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26.01.2012

12:10 Uhr

Infrastruktur und Loks

Bahn plant Milliardeninvestitionen

Sind die Kunden sauer, sinkt das Gehalt. So klingt das neue Gehaltskonzept für den Vorstand der Deutschen Bahn, die die Kundenzufriedenheit über Umfragen objektiv messen will.

Die Chef-Etage soll auf die Kundenzufriedenheit im Geldbeutel spüren. ap

Die Chef-Etage soll auf die Kundenzufriedenheit im Geldbeutel spüren.

BerlinDie Deutsche Bahn will ihre Investitionen in Lokomotiven, Waggons und Schienenwege in den nächsten Jahren noch einmal erhöhen. Die Bruttoinvestitionen würden für die nächsten fünf Jahre um 3,5 Milliarden Euro erhöht, sagte Bahnchef Rüdiger Grube am Mittwochabend in Berlin. „Insgesamt nehmen wir von heute bis 2016 bei der Deutschen Bahn 49,5 Milliarden Euro in die Hand.“ Davon sollten zwei Drittel in die Infrastruktur und ein Drittel für Fahrzeuge und Qualitätsverbesserungen ausgegeben werden.

Konzernunterlagen zufolge plant die Bahn 2012 zudem trotz Schuldenkrise mit einem Rekordgewinn und will bis Ende 2013 fast 10.000 Stellen mehr haben.

Die Investitionen bei der Bahn setzen sich zum einen aus Bundesmitteln sowie aus selbst erwirtschaftetem Geld zusammen. Die Schienenwege werden im Wesentlichen vom Bund finanziert, der dafür jährlich ungefähr 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellt. Die zusätzlichen Investitionen bis 2016 sollen nun aber rein aus Mitteln der Bahn selbst fließen. Eine große Rolle spielen dabei neue Fahrzeuge gerade für den Regionalverkehr. Erste Exemplare des neuen Fernzugs ICx werden ab Ende 2016 erwartet. Wegen Qualitätsproblemen bei den Herstellern hatten sich hier Auslieferungen verzögert. Nach Reuters vorliegenden Konzernunterlagen blieben so die Investitionen 2011 auch unter Plan.

Für dieses Jahr gab sich Grube verhalten optimistisch. In Deutschland rechne die Bahn mit einem Wirtschaftswachstum von einem Prozent. Grundsätzlich erwarte das Unternehmen sowohl beim Schienengüterverkehr, der Logistik wie dem Personenverkehr hohe Wachstumsraten in den nächsten Jahren. Die Trends sprächen für die Bahn: Fahrgastrekorde im öffentlichen Verkehr, steigende Nachfrage nach Mietfahrrädern und Carsharing sowie die abnehmende Bedeutung des Autos für die jüngere Generation.

Die Staatsschuldenkrise jedoch wirke sich in vielen Ländern aus. So habe sich der Rückgang in der Luftfracht in den letzten Monaten fortgesetzt. Dies sei ein verlässliches Anzeichen für eine sich abschwächende Konjunktur. Auch beim Konzernergebnis habe sich die Dynamik im zweiten Halbjahr abgeschwächt.

Kommentare (1)

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17.02.2012, 21:40 Uhr

Milliardeninvestitionen: Quo vadis "Unternehmen Zukunft"!?

Geld allein ist wohl nicht das Problem bei der Bahn AG. Aber im Kern geht es um ein ganzes Netz, das immer noch "falsch gepolt" arbeitet. Die Politiker und die Bahn als bundeseigener Logistikkonzern sollten die nächsten Investments dringendst an Best-Practice-Solutions orientieren, mit der Schweiz und der SBB als Benchmark: Im Alpenland mit der schwierigen Topografie funktioniert nämlich seit "bahn 2000" das ganze Netz in der Fläche pünktlichst wie ein Uhrwerk im Takt. Das Halbtax-Abo gehört für Schweizer wie selbstverständlich zum Mobilitätsmix dazu, das Schienennetz aktuell mit dem Projekt "Bahn 2030" weiter auf Kapazität und nicht allein auf Geschwindigkeit hin ausgebaut.

Hier in Deutschland scheint dagegen die eine Bahntochter nicht zu wissen, was die andere gerade tut und plant. Die Güterbahn fährt in Konkurrenz zur bahneigenen Schenker-LKW-Flotte. Die Bundesländer bestellen Schienenkilometer je nach Haushaltslage und bei der Fernbahn bleiben jetzt sogar ICE-Züge auf freier Strecke oder in Tunnels liegen. Die zu teuren Neubaustrecken werden nicht im Zeitrahmen fertig. Bei der Güterlogistik werden parallel dazu die Trassenkapazitäten knapp.

Einen sinnvollen Netz-Ausbau hemmen wohl immer noch zu viele gegensätzliche Interessen und Zuständigkeiten auf Bundes- und Länderebene. Es gibt zu wenig Geld für die zeitnahe Umsetzung von effektiven Verbesserungen im System.

Und so werden sie noch lange lärmend durch die Nacht rattern, die zu lauten Güterzüge auf den Bestandsstrecken in den Flusstälern. Und in der Fläche wird der DB-Kundenservice weiter rückläufig bleiben. Das vernachlässigte Schienennetz klappert und ächzt, weil es den auf uns zukommenden Herausforderungen im Schienentransport schon heute nicht mehr gewachsen ist.

Wo bleibt denn der Strategiewechsel nach dem Motto: "Herzlich willkommen im Land der nachhaltigen Mobilität!"?


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