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11.01.2012

00:00 Uhr

Infrastruktur

Briten wollen Milliarden in neue Bahnprojekte stecken

VonMatthias Thibaut, Katharina Slodczyk, Eberhard Krummheuer

Großbritannien ringt sich nach langer Zeit zu einer Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur durch. Das Land will Milliarden in neue Bahnprojekte stecken. Die Industrie hofft auf Großaufträge, die Gegner protestieren.

Das derzeit größte laufende Bauprojekt London Crossrail wurde zum ersten Mal bereits 1948 vorgeschlagen. dpa

Das derzeit größte laufende Bauprojekt London Crossrail wurde zum ersten Mal bereits 1948 vorgeschlagen.

London/DüsseldorfBriten tun sich mit großen Infrastrukturprojekten notorisch schwer. Die konservative Premierministerin Margaret Thatcher erlaubte den Bahntunnel unter dem Ärmelkanal einst nur unter der Voraussetzung, dass kein Penny an öffentlichem Geld investiert würde. Das derzeit größte laufende Bauprojekt London Crossrail, eine Zugverbindung zwischen den Bahnhöfen Paddington und Liverpool, wurde zum ersten Mal bereits 1948 vorgeschlagen. Und die Labour-Regierung zierte sich zehn Jahre lang, bevor sie im Jahr 2008 grünes Licht gab.

Es erscheint vor diesem Hintergrund wundersam, dass Großbritannien jetzt viele Milliarden in die Hand nehmen will, um im Jahr 2012 eine neue Eisenbahn-Ära einzuläuten. Nachdem Verkehrsministerin Justine Greening gestern grünes Licht für den Bau eines britischen Hochgeschwindigkeits-Streckennetzes gegeben hat, keimen in der Bau- und Bahnindustrie Hoffnungen. Für rund 32 Milliarden Pfund soll London in der nächsten Dekade mit Nordengland und später möglicherweise mit Schottland verbunden werden.

Der erste Bauabschnitt des Projekts „High Speed 2“ (HS2) soll über eine 240 Kilometer lange und 17 Milliarden Pfund teure Strecke London mit Birmingham verbinden. In den „Doppelstock-Waggons mit Glasdächern im kontinentalen Stil“, von denen die Ministerin schwärmte, werden die ersten Passagiere aber frühestens 2026 nach Birmingham reisen. Vorher wartet noch viel Arbeit auf Großbritannien.

Zunächst sind es die Baufirmen, die von diesem Megaprojekt profitieren werden. Experten gehen davon aus, dass sich der US-Anlagenbauer Bechtel und sein Konkurrent CH2M Hill an der Ausschreibung beteiligen werden. „Die beiden gelten als Favoriten, wenn es um den Bau von HS2 geht“, heißt es aus dem Umfeld der Planungsgesellschaft. Offiziell wollte sich das Unternehmen noch nicht zu möglichen Firmen äußern, die das Projekt verwirklichen sollen. Bechtel war bereits Teil des Konsortiums, das die Verbindung zwischen dem Eurotunnel und London (kurz HS1 genannt) gebaut hat. An dem Projekt waren auch das Londoner Ingenieurbüro Arup sowie das britische Infrastrukturunternehmen Halcrow und der französische Dienstleister Systra beteiligt.

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