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13.06.2014

13:51 Uhr

Industriekonzern

Siemens hofft auf schnelle Alstom-Übernahme

„Basis unseres Projekts ist eine Allianz - nicht einfach eine Übernahme gegen Cash“: Siemens sieht sich im Übernahmepoker um den französischen Konzern Alstom im Vorteil. Auch GE will den Industriekonzern.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens AG, Gerhard Cromme: „Selbstverständlich, die Bundesregierung unterstützt uns.“ dpa

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens AG, Gerhard Cromme: „Selbstverständlich, die Bundesregierung unterstützt uns.“

ParisSiemens hat nach Einschätzung von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gute Karten im Übernahmepoker um den französischen Industriekonzern Alstom. „Basis unseres Projekts ist eine Allianz - nicht einfach eine Übernahme gegen Cash“, sagte der 71-Jährige der französischen Wirtschaftszeitung „Les Echos“ (Freitag). Er habe den Eindruck, dass die französische Politik sich davon angesprochen fühle. Ähnliches gilt laut Cromme für die deutsche Seite: „Selbstverständlich, die Bundesregierung unterstützt uns.“ Die zuständigen Stellen seien informiert, und diese sagten: „Macht es!“

Neben dem deutschen Unternehmen ist der US-Konzern General Electric (GE) an Alstom interessiert. Die Amerikaner hatten bereits Ende April ein konkretes Angebot über 12,35 Milliarden Euro für die Energietechnik-Sparte der Franzosen vorgelegt.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Daraufhin schaltete sich allerdings die Regierung in Paris ein und forderte, Siemens Zeit für eine Gegenofferte einzuräumen. Bis zum Montag soll bei den Münchnern entschieden sein, ob es ein konkretes Angebot gibt. Es wird erwartet, dass sie für den Fall einer positiven Entscheidung auch eine Lösung für die Bahntechnik-Sparte von Alstom vorschlagen.

Von

dpa

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