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17.10.2014

15:54 Uhr

Industrieriese

Volle Auftragsbücher bei General Electric

General Electric hat sich verglichen mit Rivalen wie Siemens als krisenresistenter erwiesen. Während die Europäer unter der Flaute in der Energietechnik leiden, freut sich der US-Konzern über volle Auftragsbücher.

Vor allem Kunden aus Schwellenländern und dem Heimatmarkt USA bestellen zunehmend bei General Electric AFP

Vor allem Kunden aus Schwellenländern und dem Heimatmarkt USA bestellen zunehmend bei General Electric

MünchenDer US-Industriekonzern General Electric (GE) trotzt der Furcht vor einer Konjunkturschwäche. Vor allem die prall gefüllten Auftragsbücher sorgen bei den Amerikanern für Entspannung. Im abgelaufenen Quartal stieg das Volumen der Neubestellungen binnen Jahresfrist um 22 Prozent, wie der Siemens -Rivale am Freitag mitteilte. Der Orderbestand umfasse nun 250 Milliarden Dollar.

Zudem hängt GE den europäischen Konkurrenten in Sachen Rendite immer weiter ab. Binnen Jahresfrist legte die operative Marge im Industriegeschäft um fast einen Prozentpunkt auf 16,3 Prozent zu. Der Umsatz kletterte um ein Prozent auf 36,2 Milliarden Dollar. Der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft stieg um sechs Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar.

Vorstandschef Jeff Immelt äußerte sich zufrieden. „GE hat sich im vergangenen Quartal gut geschlagen“, erklärte er. „Das Umfeld ist volatil, aber es gibt im Geschäft mit Infrastruktur weiter Wachstumschancen, und GE ist auf Kurs. Das gesunde Auftragswachstum und das Renditeplus spiegeln das wider.“ Sein Unternehmen sei auf bestem Wege, im Gesamtjahr eine Milliarde Dollar einzusparen.

Die französische Alstom werde bereits vom kommenden Jahr an nach der Freigabe der Übernahme durch die Kartellbehörden zum Gewinn des Branchenprimus beitragen, sagte Immelt voraus. GE hatte Siemens im Rennen um den französischen Elektrokonzern im Sommer ausgestochen.

GE erwies sich verglichen mit Rivalen wie Siemens, ABB oder Mitsubishi als krisenresistenter und einträglicher. Während die Europäer unter der Flaute in der Energietechnik leiden und häufig nur dank immer neuen Sparwellen ihre Gewinne halten oder steigern können, verbucht GE stetige Umsatzzuwächse. Für 2014 rechnet Immelt mit einem Einnahmenplus von an die sieben Prozent. Vor allem Kunden aus Schwellenländern und dem Heimatmarkt USA bestellen zunehmend bei GE. Man werde in einer unbeständigen Welt die Versprechen halten, erklärte Immelt. Unter Börsianern kamen die Zahlen und der Ausblick gut an. Vorbörslich legten die GE-Titel vier Prozent zu.

Was GE mit Alstom vorhat

Das GE-Gebot

Der US-Industriekonzern bewertet das Alstom-Energie- und Netzgeschäft mit 12,35 Milliarden Euro. Doch anders als ursprünglich geplant werden die gewünschten Teile nicht komplett bei General Electric landen – teilweise wird es auch Joint-Ventures geben.

Staatsbeteiligung

Die französische Regierung steigt parallel zum GE-Angebot bei Alstom ein. Der Staat übernimmt 20 Prozent, die zuvor dem Konzern Bouygues gehalten hat. Laut Vereinbarung kann Paris binnen 20 Monaten nach Abschluss der geplanten Operationen bis zu 20 Prozent der Alstom-Anteile von Bouygues oder am Markt erwerben. Kauft die Regierung direkt bei Bouygues, sind der Marktwert oder mindestens 35 Euro pro Aktie fällig. Gleichzeitig räumt Bouygues der Regierung bereits mit Abschluss der geplanten Kooperation 20 Prozent der Stimmrechte bei Alstom ein.

Was bei Alstom verbleibt

Zu 100 Prozent behält Alstom das Bahngeschäft. Die Sparte baut etwa Nahverkehrszüge, aber auch den Schnellzug TGV. Die Sparte macht jährlich 6,2 Milliarden Euro Umsatz und zählt 28.200 Mitarbeiter.

Es wird eine globale Kooperation im Vertrieb mit GE geben und einen gemeinsamen Einkauf. In einzelnen Ländern wird Alstom GE-Diesellokomotiven fertigen.

Das Gegengeschäft

Alstom übernimmt im Zuge der Transaktion das Geschäft mit Signaltechnik von General Electric und stärkt damit das Eisenbahngeschäft. Die Sparte erzielt jährlich einen Umsatz von 400 Millionen Euro und beschäftigt etwa 1200 Mitarbeiter.

Was komplett an GE geht

Die Amerikaner integrieren die – auch bei Siemens heiß begehrten – Gasturbinen, die in effizienten Kraftwerken zum Einsatz kommen.

Was GE in Joint-Venture einbringt

Mit der komplexen Transaktion entstehen drei Joint-Venture (jeweils 50% Alstom und 50% GE):
- Netztechnik (bestehend aus den Segmenten „Alstom Grid“ und „GE Digital Energy“)
- Erneuerbare (bestehend aus Wasserkraftwerktechnik und Offshore-Windkraft)
- Nukleartechnik (weltweit) und Dampfturbinen (Frankreich-Geschäft)

Analysten reagierten positiv, vor allem auf die Umsatzprognose. „Sie haben den Gewinn im Industriegeschäft hingebogen, der Umsatz war halt relativ schwach“, sagte Tim Griskey von Solaris Asset Management. „Der Aktienkurs spiegelt mehr die Prognose wider als das dritte Quartal.“

GE hat sich vorgenommen, seine Marge im Industriegeschäft bis 2016 auf 17 Prozent von 15,7 Prozent im vergangenen Jahr zu schrauben. Das sind Werte, von denen Siemens-Chef Joe Kaeser allenfalls träumen kann. Die Münchner sind schon glücklich, wenn sie es über zehn Prozent schaffen. GE habe indes gute Chancen, das Ziel zu erreichen, urteilte Fondsmanager Perry Adams von der Northwestern Bank.

Von

rtr

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