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08.10.2015

10:30 Uhr

Industrie 4.0

Fitness-Check für die Industrie

VonRegine Palm

Sind Sie Neuling, Einsteiger oder gar Pionier? Sind Sie fit für Industrie 4.0? Per Online-Selbst-Check können Unternehmen nun selbst testen, wo sie stehen und wo sie noch besonders viel Nachholbedarf haben.

Unternehmen prüfen selbst, wie weit sie reale und virtuelle Welt bereits miteinander verknüpfen können. Imago

Fit für Industrie 4.0?

Unternehmen prüfen selbst, wie weit sie reale und virtuelle Welt bereits miteinander verknüpfen können.

DüsseldorfWeil sich Geräte und Maschinen vom Lieferanten bis hin zum Kunden eng miteinander vernetzen lassen, ergeben sich für Unternehmen große Chancen. Dennoch beschäftigen sich nach Einschätzung des Branchenverbands VDMA nur 60 Prozent der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer mit einer vernetzten Produktion (Industrie 4.0).

Das seien aber immer noch doppelt so viele wie im Verarbeitenden Gewerbe. Neun von zehn Maschinenbauunternehmen sehen demnach sogar große Chancen, sich mit der Verschmelzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien und ihren klassischen industriellen Prozessen am Markt zu differenzieren. Dies hat die soeben vorgelegte Studie „Industrie 4.0-Readiness“ ergeben, die gemeinsam von IW Consult, dem Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) und der Impuls-Stiftung des VDMA erstellt wurde.

Industrie 4.0

Die vierte industrielle Revolution

So mancher sieht die Vernetzung der Fabrik als vierte industrielle Revolution – nach der Mechanisierung mit Wasserkraft und Dampfmaschinen, arbeitsteiliger Massenproduktion auf Fließbändern und Einführung von Elektronik und IT.

Unterschiedliche Begriffe

Für die Vernetzung der Produktionsanlagen wird häufig der Begriff Industrie 4.0 verwendet – die Hannover Messe machte den Begriff vor einigen Jahren populär. Fachleute sprechen auch von cyberphysischen Systemen, in denen also physische und virtuelle Welt sich vermischen. Wenn Gegenstände vernetzt werden, ist auch vom Internet der Dinge die Rede – das gilt nicht nur für Fabriken, sondern auch für Autos oder Häuser.

Industrie kauft immer mehr IT

Weil industrielle Fertigung und IT immer stärker zusammenwachsen, wird die Industrie zu einem wichtigen Kunden für die IT-Branche: Sie trägt inzwischen rund ein Fünftel zum Umsatz bei, wie der Branchenverband Bitkom mitteilt. Da verwundert es nicht, dass die Organisation auf der Industriemesse präsent ist.

Gefördert von der Bundesregierung

Auch die Politik bemisst dem Thema große Bedeutung bei, die Bundesregierung betrachtet Industrie 4.0 in seiner Hightech-Strategie als „Zukunftsprojekt“. Gut für Wirtschaft und Wissenschaft: Das beinhaltet ein Fördervolumen von 200 Millionen Euro.

Viele offene Fragen

Der Durchbruch der Industrie-4.0-Technologie steht indes noch aus. Nicht zuletzt, weil viele Fragen offen sind. Welche Standards gelten? Welche Kommunikationsnetze werden dafür benötigt? Wie ist es um die Sicherheit der Anlagen bestellt?

Manfred Wittenstein von der Impuls-Stiftung sieht die Maschinenbauer in Bezug auf Industrie 4.0 auf einem gutem Weg: „Einige sind schon sehr weit, andere zögern aber noch und sind unsicher.“ Diesen Unternehmen soll die Studie und das darin enthaltene „Readiness-Modell“ Orientierung und Unterstützung bieten.

Der Erhebung zufolge zählt mit 5,6 Prozent nur ein relativ kleiner Anteil der Unternehmen zu den Pionieren, die die Verzahnung von realer und virtueller Welt bereits umsetzen. Knapp ein Fünftel der Unternehmen seien immerhin schon im Status der Einsteiger, die also erste Maßnahmen zur Realisierung treffen. Gut drei Viertel der Firmen hätten allerdings bisher noch keine systematischen Schritte zur Umsetzung einer vernetzten Produktion unternommen und zählten damit zu den Neulingen.

Ob das eigene Unternehmen noch Neuling, Einsteiger oder Pionier ist, kann ab dem 14. Oktober mit dem „Online-Selbst-Check“ unter www.industrie40-readiness.de selbst geprüft werden. Dieser zeige dem Unternehmen aber auch, „was es konkret tun kann, um die nächste Stufe im Reifegrad zu erreichen“, unterstreicht Karl Lichtblau, Geschäftsführer von IW Consult.

Wie weit Unternehmen bei der Realisierung wirklich sind, ist der Untersuchung zufolge auch größenabhängig. Große Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus seien mit der Einführung von Industrie 4.0 schon weiter fortgeschritten als kleine und mittelständische Firmen. Doch immer mehr Gesellschaften erschließe sich der wirtschaftliche Nutzen, wenn sie sich aktiv mit Themen wie datenbasierten Dienstleistungen oder vernetzten Produkte beschäftigen.

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Das größte Hindernis, um die Zurückhaltung aufzugeben und das Thema tatsächlich voranzutreiben, sei indes die fehlende Finanzkraft. „Damit liegt die Finanzierungsfrage als Hemmnis bei Pionieren über den Forderungen nach einheitlichen Standards, der IT-Security oder der Klärung von Rechtsfragen“, heißt es in der Studie.

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