Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2009

13:04 Uhr

Industriepolitik

Russland plant gigantischen Stahl- und Bergbaukonzern

VonThomas Wiede

In Russland nehmen Pläne für den Aufbau eines großen Metall- und Bergbaukonzerns Form an, der in die Liga des Branchenführers BHP Billiton aufsteigen könnte. Kern soll der russische Metall- und Minenkonzern Norilsk Nickel werden. Der Kreml steht Pate.

Norilsk Nickel soll im Mittelpunkt des neuen Konzerns stehen. Foto: Reuters Reuters

Norilsk Nickel soll im Mittelpunkt des neuen Konzerns stehen. Foto: Reuters

MOSKAU. In Russland nehmen Pläne für den Aufbau eines großen Metall- und Bergbaukonzerns Form an, der in die Liga des Branchenführers BHP Billiton aufsteigen könnte. Kern des Konglomerats soll der russische Metall- und Minenkonzern Norilsk Nickel werden. Bereits in der vergangenen Woche hatte es Medienberichten zu Folge ein Treffen von Unternehmern mit Kremlchef Dmitrij Medwedjew gegeben.

Bereits seit Monaten steht die Frage einer Fusion von Norilsk mit dem Aluhersteller Rusal des angeschlagenen Oligarchen Oleg Deripaska und Metalloinvest von Alischer Usmanow im Raum. Die Pläne waren aber nicht vorangekommen. Erst die Finanzkrise brachte wieder Bewegung: Weil vor allem Deripaska und Potanin ihre Unternehmensbeteiligungen nur mit Hilfe von staatlichen Krediten halten konnten, hat die Regierung nun ein gewichtiges Wort mitzureden. Sie will nun offenbar einen großen Wurf.

Mit Alexander Woloschin hat jetzt ein ehemaliger Stabschef des derzeitigen Regierungschefs Wladimir Putin den Aufsichtsratsvorsitz bei Norilsk eingenommen. Deripaskas Aktienpaket am größten Bergbaukonzern des Landes von 25 Prozent dient der staatlichen VEB Bank zudem als Sicherheit für den Hilfskredit an den angeschlagenen Oligarchen. Eine Sprecherin von Potanin bestätigte gestern, Potanin und Deripaska strebten nun einen Zusammenschluss an, der weit über die bisherigen Pläne hinausgehe: Zu Norilsk sollen demnach Metalloinvest, der vom Oligarchen Roman Abramowitsch kontrollierte Stahlhersteller Evraz, der Dünger-Konzern Uralkali, der Titan-Produzent VSMPO-Avisma sowie den Stahlkocher Mechel stoßen. Rusal soll zunächst außen vor bleiben. Deripaskas Alu-Konzern steht mit 17 Mrd. Dollar so tief in der Kreide, dass der Schuldenberg dem neuen Unternehmen die Luft genommen hätte. "Rusal ist zur Zeit kein attraktiver Partner", bestätigte gestern Norilsk-CEO Wladimir Strschalkowskij. Wie es um Rusal steht, zeigt eine wichtige Personalentscheidung vom Wochenende: Haupteigentümer Deripaska übernimmt als CEO auch wieder die operative Führung eines der größten Aluhersteller der Welt. Analysten begrüßten den Schritt: So würden die Verhandlungen mit Kreditgebern vereinfacht.

Der angestrebte Firmenverbund würde den beteiligten Unternehmern vor allem in einem helfen: ihre Schulden abzubauen, denn der Staat könnte sich mit gut einem Viertel beteiligen. Die russische Regierung weist zwar weit von sich, sie wolle die Krise nutzen, um den Staatseinfluss auf die Wirtschaft zu stärken. Mit einem Paket von 25 Prozent bei Norilsk hätte sie aber bei allen wichtigen Entscheidungen ein Veto.

Beobachter bezweifeln, dass der Zusammenschluss wie geplant zu Stande kommt - vor allem wegen seiner Komplexität. Der neue Konzern hätte zwar den Vorteil, sehr breit aufgestellt zu sein, schreibt Marat Gabitow von Unicredit in Moskau. Doch strategisch ergänzten sich die Unternehmen nur schlecht. So sei Evraz bereits ein integrierter Stahlhersteller mit gut aufeinander abgestimmten Aktivitäten, Metalloinvest wiederum fehle die internationale Präsenz völlig, und von Mechel passe nur die Kohlesparte ins Konzept, meint der Analyst.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×