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03.04.2014

15:52 Uhr

Industrievorstand

Siemens prüft weitere Zukäufe im IT-Bereich

ExklusivDer Technologiekonzern Siemens will durch „sinnvolle Akquisitionsmöglichkeiten“ die Sparte Industrie-Software ausbauen. Die zunehmende Digitalisierung der Fertigung könne die Produktion in Deutschland attraktiver machen.

Siegfried Russwurm: Deutschland muss zum „der Exporteur der Produktionsmittel“ werden. ap

Siegfried Russwurm: Deutschland muss zum „der Exporteur der Produktionsmittel“ werden.

MünchenSiemens sieht sich nach weiteren Akquisitionen im Bereich der Industrie-Software um. „Die Fortentwicklung bei der IT ist immer die Kombination eigener Anstrengungen und von Zukäufen“, sagte Siemens-Industrievorstand Siegfried Russwurm dem Handelsblatt. „Deshalb schauen wir auch jetzt, wo es sinnvolle Akquisitionsmöglichkeiten gibt.“

Der Technologiekonzern sieht sich nach einer Reihe von teils milliardenschweren Zukäufen in den vergangenen Jahren als Weltmarktführer bei Industriesoftware an.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Durch die zunehmende Digitalisierung der Fertigung könne die Produktion in Deutschland attraktiver werden, sagte Russwurm kurz vor Beginn der Hannover Messe. Allerdings würden Produkte zunehmend da gefertigt, wo die Kunden seien. „Und da ist Deutschland nur ein Markt von vielen.“

Die Chance für Deutschland sei es, „der Exporteur der Produktionsmittel“ zu sein. So würden Autos zunehmend in den Absatzmärkten gefertigt – allerdings mit Anlagen und Bauteilen, die aus Deutschland kommen. „Das ist die eigentliche Zukunft der deutschen Industrie.“

Von

ax

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