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26.04.2015

21:09 Uhr

Industrie 4.0

Trumpf erwägt App-Store für Industrie-Software

Wenn Maschinen vernetzt werden, braucht es Software. Die könnte wie bei Apps für Smartphones über eine Plattform angeboten werden, schlägt Trumpf-Vizechef Leibinger vor – und bringt seine Firma in Position.

Die Digitalisierung sei existenziell für die Branche, betonte Leibinger. dpa

Trumpf-Vize-Chef Peter Leibinger

Die Digitalisierung sei existenziell für die Branche, betonte Leibinger.

DitzingenIm Zusammenhang mit der wachsenden Digitalisierung der Industrieproduktion denkt der Maschinenbauer Trumpf über eine Plattform für Software nach. „Es braucht Cloud-Plattformen, die sicher sind“, sagte Trumpfs Vize-Chef Peter Leibinger der Deutschen Presse-Agentur. Das will er nicht den IT-Konzernen überlassen. „Wir sehen darin eine Chance für Trumpf.“

Hinter dem Begriff Industrie 4.0 verbirgt sich die wachsende Digitalisierung der Produktion. Darunter versteht man Kommunikation zwischen Maschinen, aber auch den Einsatz von Robotern und Bauteilen, die Informationen zu ihrer Verarbeitung auf Chips bei sich tragen. Die Entwicklung macht den verstärkten Einsatz von Software und den Austausch von Daten auch in der Fertigung nötig.

Die Digitalisierung sei existenziell für die Branche, betonte Leibinger. „Wir werden keinesfalls zulassen, dass wir zum Hardware-Hersteller marginalisiert werden.“ Gleichzeitig habe Trumpf als führendes Unternehmen in der Fertigungstechnik auch eine Mitverantwortung in der deutschen Industrie. „Es ist die Frage, ob der „Winner-Takes-it-All“-Mechanismus aus der IT-Branche auch in diesem Fall greift. Wir wissen es einfach nicht.“

Software ist im Maschinenbau und der Produktion schon seit Jahren im Einsatz. Doch häufig handelt es sich um maßgeschneiderte Spezialanfertigung für einzelne Firmen. Ein Datenaustausch würde vieles erleichtern, sagte Leibinger. „Interessant wird es, wenn fabrikübergreifend gearbeitet werden kann.“

Industrie 4.0

Die vierte industrielle Revolution

So mancher sieht die Vernetzung der Fabrik als vierte industrielle Revolution – nach der Mechanisierung mit Wasserkraft und Dampfmaschinen, arbeitsteiliger Massenproduktion auf Fließbändern und Einführung von Elektronik und IT.

Unterschiedliche Begriffe

Für die Vernetzung der Produktionsanlagen wird häufig der Begriff Industrie 4.0 verwendet – die Hannover Messe machte den Begriff vor einigen Jahren populär. Fachleute sprechen auch von cyberphysischen Systemen, in denen also physische und virtuelle Welt sich vermischen. Wenn Gegenstände vernetzt werden, ist auch vom Internet der Dinge die Rede – das gilt nicht nur für Fabriken, sondern auch für Autos oder Häuser.

Industrie kauft immer mehr IT

Weil industrielle Fertigung und IT immer stärker zusammenwachsen, wird die Industrie zu einem wichtigen Kunden für die IT-Branche: Sie trägt inzwischen rund ein Fünftel zum Umsatz bei, wie der Branchenverband Bitkom mitteilt. Da verwundert es nicht, dass die Organisation auf der Industriemesse präsent ist.

Gefördert von der Bundesregierung

Auch die Politik bemisst dem Thema große Bedeutung bei, die Bundesregierung betrachtet Industrie 4.0 in seiner Hightech-Strategie als „Zukunftsprojekt“. Gut für Wirtschaft und Wissenschaft: Das beinhaltet ein Fördervolumen von 200 Millionen Euro.

Viele offene Fragen

Der Durchbruch der Industrie-4.0-Technologie steht indes noch aus. Nicht zuletzt, weil viele Fragen offen sind. Welche Standards gelten? Welche Kommunikationsnetze werden dafür benötigt? Wie ist es um die Sicherheit der Anlagen bestellt?

„Es gibt in der Blechfertigung sogenannte Schachtelwerkzeuge zur optimalen Anordnung von Teilen auf einer Blechtafel“, erklärte er. „Wir bieten solche Programme an. Aber wir können uns vorstellen, dass ein Marktplatz solcher Programme zu deutlichen Kundenvorteilen führt“, sagte Leibinger. „Wir können uns vorstellen, dass man eine offene Plattform benötigt, um neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen - zum Beispiel in Form von Apps.“

„Wir können uns vorstellen, so eine Art App-Store für die Blechfertigung aufzubauen“, sagte Leibinger weiter. Das sei weitaus komplizierter, als Smartphone-Apps anzubieten. „Wenn wir Dienste anbieten, die zu einem Crash in einer Maschine führen, kostet das deutlich mehr, als wenn eine App ein Smartphone zum Absturz bringt.“

Auf einen solchen Marktplatz dürften Hacker keinen Zugriff haben. „Zweitens muss ich sicher sein, dass mit meinen Daten nichts gemacht wird, was ich nicht weiß“, sagt Leibinger. Dieses Vertrauen werde Trumpf entgegengebracht, das habe die Einrichtung der firmeneigenen Bank gezeigt. Trumpf hat im vergangenen Jahr ein Institut gegründet, um Kunden die Finanzierung von Maschinen zu erleichtern.

Von

dpa

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