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23.01.2009

22:15 Uhr

Indischer Skandalkonzern

Satyam Computer Services erfindet Mitarbeiter

VonHelmut Hauschild

Der Bilanzskandal um Indiens viertgrößten IT-Dienstleister Satyam Computer Services weitet sich noch mehr aus. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat Satyam Gründer Ramalinga Raju dem Unternehmen in großem Stil Geld entzogen, indem die Zahl der Beschäftigten deutlich übertrieben wurde. Demnach gab es 12 000 Arbeitsplätze nur virtuell in den Büchern.

Da hilft auch keine Fassadenreinigung mehr: Der indische IT-Dienstleister Satyam wird mehr und mehr zum Skandalkonzern. Foto: reuters Reuters

Da hilft auch keine Fassadenreinigung mehr: Der indische IT-Dienstleister Satyam wird mehr und mehr zum Skandalkonzern. Foto: reuters

NEU-DELHI. Zudem sollen Bankbelege über die Guthaben von Satyam gefälscht worden sein. Der Vorwurf des Staatsanwalts entlastet die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse, die den Bilanzbetrug jahrelang nicht bemerkt und die Satyam-Abschlüsse testiert hatte.

Der Gründer und ehemalige Chef von Satyam, Raju, sitzt seit zwei Wochen im Gefängnis, nach dem er gestanden hatte, die Barreserven des IT-Dienstleisters um mehr als eine Mrd. Dollar aufgeblasen zu haben. Das in Hyderabad ansässige Unternehmen leidet unter einer akuten Liquiditätskrise und kämpft seit Rajus Geständnis ums Überleben. Zu seinen Kunden gehören Großkonzerne weltweit. Auch für die Fußball-WM 2010 in Südafrika soll Satyam die Computersysteme managen. Seit Beginn des Skandals hat Satyam bereits mehrere wichtige Kunden verloren.

Bei einer Anhörung über die Fortsetzung der Haft Rajus vor einem Gericht in Hyderabad sagte der zuständige Staatsanwalt K. Ajay Kumar, der IT-Dienstleister habe nur 40 000 statt der bisher behaupteten 53 000 Mitarbeiter. Die überhöhte Zahl sei genutzt worden, um Satyam unbemerkt Geld zu entziehen. Rajus Anwalt wies den Vorwurf zurück.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft beträgt die Summe der fiktiven Bankguthaben 672 Mio. Dollar. Die US-Börsenaufsicht SEC hat mittlerweile ebenfalls Ermittlungen gegen Satyam wegen des Verdachts der Täuschung von Investoren aufgenommen. Satyam ist auch in New York gelistet.

Laut Medienberichten soll der indische Baukonzern Larsen & Toubro (L&T) an einer Übernahme Satyams interessiert sein. Von L&T wurde dies nicht bestätigt.

Der von der indischen Regierung eingesetzte neue Verwaltungsrat von Satyam teilte mit, er wolle keine staatliche Finanzhilfe beantragen. Seit knapp zwei Wochen sucht der Verwaltungsrat einen neuen Chef für Satyam.

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