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19.01.2007

10:02 Uhr

Indischer Pharmakonzern will schon Anfang Februar in die Bücher der Generika-Sparte schauen

Ranbaxy prescht bei Merck vor

VonAnna Sleegers

Für den Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA läuft es rund. Kaum hatte der Konzern am Donnerstag das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte bekannt gegeben, drückte am anderen Ende der Welt ein Interessent für die zum Verkauf stehende Sparte mit Nachahmerpräparaten (Generika) aufs Tempo. Malvinder Singh, Chef des indischen Pharmakonzerns Ranbaxy, will Anfang Februar mit der Prüfung der Bücher (Due Diligence) beginnen.

FRANKFURT. Ranbaxy ist nur etwa halb so groß wie das zum Verkauf stehende Geschäft. Die Inder werden den Kauf daher kaum ohne Unterstützung eines Finanzinvestors stemmen können. Deren Interesse an der vor allem in Frankreich, Skandinavien und Australien tätigen Sparte ist nach Informationen aus Finanzkreisen hoch. Eher unwahrscheinlich ist, dass Novartis ein Gebot abgibt, auch wenn Daniel Vasella die Möglichkeit gestern nicht gänzlich ausschloss (siehe „Novartis profitiert von neuen Arzneien“). Das Geschäft mit Generika boomt, weil die Versicherungssysteme in den Industrieländern unter Kostendruck stehen und derzeit eine Vielzahl von Medikamenten ihren Patentschutz verlieren.

Gleichzeitig stehen die Hersteller aber auch unter permanentem Kostendruck, weil der niedrige Preis das relevante Verkaufsargument für ihre Produkte ist. Große Hersteller sind dank hoher Stückzahlen in diesem Massengeschäft klar im Vorteil, weshalb seit Monaten eine Übernahmewelle durch die Branche rollt. Merck-Chef Michael Römer konstatierte vor einigen Tagen, dass erhebliche Investitionen nötig seien, um das Potenzial der Sparte voll zu nutzen. Da der Konzern sich aber gerade mit dem Kauf der Schweizer Biotech-Firma Serono auf dem Feld der patentgeschützten Präparate verstärkt hat und gleichzeitig mit dem Verkauf von Generikafirmen enorm hohe Preise erzielt werden können, favorisiert der Merck-Chef einen Verkauf.

Im 4. Quartal trug die Generika-Sparte deutlich zur Gewinnsteigerung bei Merck bei. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, konnte die Generika-Sparte den operativen Gewinn auf 94 Mill. Euro mehr als verdoppeln. Der Umsatz stieg den Angaben zufolge um gut neun Prozent auf 479 Mill. Euro und hielt damit mit dem des Konzerns Schritt.

Flüssigkristallgeschäft boomt

Deutlich überdurchschnittlich wuchs das Geschäft mit Flüssigkristallen, das um 20 Prozent anzog. Auf dem Markt für hochwertige Flachbildschirme habe die Nachfrage nach zwei schwächeren Quartalen zuletzt wieder angezogen. Auch das Geschäft mit patentgeschützten Medikamenten verzeichnete hohe Zuwächse, was Merck vor allem auf das Krebsmedikament Erbitux zurückführte.

Unter dem Strich verzeichnete der Merck-Konzern im Geschäftsjahr einen Umsatzanstieg von neun Prozent auf knapp 6,3 Mrd. Euro. Der Nettogewinn stieg nach vorläufigen Angaben um fast 50 Prozent auf rund eine Mrd Euro. Finanzchef Michael Becker bekräftigte, dass der Umsatz 2007 einstellig, der operative Gewinn zweistellig wachsen solle. Auch der Cash-Flow soll trotz der Zinsbelastung durch die Serono-Übernahme positiv sein.

Analysten hatten mit einem schwächeren Verlauf des vierten Quartals gerechnet und zeigten sich positiv überrascht. Mehrere Banken, darunter die West/LB, Merck Finck und die Hypo-Vereinsbank, bekräftigten ihre Kaufempfehlung.

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