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10.01.2011

08:42 Uhr

Industriespionage

Renault gibt Entwarnung nach Geheimnisverrat

VonHolger Alich

Der Schaden durch die Spionageaffäre beim französischen Autobauer Renault ist nach Konzernangaben begrenzt. Drei Top-Manager werden beschuldigt Geheimnisse des ambitionierten Renault E-Autos verraten zu haben. Zwischenzeitlich hatte sich der französische Geheimdienst eingeschaltet. Die Spur führt nach China.

Konzept E-Auto: Drei Top-Manager haben offenbar Geheimnisse über das neue elektrische Auto von Renault an Konkurrenten verkauft. DAPD

Konzept E-Auto: Drei Top-Manager haben offenbar Geheimnisse über das neue elektrische Auto von Renault an Konkurrenten verkauft.

PARIS. Die Industriespionage-Affäre bei Renault hat nach Angaben des Managements nur begrenzte Auswirkungen auf den Konzern. Es seien keine strategisch wichtigen Informationen nach außen gedrungen, sagte Renaults Nummer zwei, Patrick Pelata, in einem Interview mit der Zeitung "Le Monde". So seien auch keine Details der 200 Patente, die der französische Autohersteller derzeit anmelden wolle, von der Attacke betroffen.

Die drei der Spionage verdächtigen Renault-Manager hätten dagegen Informationen über die Architektur der Elektroautos, ihre Kosten und ihr Geschäftsmodell an Dritte weitergereicht, sagte Pelata. Hinter der Affäre stehe "ein organisiertes System zur Sammlung wirtschaftlicher, technischer und strategischer Informationen, das Interessen im Ausland dienen soll". Wie es in Paris heißt, hat sich bereits Frankreichs Geheimdienst in die Affäre eingeschaltet. Die Spur führt offenbar nach China.

Vor einer Woche hatte Renault drei Top-Manager wegen des Verdachts der Industriespionage von der Arbeit suspendiert. Sie sollen versucht haben, die Geheimnisse von Renaults E-Auto-Programm zu stehlen. Vorangegangen waren vier Monate dauernde interne Ermittlungen, nachdem Ende August Renault-Mitarbeiter erste Verdachtsmomente gemeldet hatten.

Geld soll das Hauptmotiv für die Attacke gewesen sein. Die drei Verdächtigen hätten Geld über ein komplexes System ausländischer Briefkastengesellschaften bezogen. Ein französischer Autozulieferer habe dabei als Mittler zwischen den Renault-Managern und chinesischen Kontaktleuten gedient.

Pelata kündigte an, dass die drei Betroffenen bald entlassen werden sollen. Ferner will Renault Strafanzeige erstatten. Einer der Verdächtigen ist Mathieu Tenenbaum, Vizedirektor für das E-Auto-Programm von Renault. Er bestreitet die Vorwürfe. Über seinen Anwalt ließ er erklären, dass er "vollkommen überrascht" von den Vorwürfen sei.

Nach Angaben von Oliver Buquen, dem französischen Regierungsbeauftragten für strategische Wirtschaftsinformationen, haben die Fälle der Industriespionage in den vergangenen fünf Jahren dramatisch zugenommen. Es gebe "mehrere Tausend Fälle", sagte Buquen dem "Journal du Dimanche". Mittlerweile würden auch kleine Unternehmen ausspioniert. Da es derzeit aber nur wenig juristische Handhabe gebe, würden die meisten Unternehmen auf eine Anzeige verzichten. Industriespionage ist derzeit kein eigener Straftatbestand im französischen Rechtssystem. Das soll sich bald ändern. Derzeit arbeitet eine hochrangige Arbeitsgruppe an einem neuen Gesetz.

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