesstaat Uttar Pradesh, gibt es keine Autos. Es gebe noch nicht einmal eine richtige Straße, erzählt der Sohn eines einfachen Landarbeiters. Nur staubige Wege, die sich während des Monsuns in Schlammlöcher verwandeln. Die Welt der durchgestylten Messestände und Videoclips von Maruti Suzuki, Mercedes und Co., sie ist von seinem Dorf so fern wie der Mond. Doch für ein paar Tage scheint sie ihm trotzdem ganz nah.

Auf der Auto Expo, früh morgens bevor die Tore öffnen, fegt Pranab den Staub von den roten Teppichen vor den Ausstellungshallen. Mit dem zerschlissenen Tuch, das er sich zum Schutz vor der Kälte um den Kopf gewickelt hat, sieht er aus wie ein Bettler. Er ist nach Delhi gekommen, weil es hier in der Metropole Arbeit gibt für Tagelöhner wie ihn. Er träumt seinen Traum. Auch wenn er weiß, so sagt er, dass der Wohlstand dieser fremden Welt für seinesgleichen unerreichbar ist.

Während Bollywood-Superstar Shah Rukh Khan in Halle Sieben das umweltfreundliche Elektroauto von Hyundai vorstellt und bei Honda leicht bekleidete Schönheiten im Blitzlichtgewitter um das neueste „Concept Car“ tanzen, sammeln zerlumpte Straßenkinder den Müll auf den Grünflächen des Messegeländes ein. Geschäftsleute im dunklen Anzug hasten an ärmlich gekleideten, erschöpften Arbeitern vorbei, die im Schatten der Gebäude auf dem nackten Boden schlafen. „So etwas habe ich noch nicht gesehen“, sagt ein deutscher Automanager. In der Stimme schwingt Entsetzen mit.

Sie kommen trotzdem. Das Who is Who der internationalen Autowelt drängt sich auf dem heruntergekommenen Messeareal Pragati Maidan, das dem Ansturm der Aussteller kaum noch gewachsen ist. 2 100 Teilnehmer aus 30 Ländern haben die Veranstalter gezählt, bis Montag erwarten sie mehr als zwei Millionen Besucher. Jeder will dabei sein, denn Indien gilt in der Branche trotz der allgegenwärtigen Armut als das nächste große Ding. Nur sieben von 1 000 Indern besitzen ein Auto. Aber immer mehr können sich eins leisten. Die Wirtschaft brummt, die Mittelschicht wächst, der eigene Wagen ist in der aufstiegsorientierten indischen Gesellschaft ein Statussymbol.

Experten erwarten deshalb, dass sich die Verkaufszahlen in den nächsten fünf Jahren nahezu verdoppeln. Von Fiat bis VW gibt es keinen Massenhersteller, der nicht längst an einem Kleinwagen eigens für den indischen Markt arbeitet. Pranabs Traum ist der krisengeschüttelten Branche ein Hoffnungsträger. Irgendwann, glauben die Konzernstrategen, werden auch Hunderte Millionen Inder ein Auto fahren. Wie man diesem Ziel näher kommt, hat ihnen Indiens Vorzeigeunternehmer Ratan Tata mit dem Billigwinzling Nano für 1 700 Euro vorgemacht.

Auch Pranab hofft. Am letzten Messetag, wenn alles vorbei ist, will er sich in eines der schicken neuen Autos setzen. Wenigstens einmal spüren, wie er sich anfühlt, sein Traum.

Kommentare (1)

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Jaci

12.01.2010, 19:26 Uhr

Es gibt reiche Leute überal auf dieser Erde, nicht nur in Deutschland. indien ist ein Entwicklungsland das auf Erfolgskurs ist und dabei ist eine der erste Plätze bei die " Größen " zu belegen. Wann Deutschland so viele milliarden Menschen regieren würde, da waren auch nur noch bittere Armut. Hier sind auch schon um die millionen bitter arm.

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